- 28.06.2007, 11:18:41
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Mobiles Internet noch kein Festnetz-Ersatz
Ergebnis des ersten österreichweiten "Mobile Internet"-Praxistests
Wien (OTS) - Die Geschwindigkeit und Qualität von mobilen
Internet-Zugängen liegt in der Praxis weit unter den Werbeaussagen
der Mobilfunkanbieter. Durchschnittlich wird mit 868 kbit/s in
Landeshauptstädten nicht einmal ein Fünftel, in ländlichen Gemeinden
mit 499 kbit/s gar nur ein Siebentel der beworbenen "maximalen"
Geschwindigkeit von 3.600 kbit/s tatsächlich erreicht.
Business-Anwendungen, Multi-User-Games, große Downloads und
VoIP-Telefonie sind daher vielerorts mit mobilem Internet nicht
zufriedenstellend nutzbar.
Das ist das ernüchternde Ergebnis von 690 Einzeltests, die
österreichweit vom ÖIAT und der AK mit Produkten aller
Mobilfunk-Netzbetreiber durchgeführt wurden. AK-Konsumentenschützer
Glatz: "Die Mobilfunkanbieter müssen ihre Fehlinformation beenden und
ihre Werbeaussagen der Realität anpassen.
ÖIAT-Geschäftsführer Ronald Hechenberger: "Der Test hat klar
gezeigt, dass mobiles Internet in der Praxis noch immer deutlich
langsamer und unzuverlässiger ist als das klassische
Breitband-Internet via Festnetz."
Mobiles Breitband-Internet erfreut sich sowohl im Business-Bereich
als auch bei Privatkunden stetig wachsender Beliebtheit. Gleichzeitig
nahmen auch die Beschwerden über die tatsächliche Verfügbarkeit und
Geschwindigkeit zuletzt deutlich zu. Das Österreichische Institut für
angewandte Telekommunikation (ÖIAT, www.oiat.at ) hat jetzt mit der
AK erstmals in mehreren Bundesländern einen Praxistest der "Mobile
Internet"-Angebote aller österreichischen Mobilfunk-Netzbetreiber
durchgeführt.
Über 690 Einzelmessungen wurden im Mai und Juni 2007 in Wien,
Linz, St. Pölten, Eisenstadt, Graz und Innsbruck, den Vororten dieser
Landeshauptstädte und in verschiedenen Landgemeinden durchgeführt.
Getestet wurde die praktische Nutzung alltäglicher
Internetanwendungen (z. B. Software-Updates, Musik-Downloads etc.)
mit mobilen Internet-Zugängen.
Dokumentiert und ausgewertet wurden im Rahmen des Tests die
tatsächlich erreichten Up- und Download-Geschwindigkeiten, die
Verzögerungszeiten und Datenverluste bei der Übermittlung, sowie die
Geschwindigkeit des Verbindungsaufbaus. Alle Tests wurden mit
genormten Messgeräten, einheitlichen Testservern und standardisierten
Messabläufen sowohl in Gebäuden als auch im Freien durchgeführt.
"H.U.I" & Co. auf dem Prüfstand: kein einziger mobiler Anbieter
erreicht in der Praxis die beworbene Maximalgeschwindigkeit
Gleichberechtigt auf dem Prüfstand waren die mobilen
Internet-Produkte der Anbieter A1 ("Breitband 300"), T-Mobile
("Mobile Internet Small"), ONE ("H.U.I. Start") und "3" ("3Data 500
MB"), die derzeit alle mit dem gleichen Modem-Model (Huawei HSDPA USB
Modem E220) am Markt erhältlich sind. Dadurch wurden ein direkter
Leistungsvergleich und erstmals auch die Erhebung von
österreichweiten Durchschnittswerten über alle Betreiber hinweg
möglich.
Die Ergebnisse der Tests sind durchwegs ernüchternd. Alle Anbieter
und alle getesteten Produkte lagen bei den im Praxistest erzielten
Downloadraten zumeist massiv unter den beworbenen "maximalen"
Downloadgeschwindigkeiten.
Die in der Werbung angepriesenen Downloadgeschwindigkeiten bis zu
3600 kbit/s bzw. 7200 kbit/s wurden in keiner einzigen Messung und
bei keinem Anbieter erreicht - selbst dann, wenn freier Sichtkontakt
und eine Entfernung von nur 50 Metern zum nächsten Sender gegeben
war.
Am Land und in Gebäuden ist mobiles Breitband nochmals deutlich
langsamer
Die bei den hunderten Einzelmessungen gemessene durchschnittliche
Downloadgeschwindigkeit lag bei Tests in Gebäuden, wo in der Realität
nach wie vor die hauptsächliche Nutzung stattfindet, mit 868 kbit/s
ganze 76 Prozent unter der von allen Anbietern beworbenen Bandbreite
von "bis zu"
3600 kbit/s. Auch im Freien wurden nur 10 Prozent höhere
durchschnittliche Downloadraten erzielt (908 kbit/s).
In Landgemeinden lag die gemessene durchschnittliche
Downloadgeschwindigkeit mit nur 499 kbit/s erwartungsgemäß weit unter
den Testergebnissen aus dem städtischen Bereich - das sind nicht
einmal 14 Prozent der beworbenen theoretischen maximalen
Übertragungsrate von 3600 kbit/s bzw. 7 Prozent von 7200 kbit/s.
DI Ronald Hechenberger, Geschäftsführer des ÖIAT und Leiter des
Praxistests:
"Beim Vergleich zwischen den einzelnen Netzbetreibern gab es in
den verschiedenen Testorten erwartungsgemäß enorme Geschwindigkeits-
und Qualitätsunterschiede, sodass Kunden vor der Anschaffung eines
mobilen Internet-Zuganges jedenfalls die tatsächliche Verfügbarkeit
eines Netzbetreibers am geplanten Haupteinsatzort testen sollten."
Obwohl zumeist ebenfalls weit entfernt von den in der Werbung
kommunizierten Bandbreiten, konnte sich das Mobile Internet-Angebot
von A1 mit 1089 kbit/s quer über alle Messungen hinweg als das
durchschnittlich schnellste beim Download behaupten, knapp gefolgt
vom mobilen Internet-Angebot von T-Mobile mit einer erzielten
durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 978 kbit/s. Etwas
abgeschlagen sind die Angebote von "3" (durchschnittlich 640
kbit/s) und ONE (605 kbit/s), die im städtischen Bereich den anderen
beiden Anbietern zwar meist ebenbürtig waren, bei den Tests in
Landgemeinden aber deutlich niedrigere Übertragungsraten als A1 und
T-Mobile erzielten.
Wie beim Daten-Download blieben alle Anbieter auch beim Upload
hinter den Erwartungen zurück. Österreichweit betrug die
durchschnittliche Uploadgeschwindigkeit nur 241 kbit/s, wobei in den
Landgemeinden mit 115 kbit/s nicht einmal die Hälfte davon erreicht
wurde.
Harald Glatz, Leiter der Konsumentenschutzabteilung der AK Wien:
"Die aktuellen Werbebotschaften der Mobilfunkbetreiber stellen die
mit mobilem Internet in der Praxis erzielbaren Werte nicht
realistisch dar. Die Zahlen der Werbung sind reine Laborzahlen, die
dem Konsumenten bei der Produktentscheidung nicht weiterhelfen und
falsche Erwartungen wecken."
Geteilte Bandbreite - vielfaches Leid: je mehr User gleichzeitig
in einer Funkzelle surfen, desto drastischer fällt die
Geschwindigkeit
Beim Einsatz von mehr als einem mobilen Breitbandmodem im
Einzugsbereich eines Senders (Mobilfunkzelle), zeigten sich
erwartungsgemäß negative Auswirkungen auf die
Übertragungs-geschwindigkeit aller in Betrieb befindlichen
Anschlüsse. Bei nur sechs gleichzeitig aktiven mobilen
Breitbandmodems eines Netzbetreibers in unmittelbarer Nähe eines
Senders, sank die Datentransferrate um ganze 73 Prozent vom oft
ohnehin schon relativ niedrigen Ausgangswert.
Dieses Prinzip der "geteilten Bandbreite" innerhalb einer
Mobilfunkzelle, das mobile Internetzugänge technisch wesentlich von
Festnetzzugängen (ADSL, XDSL) unterscheidet, führt vor allem in dicht
verbauten Gebieten, größeren Wohnhausanlagen, Studentenheimen etc.
immer wieder dazu, dass eine zufriedenstellende Nutzung vorübergehend
oder dauerhaft nicht möglich ist.
Hechenberger: "Dutzende Nutzer in einem Studentenheim, die abends
gar keinen mobilen Zugang mehr erhalten, oder sich mit "mobilen
Schmalband" begnügen müssen, sind derzeit die Realität."
Die im Vergleich zu Stadtzentren geringere Nutzerdichte war auch
der Grund dafür, warum beim Test an Stadtrandgebieten sogar höhere
durchschnittliche Downloadraten als in den dichter bewohnten
Stadtzentren erzielt werden konnten.
VoIP, Online-Gaming und Businessanwendungen vielerorts mit mobilen
Internet nicht oder nur eingeschränkt nutzbar.
Nicht nur bei den tatsächlich erreichten Up- und
Downloadgeschwindigkeiten sind mobile Internet-Zugänge den
klassischen Festnetz-Zugängen heute noch unterlegen. Auch die
Stabilität der Leitungen und die Qualität der Verbindungen via
Mobilfunknetz lassen oft zu wünschen übrig.
Die Messung der durchschnittlichen Verzögerungszeiten bei der
Datenübermittlung ergab bei den mobilen Breitbandangeboten eine
durchschnittliche Verzögerung von 422 Millisekunden. Damit werden die
Grenzwerte für sehr gute Sprachqualität (200 Millisekunden) bzw. für
akzeptable Sprachqualität (Grenzwert 400 Millisekunden) bei VoIP
deutlich überschritten. Internet-Anwendungen, die kurze
Verzögerungszeiten benötigen (z.B. Online-Gaming), aber auch viele
Businessanwendungen (z.B. ERP-Software) sind deshalb in der Praxis
mit mobilem Internet an vielen Orten nur eingeschränkt oder gar nicht
nutzbar.
Tipps für Konsumenten
* Mobile Internetanwendungen sind eine gute Ergänzung des
klassischen Internet-Zuganges, wenn auf Mobilität großen Wert gelegt
wird. Wer allerdings regelmäßig über Internet große Datenmengen up-
oder downloaden will, über das Internet telefoniert, interaktive
Online-Games und andere schnelle Webanwendungen nutzt, oder ständige
Serveranbindungen für Business-Lösungen benötigt, ist mit den
zuverlässigeren und deutlich schnelleren
Festnetz-Breitband-Internetangeboten besser bedient.
* Überprüfen Sie die Verfügbarkeit von mobilen
Breitbandinternetangeboten vorab für Ihren tatsächlichen Einsatzort,
da vor allem am Land oft nur ein kleiner Bruchteil der beworbenen
maximalen Übertragungsgeschwindigkeit tatsächlich erreicht wird.
* Bei mehreren Nutzern von mobilem Internet eines Netzbetreibers in
einem Haushalt oder in unmittelbarer Umgebung (z.B. Wohnhausanlage)
verringert sich in der Regel die Übertragungsgeschwindigkeit stark,
da man sich dien Bandbreite mit anderen Kunden in der selben
Mobilfunkzelle teilen muss.
* Für die Nutzung von mobilen Datenkarten im Ausland fallen bei
vielen Anbietern besonders hohe Kosten von 10 Euro pro Megabyte (!)
und mehr an.
Darauf muss man im Urlaub, aber auch speziell in den Grenzregionen
Österreichs achten, da man dort leicht versehentlich die Netze
ausländischer Mobilfunkanbieter nutzen kann.
* Wegen des allgemein rasch sinkenden Preisniveaus, sollte der
Vertrag vor Abschluss auf übermäßig lange Vertragsbindungszeiten und
eventuelle Preiserhöhungen nach einer Einführungsaktion geprüft
werden.
Studiendaten
Untersuchungsschwerpunkt: Ermittlung der maximalen und
durchschnittlichen Übertragungsraten (kbit/s) für den Down- und
Upload bei typischen Anwendungen. Gemessen wurde mit der Software DU
Meter 3.07 von Hagel Technologies. Verwendet wurde ein Dell Inspiron
6000 Notebook (Celeron 1,4 GHz, 512 MB Ram), Betriebssystem Windows
XP Professionell SP 2. Der
Download- bzw. Uploadserver war ein Testserver der im Testzeitraum
nur für diese Untersuchung genutzt wurde.
Umfang: 690 Einzelmessungen an 13 Testorten
Zeitraum: 16. Mai 2007 bis 8. Juni 2007 zwischen 17 bis 22 Uhr.
Testorte:
- 1010 Wien, Stephansplatz 11, am 23.5.2007 - 6010 Innsbruck, Adamgasse 4, am 18.5.2007 - 3100 St. Pölten, Heßstraße 7, am 29.5.2007 - 7000 Eisenstadt, Bahnhofsplatz 3, am 29.5.2007 - 8010 Graz, Schlossberg 4, am 30.5.2007 - 1050 Wien, Margaretenstraße 70, am 22.5.2007 (Messung geteilte Bandbreite) - 6176 Völs, Innsbruckerstraße 4, am 18.5.2007 - 3002 Purkersdorf, Hauptplatz 13, am 21.5.2007 - 3071 Mechters, Kremser Schnellstraße (Agip), am 29.5.2007 - 6433 Oetz, Hauptstraße 70, am 16.5.2007 - 2164 Wildendürnbach Wildendürnbach 89, am 05.6.2007 - 7093 Jois, Bahnstraße 2, am 25.5.2007 - 8685 Steinhaus am Semmering, Steinhaus 20, am 30.5.2007
Die Ergebnisse dokumentieren die im Testzeitraum die tatsächlichen
erreichten Übertragungsgeschwindigkeiten im Praxiseinsatz. Der
Praxistest erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität für das
gesamte Bundesgebiet.
Rückfragehinweis:
DI Ronald Hechenberger,
ÖIAT Geschäftsführer
mailto:[email protected]
Tel: +43 1 595 21 12
www.oiat.at
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