• 12.09.2007, 17:27:49
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 13.9.2007: Affäre Meinl: Die Stunde der Windmacher - von Arne Johannsen

Viele kritisieren jetzt, was sie selbst mit-getragen haben

Wien (OTS) - Fast könnte man glauben, es handle sich um einen
Freundschaftsdienst: Julius Meinl hat es geschafft, den im
Bawag-Prozess angeklagten Wolfgang Flöttl aus den Schlagzeilen zu
drängen. Wer interessiert sich noch für die Bawag, wenn im Hause
Meinl Feuer am Dach ist?
Fast könnte man meinen, manch einer sorgt jetzt bewusst für kräftigen
Wind und hohe Wellen, um von früheren Versäumnissen abzulenken. Die
Finanzmarktaufsicht FMA will jetzt vor Ort alles ganz genau prüfen
dieselbe FMA, die den Börseprospekt der Ost-Immobiliengesellschaft
Meinl European Land geprüft und dem Unternehmen Börsereife attestiert
hat, inklusive aller merkwürdigen Konstruktionen von Jersey bis
Aruba.
Der Vorstand der Wiener Börse drängt auf ein schärferes Börsegesetz
dabei war er keineswegs gezwungen, tatenlos zuzuschauen, als MEL
bewusst und wissentlich viele Informations- und
Transparenzrichtlinien für sich ausser Kraft setzte, und das auch
noch schriftlich. Wer ein schärferes Gesetz fordert, ist gut beraten,
das vorhandene erst einmal konsequent anzuwenden.
Auch einige Vermögensberater, die ihren Kunden MEL-Aktien verkauft
haben, denken jetzt über eine Klage nach jene Vermögensberater, deren
Aufgabe es gerade gewesen wäre, auch das Kleingedruckte zu lesen.
Oder waren statt Beratern in Wahrheit doch eher Verkäufer unterwegs,
die mehr an die eigene Provision als an das Risikoprofil der Anleger
dachten?
Damit kein Missverständnis entsteht: Die Vorgänge rund um die
MELgehören aufgeklärt. Doch der Aktionismus der vergangenen Tage darf
nicht darüber hinwegtäuschen, dass etliche der Hauptakteure jetzt
Dinge kritisieren, die sie selbst mitzuverantworten haben.
Das Eis, auf dem die meisten gerade herumrutschen, scheint äusserst
dünn, auch für Julius Meinl selbst. Dessen Verteidigungsstrategie
läuft vor allem darauf hinaus, die Meinl Bank aus der Schusslinie zu
halten.Ich führe eine Bank und kein Immobiliengeschäft, lautet der
für Meinl zentrale Satz. Denn gibt es nachweisbare Querverbindungen
zwischen Immobilien-Gesellschaft und Meinl Bank, brechen die Dämme:
Anleger könnten sich mit guten Chancen an der feinen Privatbank
schadlos halten.
Die börsenotierten Meinl-Gesellschaften wurden von findigen
Wirtschaftsanwälten clever konstruiert: Ob die Kurse stiegen oder
fielen, in irgendeiner Meinl-Firma klingelte immer die Kasse. Seriös
ist das nicht. Doch Gesetzeswidrigkeit nachzuweisen, wird ein
steiniger Weg.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder /280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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