• 22.05.2007, 17:30:34
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Ist Wladimir P. böse?

Wie böse ist Wladimir Putin? Jedenfalls ist der Besucher aus Moskau
reich; Öl, Gas und etlichen anderen Rohstoffen sei Dank. Daher gilt
manchen schon diese Fragestellung als unziemlich. Dass sein
Wien-Besuch mit der britischen Anklage-Erhebung gegen russische
Agenten wegen Mordverdachts zusammenfällt, ist aber schon ein -
weiteres - Indiz, dass Russland heute alles andere als ein
Rechtsstaat ist. Wenn es das jemals war.

Dennoch ist es erlaubt und wohl auch notwendig, mit ihm Geschäfte
zu machen. Das Land ist zu groß und reich und auch geografisch nahe,
als dass man den dortigen Markt ignorieren dürfte. Nur: Wer sein Geld
in Russland investiert, muss wissen, dass er dort keine
funktionierende Justiz finden wird, die einem zu seinem Recht gegen
einheimische Gauner verhilft. Er muss wissen, dass dort
Interessenkonflikte bisweilen auch mit der Waffe oder zehn Jahren
Sibirien gelöst werden. Allzu viel Wodka/Reblaus-Seligkeit ist daher
nicht am Platz, auch wenn das in die hiesige Weltsicht passt.

Überdies ist Österreich heute Teil einer Union mit einer
gemeinsamen Außenpolitik. Das heißt eben auch: Wenn Russland die
Polen oder Esten schlecht behandelt, dann sind wir zu Solidarität
verpflichtet (wie es auch umgekehrt der Fall ist).

Dennoch ist Wladimir Putins Russland nicht mit der einstigen
Sowjetunion vergleichbar. Denn es ist weder totalitär noch hat es
Intentionen, irgendeine Ideologie zu exportieren. Bei aller
Notwendigkeit an Vorsicht lebt es sich mit interessengesteuerten
Machtmenschen doch leichter als mit Ideologen.

In einem Punkt scheint Russland aber noch immer von ideologischen
Irrationalitäten gesteuert: nämlich von panslawistischen Reflexen.
Wenn es den Albanern im Kosovo - immerhin 90 Prozent - das
Selbstbestimmungsrecht verweigern will, stehen vor allem solche
Motive dahinter. Wer aber das Pulverfass Kosovo auf Dauer im Köcheln
hält, der trifft auf Grund der geografischen Nähe auch Österreich.
Hier hat man ja in der Geschichte bisher jede Schockwelle vom Balkan
sehr schmerzhaft zu spüren bekommen - etwa in Form einer
Massenflucht. Wer, wie Moskau, die Hoheit Belgrads über jenes Land
reaktivieren will, der hält das Pulverfass nicht nur am Köcheln. Der
hantiert vielmehr mit offener Flamme daran.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

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Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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