Wiener Patientenentschädigungsfonds reformiert

Wien (OTS) - Der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwalt Konrad Brustbauer teilt mit, dass er für Ende September die nächste Beiratssitzung des Wiener Patientenentschädigungsfonds angesetzt habe. In den etwa in Monatsabständen stattfindenden Sitzungen wird über die vom Wiener Pflege- und PatientInnenanwalt vorgeschlagene Zuerkennung von Mitteln für erlittene Medizinschäden in einer Gesamthöhe von jährlich mehr als 1 Mio. Euro an geschädigte PatientInnen beraten.

Reform des Patientenentschädigungsfonds

Der neue Wiener Patientenanwalt hat die Verwaltungsvorgänge rund um den Wiener Patientenentschädigungsfonds sofort nach seinem Amtsantritt reformiert, da einige Abläufe in der Vergangenheit nicht optimal waren. Die Reform steht unmittelbar vor dem Abschluss. Die begleitende Kontrolle, dass jene 73 Cent für die ersten 28 Spitalstage, die mit den Patientenbeiträgen eingehoben werden, dem Patientenentschädigungsfonds zugeführt werden, wurde verbessert und es wird eine noch klarere Trennung vom Stadtbudget vorgenommen.

Der Patientenanwalt empfiehlt auf Basis seiner unabhängigen Stellung unter besonderer Wahrung des PatientInneninteresses unbeeinflusst einem Beirat eine Entschädigung. Auch die in diesem Zusammenhang eingeholte Stellungnahmen und damit die Verfahrensabläufe sind für die betroffenen PatientInnen jetzt wesentlich transparenter. Brustbauer: "Damit ist auch für die Zukunft gesichert, dass PatientInnen nicht auf der Strecke bleiben, wenn im Spital Fehler passieren."

Ein offener Punkt ist noch die weitgehende Vereinheitlichung der Entschädigungspraxis in ganz Österreich. Bei der nächsten ARGE-Sitzung der Patientenanwälte wird Brustbauer diesbezüglich initiativ werden.

Auch die schon in der ARGE-Sitzung im vergangenen Mai von Wien angeregte Ausweitung von Entschädigungsansprüchen auf niedergelassenen Ärzte will Brustbauer neuerlich zur Diskussion stellen. Ein weiteres Anliegen ist Brustbauer, dass endlich die PatientInnen aller Krankenanstalten in den Patientenentschädigungsfonds einbezogen werden.

Dotiert wird der Fonds aus von den PatientInnen zu entrichtenden Beiträge, die anlässlich eines Spitalsaufenthaltes in der ersten 28 Tagen eingehoben werden. Der Wiener Fonds verfügt dzt. mit rund 3 Mio. Euro über ausreichende Reserven, um Schadensfälle auch angemessen entschädigen zu können.

PatientInnen so genannter "Fondskrankenhäuser" - im Wiener Stadtgebiet fallen darunter alle städtischen, aber auch mehrere Spitäler anderer öffentlicher Rechtsträger sowie mehrere Privat- bzw. Ordensspitäler - können bei erlittenen Medizinschäden Entschädigungszahlungen erhalten. Während bei eindeutige Haftungsfällen, denen z.B. zweifelsfrei ein ärztlicher Fehler zugrunde liegt, betroffene PatientInnen in der Regel von den Rechtsträgern der Krankenanstalt oder deren Versicherung direkt entschädigt werden, springt der Patientenentschädigungsfonds in Wien für nicht eindeutige Haftungsfälle ein. Auch für bislang unbekannte und seltene, aber schwere Komplikationen kann eine Entschädigung zuerkannt werden. Daneben existiert noch ein Härtefonds, wo im Zusammenhang mit medizinischen Schadensfällen insbesondere auch auf soziale Gründe, die für eine Entschädigung sprechen, Bedacht genommen werden kann.

Der Patientenentschädigungsfonds und der Härtefonds haben den Zweck, geschädigten PatientInnen gerade in Zweifelsfällen langwierige Gerichtsprozesse zu ersparen, die letztlich auch mit einem erheblichen Prozessrisiko (Gerichtskosten, Rechtsanwalt, Gutachterkosten usw.) verbunden sein können. Das Einschreiten der Pflege- und PatientInnenanwaltschaft ist hingegen kostenlos. Brustbauer:"Aus meiner früheren Berufslaufbahn als Richter weiß ich, wie schwierig es manchmal ist, als Kläger dem Gericht beweisen zu können, dass tatsächlich ein Verschulden oder eine Haftung des Beklagten gegeben ist. Noch schwieriger sind Beweisfragen im medizinischen Bereich zu klären. Wer kann etwa mit letzter Sicherheit sagen, ob es sich bei Folgen einer komplizierten Operation um einen bedauerlichen schicksalhaften Verlauf oder doch um einen verschuldeten Fehler handelt? Dann kommen zum erlittenen Schaden, zu Schmerzen, Behinderungen oder zum Jobverlust womöglich auch noch die Kosten eines verlorenen Prozesses. Der Patientenentschädigungsfonds lässt hingegen eine außergerichtliche Entschädigung zu, wenn die Beweisführung besonders schwierig ist."

Die Entschädigung hilft aber nicht nur den betroffenen PatientInnen, sondern hat auch einen wichtigen Stellenwert in der Qualitätssicherung des Gesundheitswesens. So kommt die Aufarbeitung möglicher Fehler auch anderen PatientInnen zugute, "denn auch bloß wahrscheinliche, wenn auch nicht beweisbare Fehler werden natürlich gemeinsam mit der Spitalsleitung und dem Qualitätsmanagement aufgearbeitet und daraus Lehren gezogen, wie man es künftig besser machen kann. Das Spital muss also auch Konsequenzen ziehen ", so Brustbauer.

Aus den Entschädigungsleistungen kann man laut Brustbauer keinesfalls ableiten, dass die Qualität der medizinischen Betreuung in Wien schlecht sei: Ganz im Gegenteil: "Wo absolute Spitzenmedizin angeboten wird und Ärzte auch schwierigere Eingriffe und Behandlungen vornehmen, können leider auch eher Komplikationen auftreten."

Die Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft bietet eine ganze Reihe weiterer Beratungs- und Hilfeleistungen an. Siehe Homepage www.patientenanwalt.wien.at/ oder die in den Spitälern, Wohn- und Pflegeheimen aufliegenden und ausgehängten Informationen. (Schluss) red

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