- 03.07.2007, 10:55:27
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Luftfahrt: Austro Control-Betriebsrat fordert einheitliche Ausbildung für LotsInnen
Payr: Brauchen im Sinne der Flugsicherheit europaweite Ausbildungsstandards - Berufsbild der FluglotsInnen muss in Österreich und Europa anerkannt werden
Wien (ÖGB/vida) - Einen weiter ansteigenden Wettbewerb in Europa
um qualifiziertes Personal im Bereich der Flugsicherung erwartet sich
der Austro Control-Betriebsratsvorsitzende für den Standort
Wien/Schwechat, Norbert Payr. "Wir brauchen deshalb für einen
sicheren Flugverkehr dringend europaweite Ausbildungsstandards und
eine Anerkennung des Berufsbildes von FluglotsInnen in Österreich und
Europa", fordert Payr. Es sei schwierig, in notwendiger kurzer Zeit
qualifiziertes Personal zu bekommen oder NeueinsteigerInnen
auszubilden. Deshalb werde von den Flugsicherungen in Europa -
bedingt durch den Wettbewerb um die Verkehrsströme - "in der Not oft
Personal aus halb Europa ausgeliehen oder abzuwerben versucht".
"Anstelle dieser teuren Vorgangsweise wäre es viel sinnvoller,
rechtzeitig heimische MaturantInnen auszubilden. Schließlich sollte
ein Unternehmen im Besitz der Republik hier mit gutem Beispiel
vorangehen", betonte Payr am Dienstag in Wien.++++
Seit Jahren habe man es weltweit mit einer starken personellen
Unterdeckung im Bereich der Flugsicherung zu tun, so Payr weiter. Den
Auslöser dafür führt der Betriebsrat auf die Terroranschläge in den
USA im Jahr 2001, und auf die damit verbundenen weltweiten rigorosen
Einsparungen und Restrukturierungen in der Luftfahrt zurück. "Die
Verkehrsströme wachsen, aber die Zahl der ControllerInnen bleibt
gleich bzw. wächst viel langsamer als der Flugverkehr", erläuterte
Payr.
"Wird unser Berufsbild in Österreich nicht anerkannt, bleibt der
Lotsendienst weiterhin nur eine ‚Hilfsarbeit’ und unsere Ausbildung
wird deshalb auch in Europa nicht anerkannt", sagte Payr und
ergänzte: "Unsere Ausbildung hat jetzt schon Hochschulniveau. Es gibt
fertige Konzepte für eine Fachhochschul-Ausbildung für FluglotsInnen.
Das wären sinnvolle Anreize, im Sinne von zusätzlicher Sicherheit in
Zukunft neue und hoch qualifizierte junge MitarbeiterInnen zu
bekommen." Zudem müsse im Bereich der LotsInnen auch ein
altersgerechtes Arbeiten durch Formen der Stressbewältigung
ermöglicht werden, fügte der Betriebsrat hinzu.
Payr fordert zudem die Beibehaltung der Flugsicherung als eine
staatliche Dienstleistung anstelle der Errichtung von privaten
Monopolen; eine einheitliche europäische Flugsicherung, anstelle
eines Wettbewerbs der einzelnen Dienste; eine echte Harmonisierung
der technischen Systeme im Sinne einheitlicher Ausbildungs- und
Sicherheitsstandards sowie vereinheitlichte europäische
Arbeitsstandards.
Sicherheit und nicht Gebührensenkung für Airlines muss oberstes Gebot
sein
Der Austro Control-Betriebsrat sei nicht zuletzt wegen des
Kostendrucks durch den zunehmenden Wettbewerb vom Management mit
Wünschen nach Flexibilisierung -Kurzdienste, "Containerschichten",
Jahresarbeitszeitmodelle und Rufbereitschaft - konfrontiert. Auf der
anderen Seite gebe es bei der Austro Control aber noch keine
gesetzliche Pausenregelung, außer der allgemeinen Regelung zur
Bildschirmarbeit. Auch Fragen zur erlaubten Höchstarbeitszeit der
Beschäftigten seien noch immer ungelöst.
Für eine zufrieden stellende und auch sichere Lösung dieser Fragen
sei es notwendig, sagte Payr, dass die Geschäftsführung der Austro
Control ihre Managementziele in einem Bereich, der kein Geld
verdienen dürfe (weltweit darf etwa nur in Kanada in der
Flugsicherung gewinnbringend gearbeitet werden), anders definiere.
Ziel dürfe nämlich nicht ausschließlich eine Gebührensenkung für die
Airlines sein: "Die richtige Botschaft für eine Bilanzpressekonferenz
einer Flugsicherungsbehörde muss an erster Stelle lauten: Die
Sicherheit konnte erhöht werden, die Zahl der Vorfälle in der Luft
ist zurückgegangen", unterstrich der Betriebsrat.
Payr verwies dazu auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, in
dem sinngemäß festgestellt worden sei, dass die Flugsicherung nicht
von ökonomischer Natur sei, sondern in erster Linie dem Schutz aller
in den Luftfahrtbereich involvierten Personen zu diene habe:
"Sicherheit und Qualität muss deshalb in der Flugsicherung vor
ökonomischen Interessen und Einsparungsfetischismus kommen." Als
schlechtes Beispiel einer echten Privatisierung im Bereich der
Flugsicherung verwies Payr auf die englische Flugsicherung "NATS UK":
"Sie wurde mehrheitlich privatisiert und ist dennoch die teuerste
weltweit - und das, obwohl Airlines über Beteiligungen eingestiegen
sind."
Die 450 Beschäftigten im Air Traffic Control Management der Austro
Control werden von der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida
vertreten. 1995 wurde das Bundesamt für Zivilluftfahrt in die neu
gegründete Austro Control GmbH ausgegliedert.
ÖGB; 3. Juli 2007 Nr. 423
Rückfragehinweis:
Hansjörg Miethling Gewerkschaft vida Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel. Nr.: +43 01 / 546 41-111 Mobil: 0664 / 614 57 33 E-Mail: hansjoerg.miethling@vida.at Internet: www.vida.at
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