Robert Schneider überwand schwere Krise

Erstes Interview des "Schlafes Bruder"-Autors seit 5 Jahren

Wien (OTS) - Der Vorarlberger Autor Robert Schneider, der mit "Schlafes Bruder" einen Welterfolg schuf, durchlebte in den vergangenen Jahren eine schwere Krise der Kraftlosigkeit, der Verzweiflung und des Rückzugs aus der Öffentlichkeit. Zum Erscheinen seines Romans "Die Offenbarung" (über einen Amateurforscher, der ein unbekanntes Meisterwerk Bachs findet und an der Fachwelt scheitert) spricht er in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe nach fünf Jahren Interview-Verweigerung über die schwere Zeit und ihre Überwindung.

Schneider, der nach wie vor in seinem Elternhaus in Meschach lebt, wartete nach "Schlafes Bruder" (1992) sechs Jahre lang, ehe er einen Nachfolgeband vorlegte. "Die Luftgängerin" wurde großteils gehässig rezensiert und erreichte nicht annähernd die Millionenauflage des Kult-Erstlings.

Schneider heute: "Freilich gab es Zeiten der Verzweiflung, der enormen Irritation, bis hin zu dem Wunsch, nur noch unter Pseudonym publizieren zu wollen. Aber dann hätte ich in Wahrheit mich selbst verraten und alle diejenigen Leser, die mir treu geblieben sind, über sämtliche Stürme der Ablehnung hinweg. Beruflich gesehen hat mich die ,Luftgängerin’ ins völlige Ödland geführt,was die öffentliche Anerkennung betrifft. Aber glauben Sie mir, ich liebe dieses
Buch genau so wie ,Schlafes Bruder’."

Schneider weiter in NEWS: " Einerseits kam ich in meinem Schreiben an einen Punkt, wo die innere Notwendigkeit des Erzählens verloren ging. Ich verspürte keine Kraft mehr, eine Geschichte zu schreiben. Ich war leer und konnte nur eines tun: Warten, mich ernst nehmen und hoffen, dass ich wieder einen Satz schreiben kann, dem ich vertraue. Andererseits war ich mit einem öffentlichen Bild von mir konfrontiert, in dem ich mich nicht mehr wieder erkannt habe. Ein Fremder sah mich aus den Zeitungen an, eine Fratze meiner selbst."

Bei sich selbst stellt Schneider eine grundlegende Wandlung fest:
"Ich merke, dass ich gelassener geworden bin. Ich merke, dass ich keine
Angst mehr vor den Menschen habe. Ich merke, dass meine alte Wunde des Nicht-geliebt-Seins, allmählich zu verheilen beginnt. Und ich merke, dass ich verzeihen kann. Vor allem mir selbst. (...) Für mich war und ist das Wort Glück der Beginn von Missverständnissen. Ich war zu einer Zeit unglücklich, als draußen alle meinten, der muss doch platzen vor Glück. Der hat ja alles. Erfolg, Geld, Ansehen, usw. Ich habe aufgehört, nach dem Phantom Glück zu jagen, weil es meine wirklichen, meine existenziellen Fragen verschattet hat, und weil es mich daran hinderte, im Jetzt zu leben."

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