• 06.09.2007, 20:37:01
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Schwund der Kirche und der Papst als Reibebaum" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 7.9.2007

Graz (OTS) - Der Papst ist wieder da und mit ihm die alten Fragen.
Was kostet es und was bringt es? Die Kirche schrumpft und schwächelt,
sagen Statistiker, und die Zahlen geben ihnen Recht. Die Priester
werden weniger, die Gläubigen auch. Der Besuch des alten, gebildeten
Mannes wird daran nichts ändern.

Ein resignativer Ton liegt wie Mehltau über den Texten, die diesen
Besuch einbegleiten. Interne Kritiker, soferne sie sich nicht
ermattet zurückgezogen haben, wirken schaumgebremst, als trauten sie
ihren Worten keine Wirkung mehr zu. Sogar Gegner der Kirche scheinen
zu bedauern, dass ihnen langsam ein liebgewordener Sparringpartner
abhanden kommt. "Der österreichische Katholizismus ist politisch
pflegeleicht geworden - nach außen den Kontroversen ausweichend, nach
innen beliebig", schreibt Anton Pelinka in der Zeit.

Da würde der Gast vermutlich mit dem Kopf nicken. "Relativismus nennt
er das. Es ist sein Lieblingsthema. Schon in seiner Antrittsrede als
Bischof von München-Freising hat er das Wort gebraucht, vor 30
Jahren. Wahrscheinlich haben die Kardinäle ihn gerade deshalb
gewählt. Der Wahrheitsanspruch des christentums steht auf dem Spiel,
wo schon dessen bloße Behauptung als Intoleranz gilt.

Stärker als sein Vorgänger setzt Benedikt daher auf Abgrenzung, auf
genaue Bestimmung des unterscheidend Christlichen, dann des
spezifisch Katholischen. Manchmal geht das in die Hosen. In seiner
Rede an der Universität Regensburg hat Benedkt Muslime ohne Not
verprellt, in Brasilien Indios. Und das Papier über den
Protestantismus, das die Glaubenskongregation mit seiner Zustimmung
publiziert hat, liest sich wie eine ungeschlachtete Polemik aus der
Zeit der Glaubenskriege.

Einen Papst zu kritisieren ist einfach. Das Amt überfordert jeden,
egal wie es definiert ist: "Diener der Diener Gottes" ist man nicht
leichter als "Stellvertreter Christi". Die Latte liegt hoch, und
lustvoll registriert das Publikum den Abwurf. Man hat es ja kommen
sehen.

Jetzt hat er schon wieder ein paar Dinge falsch gemacht. Er spricht
nicht mit Protestanten oder Orthodoxen, er trifft keine kritischen
Katholiken und keine Muslime. Dass es ja nur eine Pilgerreise sei,
was ihn nach Österreich führe, ist eine schwache Begründung dafür.

Benedikt wird schweigen vor dem Denkmal für die ermordeten Juden in
Wien, und er wird öffentlich sprechen, mit hoher, professoraler
Stimme. Es lohnt sich, ihm genau zuzuhören. Und sei es nur, als
Sparring-Partner. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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