- 04.06.2007, 14:23:50
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Bünker: Leben auf Grund der Heiligen Schrift als "Markenzeichen" der Evangelischen Kirche
Bischof Bünker und Landessuperintendent Hennefeld zu den seelsorgerlichen und sozialen Zielen ihrer Arbeit
Wien (epdÖ) - Die Forderungen nach wirksamen Schritten in der
Armutsbekämpfung und nach einer Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und
Familie für Männer und Frauen sowie die Problematik der Pflege und
der Pflegesicherung sind nach Auffassung des neu gewählten Bischofs
der Evangelischen Kirche A.B. Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker die
wichtigen Bereiche, in denen die Evangelische Kirche ihre Stimme
erheben soll.
Bei einer Pressekonferenz in Wien am 4. Juni, in der er seine Ziele
erläuterte, betonte Bünker, das Leben auf Grund der Heiligen Schrift
sei ein "Markenzeichen" der Evangelischen Kirche: "Ich möchte mich
dafür einsetzen, dass dieses Markenzeichen deutlicher umgesetzt
werden kann." Damit, so Bünker, hänge auch der große Wert zusammen,
der in der Evangelischen Kirche auf die Gewissensfreiheit gelegt
werde. Das führe zu Unterschiedlichkeit, gelegentlich auch
Gegensätzlichkeit der Meinungen und zu Erfahrungen, die eine Kirche
im Umgang damit gewinne. "Eine Kompetenz, die die heutige
Gesellschaft zunehmend benötigt", bemerkte Bünker.
Der neu gewählte Bischof, der sein Amt zu Beginn des kommenden Jahres
antritt, tritt für eine "missionarische Kirche" ein, die "einladende
und gastfreundliche Kirche in allen Lebensbereichen" ist. Das gelte
auch für die Ökumene. In diesem Zusammenhang bezeichnete Bünker die
ökumenische Situation in Österreich als "vorbildlich und
unvergleichlich". Zugleich erinnerte er auch an das "bunte Spektrum
evangelischer Kirchlichkeit", das sich in der Gemeinschaft
Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zeige, deren Generalsekretär
er ist.
Für öffentliche Bibelgespräche
Im Gespräch mit den Journalisten äußerte Bünker die Absicht, in
seiner Kirche "etwas typisch Evangelisches" einzuführen, "nämlich
eine Bibelstunde". In diesem öffentlichen Bibelgespräch könne es eine
Auseinandersetzung geben zu Themen etwa der Wirtschaftsethik oder der
Sozialethik. Kommentare oder gar Einmischung in die Tagespolitik
seien "nicht die ursprüngliche Aufgabe der Kirchen, aber leider
manchmal notwendig".
Zur zahlenmäßigen Entwicklung der Evangelischen Kirche A.B. sagte der
neu gewählte Bischof: "Ich will mich nicht abfinden mit dem Rückgang
der Mitgliederzahlen unserer Kirche", betonte aber zugleich, dass
dies nicht das Einzige sei, was eine Kirche ausmache. "Ich will nicht
den Rückgang verwalten, sondern eine wachsende Kirche", so Bünker.
Zusammenfassend erklärte der designierte Bischof: "Einsetzen möchte
ich mich für eine Kirche, die der Reform bedürftig und fähig ist."
Ein aus dem Evangelium gelebtes Leben sei auch für säkulare Menschen
attraktiv.
Auf Journalistenfragen zum G8-Gipfel in Deutschland zeigte sich
Bünker betroffen über die Gewalt, wie sie anlässlich des Gipfels am
vergangenen Wochenende in Rostock ausgebrochen ist. Von Seiten der
Kirchen müsse es eine "deutliche Absage an jegliche Form von Gewalt
geben". Zugleich aber äußerte der designierte Bischof Verständnis für
die Kritikpunkte an dem Gipfel, denn es sei "durchaus kritisch
anzufragen, ob einige wenige Menschen die Weltprobleme lösen können
und dies auch noch ohne dass die ärmsten und die betroffenen Menschen
mit am Tisch sitzen".
Angesprochen auf das Verhältnis der Kirchen zum Islam hielt Bünker
fest, die Kirchen müssten ihre Stimmen erheben gegen unbegründete
Vorurteile, wie sie gegen den Islam laut werden.
Lattinger: "Wir können aus dem Vollen schöpfen"
"Es ist ein gutes Zeichen, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann",
sagte der Landeskurator der Evangelischen Kirche A.B., Hofrat Dr.
Horst Lattinger, auf der Pressekonferenz. Lattinger drückte seine
Freude aus über die fünf "sehr kompetenten und profilierten
Kandidaten", die sich der Wahl am 1. Juni gestellt hatten. Michael
Bünker habe sich bei der Wahl "souverän durchgesetzt".
Lattinger, der das höchste weltliche Amt in der Evangelischen Kirche
A.B. innehat, hob hervor, in der Evangelischen Kirche in Österreich
müsse auch bei einer Bischofswahl möglichst die Basis eingebunden
werden. Das geschehe durch Vorschläge der Pfarrgemeinden, auf denen
die Nominierungen der Superintendentialversammlungen an die wählende
Synode basierten.
Landessuperintendent Hennefeld: Kein Schweigen zum neoliberalen
System
"Sie sehen hier die Vertreter zweier Evangelischer Kirchen an einem
Tisch sitzen, und das ist ein Zeichen unserer guten Zusammenarbeit",
sagte der designierte Landessuperintendent der Evangelischen Kirche
H.B., Mag. Thomas Hennefeld, bei der Pressekonferenz. Diese
Zusammenarbeit habe durchaus auch "Modellcharakter für Europa, wie
zwei unterschiedlich große Kirchen zusammenarbeiten können." Das Amt
des Landessuperintendenten sei allerdings nicht wie das eines
Bischofs mit kleinerer Herde, so der Repräsentant der rund 14.000
Evangelischen H.B. in Österreich. "Der Landessuperintendent hat eher
eine Verwaltungsfunktion, aber es ist natürlich wichtig, dass eine
Kirche nach außen sichtbar ist." In seinem neuen Amt sei er auch als
Mediator und Sprachrohr zu verstehen.
Kirche müsse immer auch für Randgruppen da sein und nicht nur für
sich selbst: "Kirche ist immer auch Kirche für andere, und daher
müssen wir unsere Stimme erheben, wenn von Wirtschaftswachstum die
Rede ist. Wir müssen fragen, was das für die Schwachen und die Armen
heißt." Schweigen zum neoliberalen System "stellt die Integrität
unseres Glaubens in Frage". Ebenso habe eine Kirche immer auch
Verantwortung für Minderheiten. So ist Hennefeld der festen
Überzeugung, dass Muslime eine "Chance und Bereicherung für unsere
Gesellschaft sind und der Dialog mit dem Islam enorm wichtig ist".
Thomas Hennefeld wurde am 31. Mai von der Synode der Evangelischen
Kirche H.B. mit 17 von 21 Stimmen zum Landessuperintendenten gewählt.
Er tritt sein Amt am 1. September als Nachfolger von Wolfram Neumann
an, der aus Altersgründen ausscheidet.
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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