- 24.05.2007, 13:56:51
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Kongress "Tiere in Prävention und Therapie": Wann kommen Hunde auf Krankenschein?
Wien (OTS) - "Wir müssen von der wissenschaftlichen Pionierphase
langsam dahin kommen, dass die öffentliche Hand und die Krankenkassen
das Konzept von Haustieren als Therapie unterstützen." So fasst
Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Präsident des IEMT und Leiter der
Konrad Lorenz-Forschungsstelle Grünau, die Ergebnisse eines
internationalen Kongresses in Berlin zum Thema "Tiere in Prävention
und Therapie" zusammen.
Die "heilende Wirkung" von Hunden und anderen Haustieren war
bereits in der Antike bekannt. Doch war es Florence Nightingale, die
Wegbereiterin der modernen Krankenbetreuung, die Anfang des 19.
Jahrhunderts erstmals gezielt Hunde einsetzte, um kranke Menschen
rascher zu heilen. In den letzten Jahrzehnten wurde in unzähligen
Studien bewiesen, dass Haustierbesitzer seltener erkranken,
ausgeglichener sind, einen niedrigeren Blutdruck haben, weniger
häufig zum Arzt gehen und bei Krankheit auch rascher genesen.
Hundebesitz ist zudem ein Garant für regelmäßige Bewegung.
Speziell diese Erkenntnisse aus dem medizinischen Bereich wurden
bei dem Berliner Kongress diskutiert. Dr. Dorit Haubenhofer, eine in
den Niederlanden tätige österreichische Wissenschafterin, erklärte,
dass viele Menschen vor allem deshalb zum Arzt gingen, um sich dort
auszusprechen. Bei Tierbesitzern sei dies weniger zu beobachten, weil
sie mit ihrem Tier sprechen; Hundehalter seien auch auf der Straße
kommunikativer und meist besser in ein soziales Gefüge eingebunden.
Eine umfangreiche Studie dazu gibt es aus den USA: Dort wurden
mehr als 900 Personen nach Gesundheitszustand, Stressbelastungen und
Haustierbesitz befragt. In der Gruppe mit der größten Stressbelastung
mussten die Tierbesitzer deutlich - um 16 Prozent - seltener einen
Arzt aufsuchen als die Nicht-Tierbesitzer; bei den Hundebesitzern
allein waren es sogar 21 Prozent. "Offensichtlich kann die
Anwesenheit eines Tieres im Haushalt dazu beitragen, mit
Stressbelastungen besser fertig zu werden," vermutet die
Studienautorin, Dr. Judith Siegel von der University of California.
In Deutschland wurde sogar berechnet, wie viel sich die Kassen bei
der Behandlung nach einem Schlaganfall ersparen: Bei Personen mit
Haustieren sind die Rehabilitationskosten pro Jahr um
durchschnittlich 2.485 Euro niedriger als bei Patienten ohne
Haustiere - das ist bis zu ein Drittel der Gesamtkosten.
In der Schweiz wiederum stellte man bei Haustierbesitzern eine
kürzere Verweildauer im Krankenhaus fest. Je nach Schwere der
Krankheit waren Hunde- und Katzenbesitzer um drei bis neun Tage
kürzer im Spital. Zurückgeführt wird dieses Phänomen unter anderem
auf die Verantwortung und die Beziehung, die diese Menschen zu ihren
Tieren haben. Was immer die Ursache sein mag:
Der Effekt ist jedenfalls eine Kostenersparnis für das
Gesundheitssystem.
Interessante österreichische Forschungsergebnisse
Sehr beachtet wurden bei dem Kongress die Beiträge der
österreichischen
Wissenschafterinnen: so zum Beispiel jener von Manuela Wedl über die
Fähigkeit von Katzen, Menschen aktiv zu trösten. 85 Prozent der
Katzenbesitzer gaben in einer Untersuchung an, ihre Katzen würden
ihren jeweiligen Gemütszustand erkennen und bei "Problemen" näheren
Kontakt zu ihnen suchen.
Dr. Friederike Range, die in Wien wissenschaftlich arbeitet, hat
mit ihrer Studie über "Ähnliche geistige Leistungen bei Kindern und
Hunden" bereits international für Aufsehen gesorgt. Darin wird
festgestellt, dass Hunde - ähnlich wie wir Menschen - in der Lage
sind, ihre Artgenossen zu imitieren.
So zeigte sich bei Tests, in denen Hunde eine Vorrichtung bedienen
mussten, um an ihr Futter zu gelangen, dass die Tiere dazu neigten,
einen "Vorführhund" nachzuahmen, der die Vorrichtung mit der Pfote
bediente - obwohl es einfacher und "hundegerechter" gewesen wäre, die
Schnauze zu benützen.
Sowohl Kleinkinder als auch Hunde zeigen in solchen Fällen ein
ganz ähnliches Verhalten. "Wir wollen aber keinesfalls Mensch und
Tier miteinander vergleichen," betonte Range. Doch könne man diese
Erkenntnisse in das Training von Therapiehunden einfließen lassen.
Stress lässt nach
"Insgesamt ist die Atmosphäre entspannter," berichtet der
Psychologe Prof. Dr. Erhard Olbrich von der Universität
Erlangen-Nürnberg aus Studien über das soziale Verhalten von Menschen
untereinander in Gegenwart von Tieren.
"Entscheidend für die Wirksamkeit des 'Medikaments Tier' ist aber
eine positive emotionale Beziehung. Von einem Tier als
Stresstherapeut profitieren kann natürlich nur, wer Tiere mag." warnt
Olbrich vor einem Tierkauf aus rein "therapeutischen" Motiven.
Sogar in Prüfungssituationen scheint sich die Anwesenheit eines
Tieres positiv auf die Stressbelastung auszuwirken. Eine
amerikanische Studie kam hier zu erstaunlichen Ergebnissen: Bei
Prüflingen, die entweder alleine, in Begleitung des Ehepartners oder
ihres Hundes eine Prüfung zu bestreiten hatten, stiegen Puls und
Blutdruck am wenigsten an, wenn ein Tier dabei war; am größten war
der Prüfungsstress in Begleitung des Ehepartners.
"Wahrscheinlich wirken Hunde deshalb so beruhigend, weil sie - anders
als Menschen - ihre Zuneigung nicht von unserem Verhalten oder
unserer Leistung abhängig machen," vermutet die Studienleiterin, Dr.
Karen Allen von der Buffalo School of Medicine. "Ihr Hund liebt Sie,
ganz gleich, ob Sie ein Überflieger oder ein totaler Versager sind -
und diese Gewissheit beruhigt.
"
Prof. Kotrschal sieht das Potenzial der Mensch-Tier-Beziehung noch
deutlich unterschätzt: "Die Zahl der Anwendungen, bei denen Haustiere
Menschen helfen können, nimmt explosionsartig zu. Auch ist bereits
unbestritten, dass eine enge Mensch-Tier-Beziehung enorme Vorteile
für die Gesellschaft bringt.
Doch müssen wir seitens der Wissenschaft nun alles in Zahlen fassen,
um für Politik und Krankenkassen zu belegen, wie sehr Haustiere nicht
nur die Lebensqualität der Menschen erhöhen, sondern auch die
Finanzen des Gesundheitssystems entlasten könnten."
Rückfragehinweis:
Renate Simon, IEMT, Margaretenstraße 70, 1050 Wien
Tel: 01-505 26 25 30, mailto:[email protected]
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