• 06.09.2007, 17:46:36
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WirtschafsBlatt Kommentar vom 7.9.2007: Anlegerschützer leben gefährlichv - von Peter Muzik

Ein Schutzpatron muss auf der Seite der Schwachen stehen

Wien (OTS) - Wilhelm Rasinger, eine Art Schutzpatron der
heimischen Kleinanleger, hat sich immer schon gerne mit den Mächtigen
angelegt und stets verbale Ohrfeigen verteilt, wenn ihm irgendetwas
an der Börse nicht koscher vorgekommen ist. Jetzt ist der umtriebige
Präsident des Interessenverbands der Anleger (IVA) wieder einmal
selbst zur Zielscheibe geworden: Ausgerechnet die unglückselige Meinl
European Land (MEL) habe, berichtet "Format" in seiner heutigen
Ausgabe, Gelder auf einem zweckgewidmeten Treuhandkonto des
Rasinger-Verbandes deponiert.

Gerüchteweise ist schon seit geraumer Zeit zu vernehmen - und es ist
nicht das erste Mal, dass Rasinger merkwürdige Dinge nachgesagt
werden -, er sei als Berater für die Meinl-Bank tätig gewesen. Damit
sollte vermutlich suggeriert werden, dass die MEL-Aktie von seinem
IVA sozusagen ein Gütesiegel bekommen habe. Tatsächlich lässt sich
aber nachlesen, dass sich Rasinger zumindest seit Beginn der
MEL-Krise ziemlich kritisch über Julius Meinl V. äusserte. Im Übrigen
habe er in der Vergangenheit zwar einige Gespräche mit dem Fünften
geführt, bei denen es um diverse Kapitalmarktfragen rund um MEL
gegangen sei - allerdings fand das letzte Gespräch schon im Herbst
2006 statt.

Als Zeichen der konstruktiven Einstellung zum Anlegerschutz habe
Meinl, heisst es in einer IVA-Aussendung, bei einer Rechtsanwältin
ein Treuhandkonto dotiert - mit der Widmung, allfällige Rechts- und
Beratungskosten des IVA zu finanzieren. Damit sind zwar, fürs Erste,
sowohl Rasinger als auch Meinl aus dem Schneider. Bei genauerer
Betrachtung der Fakten mutet es jedoch zumindest merkwürdig an, dass
Österreichs derzeitiger Buhmann Nummer eins den grosszügigen Mäzen
des recht häufig ziemlich bissigen Klein-Verbands spielt. Und dass
sich umgekehrt der IVA von einer Seite unterstützen lässt, die er
eigentlich genauestens unter die Lupe nehmen müsste.

Meinl verdient für den taktischen Fauxpas ebenso einen Fünfer wie für
das Faktum, dass er ausgerechnet einen anderen Anlegerschützer, den
da und dort gefürchteten Rupert-Heinrich Staller, zu seinem
persönlichen Sprachrohr gemacht hat. Rasinger indes, der zweifellos
schon etliche Erfolge für die Kleinanleger verbuchen konnte, wäre gut
beraten, künftig alles zu unterlassen, was auch nur im Entferntesten
nach Korrumpierung riecht. Bei jedem Schutzpatron muss nämlich klar
sein, auf welcher Seite er zu stehen hat - naturgemäss auf der der
Schwächeren.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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