- 24.05.2007, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Die reichen Onkel" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 25.05.2007
Wien (OTS) - Früher haben wir vom reichen Onkel aus Amerika
geträumt, der die geheimsten Wünsche erfüllt: Große Aufträge für die
Wirtschaft und einträgliche Investitionen, die Arbeitsplätze und
Wohlstand sichern.
Der Traum ist meist ein solcher geblieben, dafür waren die Geschäfte
mit Ostblockstaaten einfach: Die österreichischen Minister mussten
sich mit den dortigen Funktionären gut stellen, und freundliche
Einladungen samt Finanzierung eines Einkaufsbummels schadeten auch
nicht. Besonders beliebt war dafür aus verständlichen Gründen die
Vorweihnachtszeit.
Die reichen US-Onkel gibt es immer noch, nur heißen sie anders: Meist
nennt man sie Hedgefonds oder neuerdings auch Heuschrecken. Sie
schwimmen im Geld von Anlegern und Pensionsfonds und beteiligen sich
an österreichischen Unternehmen. Ihre Beliebtheit hält sich in
Grenzen, weil sie keineswegs immer Arbeitsplätze sichern. Sie wollen
fette Gewinne machen und schrecken daher vor scharfen Sparmaßnahmen
samt Arbeitskräfteabbau nicht zurück.
Bei den Geschäften mit den einstigen Ostblockländern ist die
Situation differenzierter. Bürokratie und Rechtswesen entsprechen in
etlichen der neuen EU-Staaten nicht unserem Standard. Der Kampf gegen
Korruption und Vetternwirtschaft ist noch keineswegs überall
gewonnen. Allerdings ist meist unklar, wer jetzt das Sagen hat, und
entsprechend schwer ist es, sich das notwendige Wohlwollen zu
sichern.
Russland ist anders - zum Glück, wie man gelegentlich hört: Nur sind
es nicht mehr die Funktionäre, die über Aufträge entscheiden, sondern
die so genannten Oligarchen. Der griechische Philosoph Platon
definierte die Oligarchie als "gesetzlose Herrschaft der Reichen, die
nur an ihrem Eigennutz interessiert ist".
Das mit dem Eigennutz stimmt allerdings so nicht: Die herrschende
Kaste mit Präsident Wladimir Putin an der Spitze pflegt mit ihren
Oligarchen ein sehr inniges Verhältnis zum gegenseitigen Nutzen. Wer
die Regierung unterstützt, darf reich werden; wer Putin bekämpft wie
beispielsweise der einstige Ölmagnat Michail Chodorkowski, wird
eingesperrt und wandert wegen Betrug und Steuerhinterziehung auf
Jahre nach Sibirien.
Diese Abgrenzung macht Geschäfte mit Russland derzeit relativ
einfach. Man braucht nur schauen, wer den russischen Präsidenten nach
Wien begleiten durfte.
Wer sich mit Putin-Günstlingen wie Oleg Deripaska (Beteiligung am
österreichischen Baukonzern Strabag und an "Magna" von Frank
Stronach), Alexej Miller (Gazprom-Chef und OMV-Geschäftspartner) und
Wiktor Wekselberg (Immobilien-Tycoon) gut stellt, darf auf profitable
Geschäfte in Russland rechnen.
Auf die Einladung zu Einkaufstouren können diese Herren verzichten.
Sie sind an Beteiligungen und an internationaler Anerkennung als
seriöse Investoren interessiert, nicht an irgendwelchen Geschenken.
Eine Ungewissheit bleibt: Wenn sich der politische Wind in Russland
wieder einmal dreht, könnten aus reichen Oligarchen schnell
ungeliebte Feindbilder werden.
Rückfragehinweis:
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Chefredaktion
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