- 12.07.2007, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Viel Wirtschaft, wenig Sport" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 13.07.2007
Wien (OTS) - Seit dieser Woche ist alles klar: Salzburg wird sich
in nächster Zeit nicht neuerlich um Olympische Winterspiele bewerben.
"Wir sind chancenlos, so lange sich die Spielregeln nicht ändern",
hat Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) inzwischen begriffen.
In der Wirtschaft wird man diese Entscheidung mit Fassung tragen. Der
angeblich "gekaufte Sieg" der südrussischen Stadt Sotschi hat viel
Jubel ausgelöst. Vom Vorarlberger Lifterzeuger Doppelmayr bis zum
Baukonzern Strabag winken heimischen Unternehmen jetzt fette
Aufträge.
Die Infrastruktur des "Wintersportorts unter Palmen" an der
russischen Schwarzmeerküste muss von Null aufgebaut werden: Ein neuer
Flughafen, Dutzende Autobahnkilometer, zusätzliche Bahnlinien und
neue Wettkampfstätten stehen auf dem Programm.
Abgesehen von der außenpolitischen Sprecherin der Grünen findet kaum
jemand etwas Negatives an den neun Milliarden Euro, die dort
investiert werden sollen. Ulrike Lunacek meint, dass die zum Ausbau
der Infrastruktur bestimmten Milliarden besser in die Lösung der
sozialen Probleme Russlands investiert würden.
Vor soviel Naivität muss man sich ebenso verbeugen wie vor den
Illusionen manch anderer Politiker vom Bundeskanzler abwärts. Die
haben offenbar ernstlich geglaubt, dass die Präsentation eines netten
Filmchens das Ruder zugunsten Salzburgs herumreißen könnte. Dabei
gibt es einen unverdächtigen Zeugen dafür, wie solche Entscheidungen
heutzutage wirklich fallen.
Nachzulesen ist das in der jüngst erschienenen Biographie von
Casino-General Leo Wallner. Er schildert dort auf Seite 171 sehr
offen, wie und warum er als Mitglied des Österreichischen Olympischen
Komitees 1993 Sydney zur Austragung der Winterspiele des Jahres 2000
verholfen hat.
Wallner versprach bei der entscheidenden Tagung der zuständigen
australischen Ministerin seine Unterstützung. Sie sagte ihm dafür
"die Erfüllung eines Wunsches" zu. Sydney gewann die Abstimmung mit
zwei Stimmen Mehrheit. Drei Wochen später hatte Wallner die
Genehmigung für den Betrieb eines Casinos auf den zu Australien
gehörenden Weihnachtsinseln auf dem Schreibtisch.
So simpel gestrickt sind die Entscheidungen des Olympischen Komitees.
Politiker mit Realitätssinn wissen das.
Ein besonderer Triumph muss die Entscheidung zugunsten von Sotschi
für Karl Schranz gewesen sein. 1972 war der damals 33jährige Skistar
von der Teilnahme an den Spielen in Sapporo ausgeschlossen worden,
weil "sein Name und sein Foto für Werbezwecke gedient" hatten. Das
widersprach in jener Zeit der olympischen Ethik.
Inzwischen sind Sport, Politik und Wirtschaft im Zeichen der
olympischen Ringe eine enge Symbiose eingegangen. Karl Schranz ist
Infrastruktur-Berater der russischen Skiregion. Als späte Rache für
die entgangenen Olympia-Medaillen darf sich der inzwischen 68jährige
Arlberger nun einen kleinen Teil des Erfolgs von Sotschi an seine
Mütze heften.
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