"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ordnung muss sein" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 31.08.2007

Wien (OTS) - Nur sechs bis sieben Prozent aller
Österreicher(innen) können sich vorstellen, ihre Bankverbindung zu wechseln; ganze ein bis zwei Prozent jährlich tun es.
Das stellt entweder der Qualität der heimischen Banken ein gutes Zeugnis aus oder ist Beweis für die Bequemlichkeit der Kunden: Ein Wechsel ist mühsam und auch teuer, und wer nicht wirklich unzufrieden ist mit der Betreuung, tut sich das nicht an.
Die EU will einen Teil der Hürden beseitigen, die Bankkunden von einem Wechsel abhalten. Am 19. September wird in Brüssel ein Hearing stattfinden, bei dem hohe Gebühren und andere Hemmnisse zur Diskussion stehen.
In Österreich könnten die Banken dieser EU-Initiative gelassen entgegensehen. Wenn ganze sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung an einen Wechsel ihrer Bankverbindung auch nur denken, bleibt ihr Risiko gering.
Beim Bankenseminar in Alpbach hörte man es diese Woche allerdings auch anders: "Die EU soll Ruhe geben. Wenn ohnehin kaum jemand unzufrieden ist, dann können die hohen Gebühren und Hürden ruhig bleiben. Sie stören ja niemanden."
Das erinnert fatal an die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten:
Gewerkschaft und wettbewerbsscheue Händler sind sich immer schnell einig: "Ordnung muss sein. Am Abend oder am Wochenende will ohnehin kaum jemand einkaufen. Deshalb darf den Kaufleuten ruhig vorgeschrieben werden, wann sie die Rollbalken herunterlassen müssen. Es stört ja niemanden."
Die Idee, es den Kunden zu überlassen, ob sie ihre Bankverbindung wechseln oder zu ungewöhnlichen Zeiten einkaufen wollen, ist in Österreich nicht wirklich populär. Wettbewerb ist mühsam, und was immer Geldinstitute oder Handel davor schützt, wird hierzulande von vielen Unternehmern immer noch hoch geschätzt.
Auf Dauer wird diese Einstellung nicht halten. Der Einzelhandel verliert bereits jetzt Milliardenumsätze an Tankstellen, die rund um die Uhr und auch am Wochenende geöffnet haben. Demnächst werden grenznahe Einkaufszentren mit kundenfreundlichen, sehr liberalen Öffnungszeiten in benachbarten EU-Staaten dem hiesigen Handel weitere Kunden abspenstig machen.
Wenn sich für die Händler das Offenhalten der Geschäfte am Wochenende oder spätabends nicht auszahlt, werden sie eben wieder früher (oder sogar ganz) zusperren. Entscheiden sollte darüber aber der Kundenwille und nicht der Gesetzgeber.
Dasselbe gilt für die Banken: Wenn Kunden nicht wechseln können, zwingt sie auch niemand dazu. Manche werden aber vielleicht Geldinstitute vorziehen, die ihnen zuvorkommende Beratung am Schalter bieten und sie nicht bloß zu Geldausgabeautomaten und Überweisungsboxen scheuchen. Dann sollte ein Wechsel leicht und billig möglich sein. Dem Wettbewerb und den Kunden würde das gut tun - und die Tüchtigen brauchen sich auch nicht zu fürchten.

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