• 13.08.2007, 20:44:08
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Europa hat bedenkenlos seinen Wasserüberfluss verspielt" (von Helena Wallner)

Ausgabe vom 14.08.2007

Graz (OTS) - Täglich sterben 18.000 Kinder an nichts. Mit 30 Euro
können Sie einer Familie den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichern",
bat die Caritas am vergangenen Sonntag bei ihrer Augustsammlung. Eine
klare Sache. Wir spenden und in Afrika sprudelt aus einem Brunnen das
Überlebensnass.

Und ein bisschen beruhigen wir mit der milden Gabe auch unser
schlechtes Gewissen als Bewohner in einem Land des
Trinkwasser-Überflusses.

Noch. In manchen Regionen der EU sieht es bereits viel trister aus,
ist anhaltende Dürre längst zur Geißel geworden, Wasserknappheit
bestimmt den Alltag von Millionen Menschen. Da ist dann Trinkwasser
nicht nur ein so dahin gesagtes kostbares Gut, sondern sein Konsum
schlägt wirklich horrend auf das Haushaltsbudget.

Oftmals wird in die Debatte geworfen: Muss ich hierzulande wirklich
für drei Tropfen Urin zehn Liter Wasser der Spitzenqualität
verschwenden? Wenn es so einfach wäre, dass eine Wasserersparnis im
sprudelnden Alpental den ausgetrockneten südspanischen Brunnen
auffüllt.

Für Gerechtigkeitsfanatiker spielt dann auch noch der
Aufrechnungsfaktor eine Rolle: Wer ganze Landstriche für den hohen
Wasserverbrauch der Touristen-Hochburgen austrocknen lässt und als
Transportmittel für das kostbare Nass marode Rohre verwendet, sei
selber schuld.

Eine UN-Konferenz beschäftigt sich derzeit in Stockholm mit der
ungleichen Verteilung der begehrten Ressource. Eine Studie der EU
belegt es unterdessen schwarz auf weiß, dass wir über unsere
Verhältnisse leben, wir verbrauchen mehr Wasser, als uns zur
Verfügung steht. Spitzenreiter in der europäischen Verschwenderliste
ist die Landwirtschaft mit 64 Prozent Verbrauch.

Löblich, dass sich die EU-Kommission zu einem Arbeitsdokument
aufgerafft hat, in dem zwar auch Fakten aufgelistet sind, die dem
Hausverstand nicht fremd sein können. Merke: Eingespartes Wasser wird
nicht verschwendet, trägt nicht zur Abwasserbelastung, dafür zur
Erhaltung des Ökosystems bei. Der Weg dorthin wird weh tun und teuer
sein: Wir sind noch weit unten auf der Leiter der Wassereinsparungen
und sachgemäßen Wassernutzung.

Nur wenn gar nichts mehr geht, käme bei der Wasserbeschaffung noch
die Erschließung neuer Quellen in Betracht. Über wirklich ergiebige
Ressourcen verfügt der EU-Raum aber nicht mehr. Eine Ausschau in
Nachbarländern wie Russland ist keine wirkliche Option, denn nicht
nur Ölhähne lassen sich abrupt zudrehen. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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