• 15.06.2007, 20:35:28
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Iran und Israel haben in Gaza nun eine gemeinsame Grenze" (von Charles A. Landsmann)

Ausgabe vom 16.06.2007

Graz (OTS) - Die politische Landkarte des Nahen Osten hat sich
dramatisch verändert. Palästina existiert nicht einmal mehr als
Wunschgebilde, vielmehr wird es durch Hamasstan und Fatahland
ersetzt. Die Todfeinde Iran und Israel in Gaza haben eine gemeinsame
Grenze. Der radikale Islam hat seine Frontlinie gegenüber der
arabischen Welt, Europa und den gesamten Westen weit nach vorne
geschoben.

Anstatt der bisher gängigen Friedensformel für die Beendigung des
israelisch-palästinensischen Konfliktes, anstatt "Zwei Staaten für
zwei Völker" in friedlicher Koexistenz, heisst die Realität nun "Drei
Staaten für zwei Völker", aber in kriegerischer Konfrontation:
Israel, Hamasstan (Gazastreifen), Fatahland (Westjordanland).

Hamas hat geputscht. Ein Putsch von oben, denn die Radikalislamisten
stellten die Regierungsführung und die Mehrheit im Parlament. Ein
Putsch gegen die Partner in der "Regierung der nationalen Einheit",
gegen Präsident Mahmud Abbas, gegen Palästina.

Ein Putsch aber auch gegen die Einwohner des Gazastreifens und die
gesamte arabische Welt, gegen innere Aussöhnung und gegen
Friedenschancen. Ein Putsch für den Iran und dessen aggressives
Religionsverständnis, für den Islam und gegen die säkulare
Demokratie.

Die Demokratie westlichen Zuschnittes, in welcher namentlich George
W.Bush ein Allheilmittel für Krankheiten fremder Staaten und Kulturen
zu erkennen glaubt, hat auch in den palästinensischen Gebieten
Schiffbruch erlitten. Zuerst durch Korruption und Unfähigkeit der
Fatah, danach durch Missachtung durch die Hamas und nun endgültig
durch den bewaffneten Kampf der Islamisten gegen sie.

Der Gazastreifen, das dichtestbevölkerte Gebiet der Welt, ist zum
Vorposten des revolutionären Islams mutiert, zur Speerspitze im
"Konflikt der Kulturen", den viele moderate Moslems, gutgläubige
Christen und blauäugige Juden nicht wahrhaben wollen.

Wer glaubt, Hamas irgendwie unter Kontrolle bringen zu können, wer in
den nun zu erwartenden moderaten Tönen aus Gaza nicht nur eine
taktische Finte hört, der verkennt die Lage vor Ort. Hamas mag gar
stillhalten - aus welchen Gründen auch immer -, der Gazastreifen
droht noch radikaler, extremistischer, gewalttätiger zu werden. Denn
Hamas hat ihn nun auch zum Sprungbrett der al-Kaida gemacht, die sich
in den letzten Monaten bereits dort immer deutlicher bemerkbar
machte. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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