• 20.08.2007, 18:37:41
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "'Körndlfutter' für Autos ist eine Beruhigungspille für die Umwelt" (von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 21.08.2007

Graz (OTS) - Der Bio-Sprit tritt heftige Diskussionen los. Die
Befürworter sehen eine herausragende Technik, die Belastung der
Umwelt durch das CO2 in den Autoabgasen zu senken. Die Gegner
argumentieren lautstark, der vermehrte Bedarf gefährde in armen
Ländern die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, allgemein
würden Lebensmittel teurer, weil wertvolles Getreide knapp werde.

Beiden Parteien kann man die Zugkraft ihrer Argumente nicht
absprechen. Die Betrachtung der Entwicklung muss aber tiefer gehen.
In der EU und in Amerika sollen brachliegende landwirtschaftliche
Flächen zum Anbau von Getreide und Ölsaaten für die Erzeugung von
Bio-Sprit herangezogen, in Südamerika die Anbauflächen ausgeweitet
werden. Der Subkontinent ist der wichtigste Getreidelieferant der
Welt. Setzen die Politiker die Pläne in die Tat um, würde der
Preistreiberei wohl Wind aus den Segeln genommen.

Die Autoindustrie in Europa, Japan und den USA forscht intensiv an
Techniken, den Verbrauch herkömmlicher Treibstoffe zu reduzieren.
Beim Diesel ist das BlueTec, eine Motortechnologie, bei der
zusätzlich künstlich erzeugter Harnstoff eingespritzt wird. Beim
Benzinmotor hat sich in der Praxis die Hybrid-Technik, eine
Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor, als derzeit beste
Alternative erwiesen.

Auch neue Benzinsorten, wie das Biobenzin E85, werden als Retter der
Umwelt gesehen. Der Nachteil liegt darin, dass nur wenige neue Modell
von den Autokonzernen für diesen Treibstoff freigegeben wurden. Die
alten Motoren, die in neun von zehn Autos eingebaut sind, werden die
Umwelt noch so lange belasten, bis die Autobesitzer auf neueste
Modelle umgestiegen sind.

Ein wesentlicher Aspekt wird in der Gesamtbetrachtung außer Acht
gelassen. Das sind Staaten wie z. B. China, Indien oder Nigeria, in
denen die wirtschaftliche Entwicklung rasant voranschreitet. Wie in
Europa seit dem Wirtschaftswunder in den 60er-Jahren steigt dort der
Wohlstand. Immer mehr Menschen kaufen Kühlschränke, Klimageräte und
Autos.

Allein in China sollen bis 2010 mehr als zehn Millionen Pkw, Kombis
und Kleinbusse neu zugelassen werden. Sie alle werden mit bewährter,
billiger und alter Motortechnik als Stinker durch die Gegend fahren.
Diese Regionen werden künftig die Umwelt mit Millionen von Tonnen an
CO2 belasten.

Die Menge, die in Europa, ausgehend vom derzeitigen Zustand,
eingespart werden kann, wirkt dagegen wie der Tropfen auf dem heißen
Stein. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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