Halbzeitbewertung der UN-Millenniumsentwicklungsziele: trotz Fortschritte werden viele afrikanische Länder die Ziele nicht erreichen

AGEZ fordert größere Anstrengungen Österreichs zur Bekämpfung der Armut

Wien (OTS) - Die AGEZ, der Dachverband der entwicklungspolitischen NGOs, hat auf ihrer gestrigen Jahreskonferenz verstärkte Anstrengungen von der österreichischen Bundesregierung zur Erreichung der UN-Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) gefordert. Die MDGs haben die Halbierung des Anteils der in absoluter Armut lebenden Menschen (gemes-sen seit 1990) bis zum Jahr 2015 zum Ziel. In einem Monat, am 7.7.2007, steht die Halbzeitbewertung an, und die NGOs sind besorgt, dass viele Länder die Ziele wie Bekämpfung von HIV/AIDS, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Grundschulbildung nicht erreichen.

Aufgrund der Anstrengungen hat sich die Situation in einigen Ländern Afrikas dennoch verbessert. Entwicklungszusammenarbeit hat schon bisher Millionen von Menschen vor dem Hungertod bewahrt und ihnen Zugang zu Trinkwasser, Schulbildung und Krankenhäuser ermöglicht und Menschenrechte durchgesetzt. 2006 erhielten 1,3 Millionen Menschen in Sub-sahara-Afrika eine AIDS-Behandlung, das sind ca. 28% all jener, die sie benötigen, im Vergleich zu nur 2% im Jahr 2003! Von Ende der 1990er Jahre bis 2004 gab es Fortschritte bei der Eindämmung der Kindersterblichkeitsrate in Madagaskar. Tansania konnte die Schulgebühren für den Besuch der Grundschule abschaffen, womit weiteren 3,5 Millionen Kindern der Schulbesuch ermöglicht wurde. Benin und Burkina Faso haben ihre Ausgaben für die Ausbildung von Lehrkräften erhöht, Uganda hat die Gebühren für Gesundheitsdienstleistungen abgeschafft.

Trotz der erzielten Fortschritte sind wir noch weit davon entfernt, dass alle Länder die MDGs erreichen, vor allem in Afrika und Südasien. Laut Global Monitoring Report 2006 von Weltbank und IWF sind die Fortschritte sehr ungleich verteilt, so sind zB nur 34 der 143 Entwicklungsländer auf Schiene, was das Ziel der Halbierung der Anzahl der untergewichtigen Kinder betrifft. Die Zahl der extrem Armen mit weniger als einem Dollar Einkommen am Tag ist zwar von 1990 bis 2004 um ein Viertel gesunken, der Rückgang entfällt aber vollständig auf Asien, vor allem China. In Afrika dagegen stieg die Zahl der Armen in den 1990 Jahren um 60 Millionen an.

Die AGEZ fordert daher größere und raschere Anstrengungen der so genannten Geberländer und Österreichs: Mehr staatliche Mittel (ohne Einrechnung der Entschuldungen) - die privaten Hilfsleistungen haben sich seit 2001 verdoppelt - und stärkere Fokussierung auf die Bekämpfung von Armut. Die NGOs fordern vor allem auch eine Veränderung der globalen Strukturen: eine gerechte, soziale und ökologische Welthandelsordnung, die zB die Abschaffung der Markt verzerrenden Agrarsubventionen der EU und USA und die Bezahlung fairer Preise für die Rohstoffe aus dem Süden beinhaltet. Es ist heuchlerisch, wenn die reichen Länder von MDGs reden und gleichzeitig Freihandelsabkommen - wie die derzeit verhandelten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) der EU mit den Ländern Afrikas, Karibik und Pazifik - abschließen, die die Lebensgrundlage von KleinbäuerInnen im Süden gefährden. Die AGEZ verlangt eine demokratische Kontrolle der Finanzmärkte incl. der Bekämpfung der Steueroasen sowie die Bekämpfung von Korruption im Norden und Süden. WTO, IFW und Weltbank müssen reformiert werden. Wenn wir nicht über Macht und ungleiche Verteilungsstrukturen reden, lässt sich auch keine Reduzierung der weltweiten Armut erreichen.

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