Andreas Unterbergers Tagebuch

Die Insel ist überflutet

Wien (OTS) - Die Insel ist überflutet

Die "Insel der Seligen" ist von der Realität überflutet worden. Musste schon Benedikt XVI. bei seiner Österreich-Visite dieses leichtfertige Zitat eines seiner Vorgänger korrigieren, so zeigen die letzten Stunden, dass wir auch in puncto Terrorismus keine Insel mehr sind. Die Verhaftung dreier Verdächtiger ist ein lautes Alarmsignal -beruhigt aber wieder insofern, als nun die Vogel-Strauß-Politik von Politik und Staatsanwaltschaft beendet scheint.

Wir tappen bei vielen Details zwar noch im Dunkeln. Aber eines ist klar: Neben der großen Masse absolut friedlicher Moslems in Österreich gibt es - wie Experten seit langem warnen - eine in der Tiefe dieser Masse wuchernde Geschwulst radikaler und gewaltbereiter Elemente. Die Behörden haben diese bisher offenbar nicht immer ernst genommen: Seit Monaten sind etwa die aufpeitschenden Kampfpredigten eines Imam bekannt - aber der Mann darf trotzdem auch im neuen Schuljahr österreichische Religionslehrer ausbilden.

Auch die friedlichen Moslems können nicht jede Schuld von sich schieben: Ihre offiziellen Vertreter haben sich nur selten mit der nötigen Schärfe von solchen Elementen distanziert, ja diese oft sogar verteidigt. Jede Gemeinde muss aber wissen, dass Barmherzigkeit mit Übeltätern aus ihren Reihen am Ende immer der ganzen Glaubengemeinschaft auf den Kopf fällt - auch wenn diese glauben mag, durch religiös-politische Abgeordnete und mit Hilfe mancher Medien immun zu sein.

Umgekehrt darf es aber niemals eine Menschenhatz geben. Österreich muss mit den Folgen der 90er Jahre, als man der Zuwanderung allzu leichtfertig die Tore geöffnet hat, human umgehen.

Das Land muss sich aber auch über die Motive jenes Fehlers klar werden: Die Wirtschaft wollte rasch billige Arbeitskräfte, ohne sich um die Folgekosten zu scheren; formal orientierte Juristen verhinderten eine Bevorzugung von Zuwanderern aus dem kulturell affinen Mitteleuropa; die Instrumentalisierung des heiklen Themas durch Rechtsparteien hat zu falschen Gegenreaktionen politisch korrekter Kreise geführt; und schließlich haben diese in peinlicher Ahnungslosigkeit die arbeitsuchenden islamischen und afrikanischen Zuwanderer mit den einst von Hitler tödlich bedrohten (und vielerorts abgewiesenen) Flüchtlingen verwechselt.

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