- 30.08.2007, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ordnung muss sein" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 31.08.2007
Wien (OTS) - Nur sechs bis sieben Prozent aller
Österreicher(innen) können sich vorstellen, ihre Bankverbindung zu
wechseln; ganze ein bis zwei Prozent jährlich tun es.
Das stellt entweder der Qualität der heimischen Banken ein gutes
Zeugnis aus oder ist Beweis für die Bequemlichkeit der Kunden: Ein
Wechsel ist mühsam und auch teuer, und wer nicht wirklich unzufrieden
ist mit der Betreuung, tut sich das nicht an.
Die EU will einen Teil der Hürden beseitigen, die Bankkunden von
einem Wechsel abhalten. Am 19. September wird in Brüssel ein Hearing
stattfinden, bei dem hohe Gebühren und andere Hemmnisse zur
Diskussion stehen.
In Österreich könnten die Banken dieser EU-Initiative gelassen
entgegensehen. Wenn ganze sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung an
einen Wechsel ihrer Bankverbindung auch nur denken, bleibt ihr Risiko
gering.
Beim Bankenseminar in Alpbach hörte man es diese Woche allerdings
auch anders: "Die EU soll Ruhe geben. Wenn ohnehin kaum jemand
unzufrieden ist, dann können die hohen Gebühren und Hürden ruhig
bleiben. Sie stören ja niemanden."
Das erinnert fatal an die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten:
Gewerkschaft und wettbewerbsscheue Händler sind sich immer schnell
einig: "Ordnung muss sein. Am Abend oder am Wochenende will ohnehin
kaum jemand einkaufen. Deshalb darf den Kaufleuten ruhig
vorgeschrieben werden, wann sie die Rollbalken herunterlassen müssen.
Es stört ja niemanden."
Die Idee, es den Kunden zu überlassen, ob sie ihre Bankverbindung
wechseln oder zu ungewöhnlichen Zeiten einkaufen wollen, ist in
Österreich nicht wirklich populär. Wettbewerb ist mühsam, und was
immer Geldinstitute oder Handel davor schützt, wird hierzulande von
vielen Unternehmern immer noch hoch geschätzt.
Auf Dauer wird diese Einstellung nicht halten. Der Einzelhandel
verliert bereits jetzt Milliardenumsätze an Tankstellen, die rund um
die Uhr und auch am Wochenende geöffnet haben. Demnächst werden
grenznahe Einkaufszentren mit kundenfreundlichen, sehr liberalen
Öffnungszeiten in benachbarten EU-Staaten dem hiesigen Handel weitere
Kunden abspenstig machen.
Wenn sich für die Händler das Offenhalten der Geschäfte am Wochenende
oder spätabends nicht auszahlt, werden sie eben wieder früher (oder
sogar ganz) zusperren. Entscheiden sollte darüber aber der
Kundenwille und nicht der Gesetzgeber.
Dasselbe gilt für die Banken: Wenn Kunden nicht wechseln können,
zwingt sie auch niemand dazu. Manche werden aber vielleicht
Geldinstitute vorziehen, die ihnen zuvorkommende Beratung am Schalter
bieten und sie nicht bloß zu Geldausgabeautomaten und
Überweisungsboxen scheuchen. Dann sollte ein Wechsel leicht und
billig möglich sein. Dem Wettbewerb und den Kunden würde das gut tun
- und die Tüchtigen brauchen sich auch nicht zu fürchten.
Rückfragehinweis:
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