• 15.07.2007, 18:11:00
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Bawag-Prozess ist erst der Anfang, längst nicht das Ende." (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 16.Juli 2007

Wien (OTS) - Staatsanwälte richten sich auf zwei wenn nicht drei
Verfahren ein.

Heute beginnt mit dem Bawag-Strafverfahren der bisher größte
Wirtschaftsprozess Österreichs. Er soll gut drei Monate dauern und
ausgerechnet am Weltspartag mit der Urteilsverkündung enden. Doch mit
dem zu erwartenden Monster-Spektakel wird die Affäre nicht
ausgestanden sein. Das ist schon vor Beginn desVerfahrens klar, bei
dem auch viel Prominenz, vom früheren Bundeskanzler Franz Vranitzky
über Alt-Finanzminister Karl-Heinz Grasser oder die Direktorin der
Europäischen Zentralbank, die Ex-Notenbank-Direktorin Gertrude
Tumpel-Guggerell als Zeugen vorgeladen sein werden.

Denn in die noch teils dunklen und sehr komplexen Machinationen bei
der früheren Gewerkschaftsbank dürften nicht allein die Ex-Vorstände
der Bawag verwickelt gewesen sein. Dies wurde auch im inzwischen
beendeten Bankenausschuss deutlich. Er hat zwar oft nur spannende
Fragmente zu Tage gefördert. Wie die rechtlich vermutlich doch
relevante "Kleinigkeit", dass Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch nicht
wie von ihm früher behauptet, erst ab dem Jahr 2000 in das
Bawag-Milliardendebakel eingeweiht war. Sondern dass er schon ab 1998
Bescheid wusste, wie Ausschuss-Zeugen beteuerten. Ein Prozess Bawag
II, in dem auch Verzetnitsch angeklagt werden dürfte, scheint so gut
wie sicher zu sein.

Zusätzliches Prozess-Unbill droht nicht nur ihm allein. Die
Bawag-Affäre war, wie die Ausschuss-Befragungen vielfach
dokumentieren, wohl nicht die Tat der Machtelite allein. Auch die
zweite Ex-Manager-Ebene der Bawag dürfte kräftig mitgemischt haben.
Die für die interne Kontrolle, für Bilanzen oder Beteiligungen der
Bawag zuständig gewesenen Angestellten oder Prokuristen müssten
dauerhaft Stöpsel in den Ohren und Scheuklappen vor den Augen
getragen haben, hätten sie nie etwas von den Geschäften der später in
der Bawag ganz offensichtlich gewordenen, geheimen "Bank in der Bank"
bemerkt. Etliche dieser Herrschaften wurden, was dem Ausschuss auch
sehr verdächtig war, später mit hohen Geldbeträgen, "Golden
Handshakes" aus der Bawag verabschiedet.

Solche Aufschlüsse hat der Ausschuss dem für den Bawag-Prozess
zuständigen Wirtschafts-Staatsanwalt Georg Krakow schon mitgeteilt.
Krakow war selbst mehrfach vor den Ausschuss geladen. Aber stets
unter Ausschluss der Medien. Daher ist sein Ermittlungsstand gegen
weitere Verdächtige nicht bekannt. Das ändert sich nun: Ab heute wird
öffentlich verhandelt, wird bald restlos klar sein, dass auf Prozess
eins und zwei auch ein dritter folgen könnte. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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