• 11.07.2007, 11:50:36
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Sturm: Hoffe, das gute ökumenische Klima in Österreich bleibt bestehen

Vatikan spricht protestantischen Kirchen das Recht ab, sich als Kirche zu bezeichnen

Wien (epdÖ) - "Ich frage mich nach dem Grund für diese Aussagen",
sagte Bischof Mag. Herwig Sturm in einem Gespräch mit epd Ö am
heutigen Mittwoch, 11. Juli, sei doch inhaltlich in dem Dokument
"nichts Neues formuliert worden". Wenige Tage nach dem Schreiben des
Papstes zur Aufwertung der lateinischen Messe hat der Vatikan den
konservativen Kirchenkurs fortgesetzt. Eine offizielle Verlautbarung
spricht Protestanten das Recht ab, ihre Glaubensgemeinschaft als
Kirche zu bezeichnen. Da Protestanten wie auch andere
Glaubensgemeinschaften "mit Mängeln behaftet" seien, handle es sich
bei ihnen lediglich um "kirchliche Gemeinschaften", heißt es in dem
am gestrigen Dienstag veröffentlichten Text der Glaubenskongregation.
Dieser wurde von Papst Benedikt XVI. ausdrücklich gutgeheißen und
genehmigt. Wie in dem umstrittenen Schreiben "Dominus Iesus" aus dem
Jahr 2000 werden die Einzigartigkeit und der Vorrang der katholischen
Kirche bekräftigt. "Geht es um eine Stärkung des Selbstbewusstseins
der katholischen Kirche oder soll das ökumenische Gespräch vor der 3.
Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu im September gestört
werden?", fragt der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in
Österreich (ÖRKÖ). "Ich vermute", so Sturm, "dass mit dem Dokument
die Traditionalisten innerhalb der katholischen Kirche gestärkt
werden sollen. Er jedenfalls hoffe, dass das "gute ökumenische Klima
in Österreich bestehen bleibt und auch in Sibiu auf europäischer
Ebene positiv wirkt".

Bünker: Belastung auf dem gemeinsamen Weg nach Sibiu

"Dieses Dokument ist sicherlich eine Belastung auf dem gemeinsamen
Weg nach Sibiu", sagte der geistliche Oberkirchenrat und designierte
Bischof der Evangelischen Kirche A.B., Dr. Michael Bünker, am
Dienstag, 10. Juli, gegenüber epd Ö. "Es ist bedauerlich, dass gerade
dann, wenn wir uns gemeinsam auf die 3. Europäische Ökumenische
Versammlung in Sibiu vorbereiten, der Vatikan dieses Dokument
verlautbart", so Bünker. Inhaltlich bringe der Text "nichts Neues,
erstaunlich sind nur die Wiederholungen". Die protestantischen
Kirchen bräuchten "keine Approbierung von der Römisch-katholischen
Kirche".

"Mit der neuerlichen schroffen Zurückweisung der protestantischen
Kirchen ist der Papst wieder einmal Jesus ins Wort gefallen", sagte
der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B., Mag. Wolfram
Neumann. Wo und wer Kirche sei, ließe sich "eindeutig aus der
Heiligen Schrift ableiten: ‚Wo zwei oder drei in meinem Namen
versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen’ (Mt 18,20)". Der
Papst spreche also den Protestanten schlichtweg ab, dass sie sich im
Namen Jesu versammeln und im Namen Jesu handeln können. Mit solchen
Äußerungen mache Benedikt XVI. alle ökumenischen Bemühungen "zur
Farce" und führe die Kirchen "zurück in die unseligen Zeiten scharfer
Gegensätze".

Miklas: Mit heiligem Ernst Orientierung am Grund des Evangeliums

"Es ist natürlich jeder Kirche und jeder Glaubensgemeinschaft
unbenommen, sich selbst als die einzigartige und vollständige
Bewahrerin des Erbes Jesu Christi zu verstehen", betonte der
steirische Superintendent und Obmann des theologischen Ausschusses
der Generalsynode, Mag. Hermann Miklas. Dabei könne man aber nicht
übersehen, dass die anderen christlichen Kirchen "mit demselben
heiligen Ernst und mit der gleichen Glaubensüberzeugung ebenso darum
bemüht sind, auch ihre eigene Gestalt und Bestimmung jeweils am Grund
des Evangeliums zu orientieren". Das gelte für die Kirchen der
orthodoxen, der protestantischen und der anglikanischen
Konfessionsfamilien in gleicher Weise. Miklas: "Bei der Evangelischen
Kirche etwa kommt dieses Selbstverständnis der Berufung auf das
Evangelium ja sogar im Namen bereits zum Ausdruck."

Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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