"Kleine Zeitung" Kommentar: "'Körndlfutter' für Autos ist eine Beruhigungspille für die Umwelt" (von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 21.08.2007

Graz (OTS) - Der Bio-Sprit tritt heftige Diskussionen los. Die Befürworter sehen eine herausragende Technik, die Belastung der Umwelt durch das CO2 in den Autoabgasen zu senken. Die Gegner argumentieren lautstark, der vermehrte Bedarf gefährde in armen Ländern die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, allgemein würden Lebensmittel teurer, weil wertvolles Getreide knapp werde.

Beiden Parteien kann man die Zugkraft ihrer Argumente nicht absprechen. Die Betrachtung der Entwicklung muss aber tiefer gehen. In der EU und in Amerika sollen brachliegende landwirtschaftliche Flächen zum Anbau von Getreide und Ölsaaten für die Erzeugung von Bio-Sprit herangezogen, in Südamerika die Anbauflächen ausgeweitet werden. Der Subkontinent ist der wichtigste Getreidelieferant der Welt. Setzen die Politiker die Pläne in die Tat um, würde der Preistreiberei wohl Wind aus den Segeln genommen.

Die Autoindustrie in Europa, Japan und den USA forscht intensiv an Techniken, den Verbrauch herkömmlicher Treibstoffe zu reduzieren. Beim Diesel ist das BlueTec, eine Motortechnologie, bei der zusätzlich künstlich erzeugter Harnstoff eingespritzt wird. Beim Benzinmotor hat sich in der Praxis die Hybrid-Technik, eine Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor, als derzeit beste Alternative erwiesen.

Auch neue Benzinsorten, wie das Biobenzin E85, werden als Retter der Umwelt gesehen. Der Nachteil liegt darin, dass nur wenige neue Modell von den Autokonzernen für diesen Treibstoff freigegeben wurden. Die alten Motoren, die in neun von zehn Autos eingebaut sind, werden die Umwelt noch so lange belasten, bis die Autobesitzer auf neueste Modelle umgestiegen sind.

Ein wesentlicher Aspekt wird in der Gesamtbetrachtung außer Acht gelassen. Das sind Staaten wie z. B. China, Indien oder Nigeria, in denen die wirtschaftliche Entwicklung rasant voranschreitet. Wie in Europa seit dem Wirtschaftswunder in den 60er-Jahren steigt dort der Wohlstand. Immer mehr Menschen kaufen Kühlschränke, Klimageräte und Autos.

Allein in China sollen bis 2010 mehr als zehn Millionen Pkw, Kombis und Kleinbusse neu zugelassen werden. Sie alle werden mit bewährter, billiger und alter Motortechnik als Stinker durch die Gegend fahren. Diese Regionen werden künftig die Umwelt mit Millionen von Tonnen an CO2 belasten.

Die Menge, die in Europa, ausgehend vom derzeitigen Zustand, eingespart werden kann, wirkt dagegen wie der Tropfen auf dem heißen Stein. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001