• 03.08.2007, 09:31:19
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Raiffeisen: Anlageverhalten der Generation 50+ ändert sich

Vorstandsdirektor Rehor: Kapitalmärkte profitieren vom "Älterwerden" der Gesellschaft

Wien (OTS) - "Für die Banken und die Börse sind die Entwicklungen
der Generation 50+ eine große Herausforderung und Chance!", so
Vorstandsdirektor Gerhard Rehor, in der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien
verantwortlich für die Geschäftsgruppe Finanzmärkte, bei einem
Pressegespräch Donnerstagabend (2.8.07).

2030 wird der Anteil der ÖsterreicherInnen, die älter sind als 50
von derzeit rund 34 Prozent auf rund 43,4 Prozent angewachsen sein.
Eine qualitative Studie der RLB NÖ-Wien in Zusammenarbeit mit Sensor
Marktforschung zeigte auf "die Generation 50+ ist eine heterogene
Gruppe, deren gelerntes Anlageverhalten auch im Alter vom
Sicherheitsdenken geprägt ist."

50+ ist nicht 50+

Vier Lebensabschnitte im Alter von über 50 Jahren sind durch
spezifische Bedürfnisse gekennzeichnet: die berufliche Reifephase,
die Phase rund um den Pensionsantritt, die Zeit der aktiven
Pensionisten und zuletzt jene der passiven Pensionisten.

Die qualitative Studie der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien
untersuchte in Focusgruppen für diese Lebensphasen die Einstellung zu
Geld- und Geldveranlagung, die Erwartung hinsichtlich der
finanziellen Absicherung durch Pension und zum Thema
Vermögensweitergabe.

Die beruflich noch aktive Generation ("berufliche Reifephase")
befindet sich am Höhepunkt der beruflichen Einkommen. Demgemäß
besteht auch der Wunsch "sich etwas zu gönnen". Neben der
Konsumorientierung herrscht jedoch Verunsicherung hinsichtlich der
eigenen Versorgungslücke beim Pensionsantritt.

In der Phase des Pensionsantritts steht die finanzielle und
soziale Bewältigung des "großen Wechsels" im Mittelpunkt. "Den
Lebensstandard auch in der Pension zu halten, ist wichtig". Im
Vergleich zur älteren Generation will man sich mehr leisten und es
auch genießen. Während man sich auf angenehmere Freizeitgestaltung
freut, fürchtet man den geänderten Tagesablauf, fehlende soziale
Kontakte und die Tatsache, dass man mit weniger Geld auskommen muss.

Die Gruppe der aktiven Pensionisten hat in der Jugend auf heute
Selbstverständliches verzichten müssen, empfindet eine vorhandene
Pensionslücke als Rückschritt. Der Gesundheitsaspekt wird immer
wichtiger. Als Bedrohung wird ein möglicher Pflegebedarf empfunden.
Man sieht sich selbst als aktiver als die Generationen davor im
gleichen Alter. Während die Zeit für Hobbys, Familie und
Bequemlichkeit geschätzt wird, fehlen soziale Kontakte, die man im
Berufsleben gewohnt war, v.a. Frühpensionisten erleben den Übergang
als zu abrupt.

Die Gruppe der passiven Pensionisten nimmt immer weniger aktiv am
Finanzleben teil. Im Mittelpunkt stehen Aspekte der Gesundheit, der
Pflege und die Bewältigung des Alltags in selbständiger Form - so
lange es möglich ist. Geld wird als Sicherheit empfunden, die
Veranlagungsformen müssen vereinfacht werden, sollen "selbständig
laufen". Kosten für Freizeitaktivitäten, Reisen, etc. gehen zurück,
Kosten für Pflege, Gesundheit, etc. steigen.
Erbschaftsangelegenheiten sind weitgehend geregelt, sofern das Thema
überhaupt als wichtig empfunden wird.

Gelerntes Anlageverhalten prägt bis ins Alter

Für die Gruppe in der Berufsreifephase sind hinsichtlich der
Geldveranlagungen Sparbuch, Bausparen und Lebensversicherung an
erster Stelle. Es besteht der Wunsch bei der Geldanlage flexibel zu
sein, lange Laufzeiten bei Anlagen werden als Nachteil empfunden
(max. 10 Jahre).

Hinsichtlich der Vermögensweitergabe wird erwartet, dass in der
eigenen Pensionsphase das angesparte Kapital aufgezehrt wird,
spätestens durch Pflegebedarf. Aufgrund der guten Versorgung der
Kinder sieht man es aber auch nicht als notwendig, viel zu vererben.

In der Generation rund um den Pensionsantritt ist festzustellen,
dass die private Vorsorge nur teilweise langfristig aufgebaut worden
ist. Praktisch niemand hat unter dem Titel Pflegevorsorge angespart.
Daher ist die Sorge davor, durch Gesundheitsprobleme in finanzielle
Schwierigkeiten zu kommen, sehr groß. Die finanzielle Umstellung
konzentriert sich auf die Verwendung der Abfertigung, letzte
Kredittilgungen und Neustrukturierung des Angesparten. Das Sparbuch
steht bei der Veranlagung hoch im Kurs. Lebensversicherung und
Wertpapieren misst man aufgrund der langen Laufzeit weniger Bedeutung
bei. Als sehr sicher werden Immobilien eingestuft. Bei
Aktienprodukten wird die Kapitalgarantie als besonders wichtig
bewertet. Beim Thema "Vererben" argumentiert diese Gruppe
zurückhaltend, "es wird nur etwas da sein, wenn die Gesundheitskosten
nicht explodieren."

Die aktiven Pensionisten empfinden bei der Geldveranlagung zu
lange Bindungen als negativ, da jederzeit unerwartete Ereignisse
auftreten können, die kurzfristig Kosten verursachen. Während man das
Sparbuch daher als attraktivste Anlageform betrachtet, wird bei
Lebensversicherungen die lange Bindung und bei Wertpapieren die
Notwendigkeit sich laufend darum zu kümmern als negativ empfunden.

Es ist nicht das Ziel, große Beträge zu vererben, da man den
Kindern eine entsprechende Bildung ermöglicht hat. Als Erben werden
eher Enkelkinder adressiert.

Generation 50+ vermeidet Risken bei der Geldveranlagung

Eine Analyse der Wertpapierbestände in der Raiffeisen-Bankengruppe
NÖ-Wien ergab, dass mit zunehmendem Alter der Anteil an
aktienorientierten Produkten in den Kundenportfolios abnimmt.
Status quo in der RLB NÖ-Wien, Rehor: "In der Altersgruppe 26 - 45
Jahre machen Aktien(fonds) 51 % des Wertpapiervermögens aus, ab 75
Jahren nur noch 25 Prozent. Es besteht der Wunsch keine Produkte mit
langer Kapitalbindung abzuschließen."

Während die Risken hinsichtlich der Geldveranlagungen bei der
Generation 50+ tunlichst vermieden werden, werden finanzielle
Lebensrisken "ausgeblendet".

Nicht vorhandene Pflegeversicherung wird als Versäumnis
klassifiziert, wobei es zu spät sei dieses aufzuholen. Völlig
übersehen wird das "Langlebigkeitsrisiko". Dabei geht es um das
Risiko mit dem vorhandenen Geld nicht auszukommen, wenn die
Lebensdauer deutlich über die statistische Erwartung hinaus gehen
wird. Dieses Risiko ist lediglich durch Pensionsversicherungen
(Leibrente) abzudecken. Dagegen spricht aus Sicht der Betroffenen
jedoch die lange Laufzeit von Versicherungsverträgen und das Risiko,
bei sofortigem Ableben das in die Rentenversicherung investierte Geld
gänzlich zu verlieren.

Bei der qualitativen Studie von Sensor Marktforschung und RLB
NÖ-Wien wurde als monatlicher "Schwellenwert" für einen "sinnvollen
Beitrag zum Leben" der Betrag von 300,-- Euro als Ziel genannt.

Pensionsvorsorge und demographische Entwicklung stützen die
Kapitalmärkte

Wie VD Gerhard Rehor bei dem Pressegespräch ausführte, wird in der
Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien davon ausgegangen, dass die
Veranlagungsgewohnheiten die nachwachsenden Pensionistengenerationen
sich von jenen der heutigen Pensionisten unterscheiden werden. "Die
'neuen Pensionisten' werden anders veranlagen, denn der Umgang mit
Geld und damit auch mit Geldanlage ist das Ergebnis von lebenslangem
Lernen", so Rehor.

Dazu kommt, dass die zunehmende Lebenserwartung nicht bedeutet,
einfach "am Ende Zeit dazu zu bekommen". Denn alle Lebensphasen
dehnen sich aus. Rehor: "Wir bekommen das Jahr 41a, das Jahr 45a und
weitere 'beste Jahre' dazu. Daher rechnet die RLB NÖ-Wien auch mit
einem Anstieg des Pensionsantrittalters über 65 Jahre. Das bedeutet
auch längere Veranlagungshorizonte bei der Pensionsvorsorge, welche
nicht zum Pensionsantritt fällig sein muss - sondern erst Jahre und
Jahrzehnte danach."

Rehor: "Im Interesse der Gesamtabsicherung wird dem Wunsch nach
nur kurzen Bindungen nicht entsprochen werden können."

Gelerntes Anlageverhalten (u.a.Risikobereitschaft. Wissen wie man
Ertrag erwirtschaftet,etc.) wird mit zunehmendem Alter nicht
abgelegt. Insbesondere werden vertraute Veranlagungsinstrumente
weiter verwendet werden. Hinzu werden Pflegeversicherung und
Rentenversicherung kommen; letztere auch aus der Umwandlung der
geförderten Pensionsvorsorge und der Abfertigung neu.

Rehor rechnet daher mit einem starken Ansteigen des Aktienanteils
bei der Wertpapierveranlagung von künftigen Pensionisten und dem
verstärkten Ansparen von Pensions- und Pflegevorsorge durch heute
Aktive "das hat erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte."

Am Beispiel der geförderten Pensionsvorsorge hat die RLB NÖ-Wien
hochgerechnet, dass das von den Pensionsfonds investierte
Aktienvolumen bis 2030 von heute 1 Mrd. Euro auf nahezu 30 Mrd. Euro
anwachsen wird.

Von den österreichischen Pensionskassen werden dzt. rund 13,0 Mrd.
veranlagt, davon gut 25 Prozent in Aktien. Auch hier ist die Tendenz
stark steigend. Rehor: "Das heißt, die Aktienmärkte profitieren vom
Älterwerden der Gesellschaft."

Musterveranlagungen den Altersbedürfnissen angepasst

"Veranlagungen müssen den Altersbedürfnissen entsprechend
angepasst werden, wir haben dazu konkrete Vorschläge!", formuliert
Rehor eine entscheidende Konsequenz für die Generation 50+.

Im Rahmen der Beratungsgespräche bietet Raiffeisen in Wien und
Niederösterreich ab sofort Musterportfolios für Menschen über 50
Jahren an. Dabei wird auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der
Lebensphasen Rücksicht genommen. Rehor: "Diese Musterportfolios
zeigen erstmals einen erheblichen Anteil an Rentenversorgung
(Langlebigkeitsrisiko) sowie eine breite Risikostreuung durch
Einbeziehung verschiedener Anlagekategorien (Assetklassen). Der
Aktienanteil ist mit dem sinkenden Zeithorizont der Veranlagung zu
verringern, in der Gruppe der passiven Pensionisten ist bei den
Veranlagungen auf das Bedürfnis nach Einfachheit Rücksicht zu
nehmen."

Rückfragehinweis:

Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien
   Peter Wesely,  Pressesprecher, 05 1700/93004
   [email protected]
   
   Mag. (FH) Katharina Wallner, 05 1700/93005
   [email protected]

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