"Beste aller Frauen" im Jüdischen Museum

Wien (OTS) - Die Rolle der jüdischen Frau im religiösen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kontext steht im Zentrum der Ausstellung "Beste aller Frauen. Weibliche Dimensionen im Judentum", die das Jüdische Museum vom 16. Mai bis 11. November, zeigt. Damit wendet sich das Museum einem bislang weniger beachteten Aspekt zu, der am Beispiel von interessanten und vielschichtigen Frauenpersönlichkeiten dargestellt wird: Frauen als sozial gesinnte Unternehmerinnen, als Ausrichterinnen kultureller Salons, als Sozialarbeiterinnen und Feministinnen, oder in jüngerer Entwicklung auch als Rabbinerinnen haben eine eigene, andere, weibliche Sicht zu verschiedensten Fragen und damit Bewegung in die Gesellschaft eingebracht.****

Ausstellung als Anlass für wichtigen Ankauf des Museums

Namensgebend für die Ausstellung ist freilich die traditionell weibliche Sphäre der Textilien in der patriarchalisch geprägten bürgerlich-jüdischen Welt: Zwi Hirsch Todesco hat im Jahr 1833 anlässlich der Vermählung seiner Tochter einen Toravorhang für den Wiener Stadttempel gestiftet. In der Widmungsinschrift huldigt er seiner Frau Fanni mit der Standardformel als "Beste aller Frauen". Der Toravorhang konnte - mit Unterstützung der UNIQUA - anlässlich der Ausstellung für das Jüdische Museum erworben und restauriert werden. Als zentrales Exponat weist er darauf hin, dass derartige Textilien oft von Frauen gefertigt oder, wie in diesem Fall, aus dem Hochzeitskleid der Tochter hergestellt wurde. Andererseits stellte die Ausbildung im textilen Gewerbe eine der ersten Möglichkeiten für Frauen dar, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen.

Emanzipationsszenarien auf verschiedenen Ebenen

War die Kunst des Webens, Stickens, Nähens ein erster Schritt für die Frauen, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, der mit der Gründung einer "Fachschule für Kunststickerei" durch Emilie Bach eine institutionalisierte Grundlage fand, so gingen jüdische Frauen aus dem Wiener Großbürgertum Anfang des 19. Jahrhunderts bereits andere Wege zur Emanzipation. So führte Fanny von Arnstein zur Zeit des Wiener Kongresses einen berühmten gesellschaftlichen Salon, ebenso Cäcilie Eskeles und Eleonore Flies, die auch mit Goethe bekannt war. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts führte Josephine von Wertheimstein einen Salon, wo unter anderem Ferdinand von Saar, Eduard von Bauernfeld und Hugo von Hofmannsthal verkehrten, ebenso war Berta Zuckerkandl zentrale Figur eines prominenten Salons.

Wohltätigkeit und Bildung waren weitere Felder, auf denen jüdische Frauen eigenständig Großes geleistet haben. Bertha Pappenheim, als "Anna O." in die Geschichte der Psychologie eingegangen, bot nach ihrer Genesung armen "gefallenen Mädchen" Hilfe an. Frauen wie Eugenie Schwarzwald, Elise Richter und andere schrieben Bildungsgeschichte mit Betonung der emanzipatorischen Komponente für die Frauen, aber auch im Sinn, "Unterricht und Bildung zum Gemeingut Aller zu machen". Die in der Ausstellung gestellte Frage, "Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?", hat die Geschichte ebenfalls schon lange mit ja beantwortet. Bereits 1935 bekleidete als erste Regina Jonas in Berlin dieses Amt.

Die Schau im Jüdischen Museum stellt dem Besucher die bedeutenden Frauenpersönlichkeiten über Bilder und verschiedene, mit ihrem Wirken verbundene Dokumente vor und gibt damit ein plastisches Bild der Entwicklung, die die emanzipatorischen Bestrebungen jüdischer Frauen im Lauf der Zeit genommen haben.

Die Ausstellung ist Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt in das Jüdische Museum: 6,50 Euro, ermäßigt 4 Euro, freier Eintritt für Schulklassen. Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog erhältlich, kostenlose Führungen zu den Wechselausstellungen im Jüdischen Museum werden jeweils Sonntag, 15 Uhr angeboten. Führungen und pädagogische Programme: Tel. 535 04 3-311 oder 312, Mail: kids.school@jmw.at

o Allgemeine Informationen: Jüdisches Museum, 1., Dorotheergasse 11 Tel.: 535 04 31 Internet: www.jmw.at/ E-Mail: info@jmw.at

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