- 21.05.2007, 17:16:48
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 22. 05. 2007: Putin-Clan will wirtschaftliche Weltmacht sein - von Peter Muzik
Der Kreml hat sich mit den Oligarchen längst arrangiert
Wien (OTS) - Im Schlepptau von Wladimir Putin werden morgen ein
paar gute alte Bekannte nach Wien kommen: der neue Strabag- und
Magna-Aktionär Oleg Deripaska beispielsweise, Viktor Vekselberg,
Partner des heimischen Investoren-Duos Ronny Pecik und Georg Stumpf,
Gazprom-Boss Alexej Miller, und natürlich auch der ausgewiesene
Österreich-Fan Roman Abramowitsch, der als reichster Russe
schlechthin gilt. Der russische Präsident, der sich mit seinen
Dagobert Ducks längst arrangiert hat - in Russland gibt es rund 50
Milliardäre bzw. Multimillionäre - scheint damit beschäftigt zu sein,
mit Hilfe weniger Vertrauter, die mittlerweile die umlaufenden
Geldmittel fast zur Gänze kontrollieren, ein mächtiges Netzwerk zu
formen, das ganz gezielt und systematisch ein weltweites
Wirtschaftsimperium aufbaut.
Putin lag zwar mit der Oligarchen-Clique, die dereinst seinen
Vorgänger Boris Jelzin an der Macht hielt, nachdem er ihr die besten
Stücke der russischen Wirtschaft für ein Butterbrot hinterlassen
hatte, jahrelang im Clinch - mit Boris Beresowski etwa, der nunmehr
im Londoner Exil der wohl grösste Putin-Feind ist, mit dem ehemaligen
Medienmagnaten Wladimir Gussinski, der ins Exil nach Spanien
flüchtete, oder mit dem einstigen Gründer der Ölfirma Yukos, Michail
Chodorkowski, der seit 2003 hinter Gittern sitzt. Auch wenn Putin
versprach, dass "die Klasse der Oligarchen zu existieren aufhören"
werde, deutet in jüngster Zeit alles darauf hin, dass er mit den
meisten Geldsäcken bestens kann. Mehr noch: sie dazu bewegen will,
nicht nur persönliche Interessen durchzusetzen, sondern auch
gemeinsame im Auge zu behalten.
Die bisherigen Russen-Deals, die bereits für viel Aufregung sorgten,
dürften jedenfalls nur der Auftakt sein. Man wird sich rasch daran
gewöhnen müssen, dass sich die Oligarchen international mit
unzähligen Milliarden Dollar auf Shoppingtour befinden. Und man wird
bald erkennen, dass dabei nicht der Zufall Regie führt, sondern ein
klares Konzept dahintersteckt. Der ehemalige Geheimdienstler Putin,
sein Finanzminister Alexej Kudrin, Wirtschaftsminister German Gref
und einige andere Verbündete sind die Regisseure in diesem
Machtspiel, bei dem es darum geht, Russland, das an politischer
Bedeutung verloren hat, sukzessive zu einer wirtschaftlichen
Grossmacht zu formen.
Auch der nächste Präsident, der dem Vernehmen nach Sergej Iwanow
heissen könnte, wird diese Strategie mit Unterstützung der
Oligarchen unbeirrt durchziehen. Putin sollte dabei die
Schlüsselrolle spielen - vielleicht als nächster Gazprom-Boss.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
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