- 24.05.2007, 16:00:00
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"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz:"Gegen die Großen zu sein, ist zu wenig"
Die ÖH wird ihr Selbstbild ändern müssen - sonst bleibt sie Folklore.
Wien (OTS) - Die Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft ist
geschlagen, und geschlagen ist vor allem die Österreichische
Hochschülerschaft: Wieder einmal sind sieben von zehn Studenten
nicht wählen gegangen.
Das heißt: Zwei Drittel der Studenten fühlen sich von dem, was
die Hochschülerschaft beziehungsweise ihre Fraktionen politisch
machen, nicht vertreten. Oder sie sind - das wäre der weniger
schmerzliche Schluss für die Studentenvertreter - mit dem ÖH-Service
und der Dienstleistung an den Unis ohnehin ganz zufrieden. Wozu
also noch wählen?
Ganz falsch ist jedenfalls die nach allen ÖH-Wahlen wiederkehrende
Argumentation der Jung-Politiker, die Wahlbeteiligung sei im
internationalen Vergleich ohnehin nicht so übel. Sie liege nur
deshalb so niedrig - also was jetzt? -, weil der Hochschülerschaft
von der bösen Politik kein wirklicher Handlungs- und
Durchsetzungsspielraum zugestanden wird.
Das ist falsch, weil es erstens die faktische Durchsetzungskraft
auch bei anderen Interessenvertretungen nicht gibt, und trotzdem ist
die Wahlbeteiligung dort meist höher. Und zweitens würden die
Universitätsbesucher, wollten sie wirklich, dass sich ihre
Vertreter politisch Gehör verschaffen, zu den Wahlurnen strömen und
damit der Politik signalisieren: Hinter diesen Forderungen und
Parolen stehen die Studenten, also ein nicht unwesentlicher
Wählerteil bei den nächsten Landtags-, Parlaments- oder sonstigen
Wahlen.
Justament Es liegt also wohl eher an den Forderungen und der
Stoßrichtung der ÖH-Politik. Gegen die Großen zu sein, ist als
Programm zu wenig. Das schaffen Schülerzeitungsforen origineller,
und die Jugendorganisationen der etablierten Parteien belegen in
schöner Regelmäßigkeit, wie lächerlich das Justament um des
Justaments willen ist.
Gegen Studiengebühren oder Aufnahmetests zu sein, ist auch zu
wenig. Warum Österreich als fast einziges Land in der EU das
Funktionieren der Unis ohne Gebühren schaffen sollte, und warum es
für einen unbegrenzten Ansturm auf überlaufene Fächer sein sollte,
verstehen auch Studierende nicht.
Was also bleibt der ÖH dann? Skripten verteilen und
Inskriptionsberatung anbieten?
Mitnichten. Die zentrale Aufgabe der Hochschülerschaftsvertretung
wäre, die Organisation des Universitätsbetriebes unter ihre
kritischen Fittiche zu nehmen. Sich massiv dafür einzusetzen, dass
mit dem Geld, das Studenten für ihr Studium hinlegen, von teils
verschlafenen Uni-Verwaltungen auch die Ausbildungsrahmenbedingungen
geschaffen werden, die sich der zahlende Gast verdient. Durch
Gesprächsfähigkeit mit Politik und Uni-Führung und nicht durch
Verweigerung konstruktiven Druck auszuüben - und notfalls durch
Kampfmaßnahmen.
So lange aber der Hauptzweck ist, Studentenpolitiker ihre Eloquenz
übern zu lassen, wird die ÖH-Wahl bleiben, was sie ist: Folklore.
Rückfragehinweis:
KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
[email protected]
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