• 03.08.2007, 20:02:46
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wo die Politik versagt, springt der gute Amerikaner hilfreich ein" (Von Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 04.08.2007

Graz (OTS) - Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Minneapolis
war wieder einmal das "bewundernswerte Amerika" zu besichtigen:
Hunderte von Unbeteiligten rasten an den Katastrophenort und halfen
bei der oft genug lebensgefährlichen Bergung von Toten, Verletzten
und wie durch ein Wunder Davongekommenen. Etliche der Geretteten
verdanken diesen anonymen Helfern ihr Leben. In Zeiten der Not
erinnern sich viele US-Bürger der alten Pioniertradition des Landes,
in der Hilfe für den Nachbarn eine Selbstverständlichkeit war.

Die auch zu erwartende andere Seite der "Hilfsmedaille" waren
amtliche Konfusion, Hilflosigkeit und das mediale Spreizen von
Politikern und anderen Amtspersonen. Die angeblich auf alle nur
denkbaren Katastrophenfälle vorbereiteten Landes- und Bundesbehörden
verfügten über keinen Rettungsplan, Polizei und Feuerwehr leisteten
Hilfe nach dem Ad-hoc-Prinzip. Und es waren hauptsächlich
Privatpersonen, die mit Ruder- und Motorbooten an die Einsturzstelle
fuhren und dann in ihren Autos eingeschlossene Menschen herausholten
und Überlebende aus dem Wasser zogen.

In den nächsten Tagen und Wochen wird in der amerikanischen
Öffentlichkeit die bedrängende Frage gestellt werden, welchen Schutz
und welche Hilfe der Staat seinen Bürgern denn garantieren kann und
ob die Hilfsmittel des Staates ausreichend sind.

Präsident George W. Bush kündigte die Bereitstellung von fünf
Millionen Dollar Soforthilfe an und versicherte den Betroffenen in
Minneapolis, dass er für sie bete. Über den maroden Zustand der
vernachlässigten Infrastruktur im Land und wie sie endlich zu
verbessern sei, verlor er kein Wort. Wie auch. Zur Beseitigung der
größten Schäden wären Staatsausgaben weit jenseits der
1000-Milliarden-Dollar-Grenze notwendig, die der hoffnungslos
überschuldete Staat nicht hat. Die USA können sich schon den Krieg im
Irak nicht leisten, die dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität
ihrer Bürger erst recht nicht.

Da bleibt den Amerikanern gar nichts anderes übrig, als in Zeichen
der Not ohne langes Nachdenken die Ärmel hochzukrempeln und selbst
Hand anzulegen und zu helfen, wo die Not groß ist. Wo der Staat, die
Politik, versagt, springen, wie jetzt wie in Minneapolis,
Normalbürger in die Bresche.

Ganz gewöhnliche Amerikaner zeigen, dass die US-Gesellschaft so
bewundernswert vorbildhaft sein kann, wie ihr Ruf immer war. Das Bild
des "hässlichen Amerika" wird von der Politik bestimmt. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
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