• 12.09.2007, 18:16:30
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Andreas Unterbergers Tagebuch

Die Insel ist überflutet

Wien (OTS) - Die Insel ist überflutet

Die "Insel der Seligen" ist von der Realität überflutet worden.
Musste schon Benedikt XVI. bei seiner Österreich-Visite dieses
leichtfertige Zitat eines seiner Vorgänger korrigieren, so zeigen die
letzten Stunden, dass wir auch in puncto Terrorismus keine Insel mehr
sind. Die Verhaftung dreier Verdächtiger ist ein lautes Alarmsignal -
beruhigt aber wieder insofern, als nun die Vogel-Strauß-Politik von
Politik und Staatsanwaltschaft beendet scheint.

Wir tappen bei vielen Details zwar noch im Dunkeln. Aber eines ist
klar: Neben der großen Masse absolut friedlicher Moslems in
Österreich gibt es - wie Experten seit langem warnen - eine in der
Tiefe dieser Masse wuchernde Geschwulst radikaler und gewaltbereiter
Elemente. Die Behörden haben diese bisher offenbar nicht immer ernst
genommen: Seit Monaten sind etwa die aufpeitschenden Kampfpredigten
eines Imam bekannt - aber der Mann darf trotzdem auch im neuen
Schuljahr österreichische Religionslehrer ausbilden.

Auch die friedlichen Moslems können nicht jede Schuld von sich
schieben: Ihre offiziellen Vertreter haben sich nur selten mit der
nötigen Schärfe von solchen Elementen distanziert, ja diese oft sogar
verteidigt. Jede Gemeinde muss aber wissen, dass Barmherzigkeit mit
Übeltätern aus ihren Reihen am Ende immer der ganzen
Glaubengemeinschaft auf den Kopf fällt - auch wenn diese glauben mag,
durch religiös-politische Abgeordnete und mit Hilfe mancher Medien
immun zu sein.

Umgekehrt darf es aber niemals eine Menschenhatz geben. Österreich
muss mit den Folgen der 90er Jahre, als man der Zuwanderung allzu
leichtfertig die Tore geöffnet hat, human umgehen.

Das Land muss sich aber auch über die Motive jenes Fehlers klar
werden: Die Wirtschaft wollte rasch billige Arbeitskräfte, ohne sich
um die Folgekosten zu scheren; formal orientierte Juristen
verhinderten eine Bevorzugung von Zuwanderern aus dem kulturell
affinen Mitteleuropa; die Instrumentalisierung des heiklen Themas
durch Rechtsparteien hat zu falschen Gegenreaktionen politisch
korrekter Kreise geführt; und schließlich haben diese in peinlicher
Ahnungslosigkeit die arbeitsuchenden islamischen und afrikanischen
Zuwanderer mit den einst von Hitler tödlich bedrohten (und vielerorts
abgewiesenen) Flüchtlingen verwechselt.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

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Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at

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