- 21.05.2007, 21:49:20
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"Kleine Zeitung" Kommentar von Adolf Winkler
Ausgabe vom 22.05.2007
Graz (OTS) - Zaghafte Hypo-Angebote vor vollendeten
Haider-Tatsachen
Bayern, Italiener, Amerikaner hebeln die alte Bankenordnung aus.
Als wäre sein Aktenkoffer schon mit Geldscheinen prall gefüllt, stieg
der Kärntner ÖVP-Landesrat Josef Martinz auf dem Klagenfurter
Flughafen aus dem Business-Jet aus München. Die stolze
Chefverhandler-Miene des Aufsichtsratsvorsitzenden der Kärntner
Landesholding verriet allen sofort: Der Poker um die Hypo Group Alpe
Adria ist entschieden. Sie wird bayrisch.
Den Ausschlag gaben die Garantien und das Geld. Die Bayern haben auf
ihr Angebot noch etwas draufgepackt: 1,63 Milliarden Euro blättert
die BayernLB für 50 Prozent und eine Aktie an der Hypo Group Alpe
Adria hin, dazu eine Standort- und Beschäftigungsgarantie.
Jörg Haider kann sich die Hände reiben: Das Land Kärnten kassiert für
24 Prozent rund 800 Millionen Euro und teilt sich mit der Grawe zudem
eine Sonderprämie von 50 Millionen Euro. BZÖ und ÖVP besiegelten
gestern in der Landesholding den Deal. Auch heute in der Kärntner
Landesregierung dürften sie über die SPÖ und Gaby Schaunig
drüberfahren und den Deal absegnen. Haider bleibt damit der
Trickmeister der Landespolitik. Hat er das letzte Schuldenbudget noch
mit Schaunig gegen Martinz beschlossen, so hat er diesmal den
ÖVP-Obmann für sich gegen die SPÖ eingespannt.
Für Hypo-Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer, den Swap-Minusmann des
Vorjahres, ist es die Genugtuung, wie viel er und seine Mitarbeiter
in 13 Jahren aus einer Hypothekenbank-Leiche entwickelt haben. Mit
dem aktuellen Wert von 3,25 Milliarden Euro ist die Kärntner Bank
mehr wert, als Cerberus für die Bawag hinblätterte.
So wie bei der Bawag haben auch bei der Hypo Group österreichische
Banken mitgepokert, aber zu zaghaft. Wie schon so oft. Die Erste
Bank, selbst die Citibank im Genick, und der verzweigte
Raiffeisen-Sektor stehen mit ihren viel zu späten Angeboten vor
vollendeten Haider-Tatsachen. Das Trauma, das die beiden Großbanken
erlitten, als ihnen die Bank Austria nur um knappes Geld die CA
wegschnappte, bleibt wach.
Dass die Bank Austria inzwischen selbst geschluckt wurde und in einem
italienischen Bankkonzern aufgeht, die Bawag Amerikanern gehört und
die Hypo Group an Bayern geht, demonstriert dramatisch die Auflösung
der alten Bankenordnung in Österreich. In großkoalitionärer
Nachkriegstradition war sie in zwei Reichshälften aufgeteilt: Man
hatte sein Konto bei einer roten oder schwarzen Bank, so wie man in
Österreich - einzigartig auf der Welt - bei Autopannen entweder rot
(Arbö) oder schwarz (Öamtc) abgeschleppt wird. Die Banken gehen, die
Pannen bleiben.
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ADOLF WINKLER
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