"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Russian Machines"

Deripaska hat in zwei Wochen 2,2 Milliarden Euro in Österreich ausgegeben.

Wien (OTS) - Zuerst die Strabag, jetzt Magna - zwischendurch ein bisschen Hochtief. Das Tempo des Herrn Deripaska ist beachtlich. Die Kapitalkraft auch. Noch bemerkenswerter ist aber, dass Herr Deripaska nur einer ist. Von seinem Kaliber gibt es noch ein Dutzend in Russland. Nun mag sich so mancher vor der russischen Maschine zu fürchten beginnen - die Strategie, den Stier an den Hörner zu packen, ist sicher richtiger.
In Russland geht die wirtschaftspolitische Strategie Putins im Moment voll auf: Zuerst räumte er missliebige Oligarchen wie Chodorkowski mit brutalen, wenig rechtsstaatlichen Mitteln zur Seite. Die heute agierenden Oligarchen, die mittlerweile Großunternehmer sind, spuren. Putins "Anregung", doch stärker in die eigene Wirtschaft zu investieren, um die eklatante Energieabhängigkeit des Landes zu lindern, wurde eilfertig aufgenommen. Das erwies sich erst als schwierig. Erstens fehlt es in Russland an Technologie und Personal. Und zweitens war den Russen lange der Weg in den Westen verwehrt. Allein 2006 scheiterten 50 Übernahme-Projekte. Manchen schien die Herkunft der russischen Gelder zu wenig transparent. Mit Recht, denn die Oligarchen, die nun das tragfähige Gerüst einer Industrie hochziehen, sind weniger durch harte Arbeit, als vielmehr mit dubiosen Transaktionen und menschenverachtenden Mitteln zu ihrem Reichtum gekommen.
Also stattete sie Putin mit offiziellen Funktionen aus. Der eine wurde Gouverneur, der andere Chef der Industriellenvereinigung, und so weiter. Nun reisen sie in offizieller Mission durch die Welt, und ihre Unternehmen reisen mit. Ob das alles in Ordnung ist? Nun, in den USA vollzog sich die Entwicklung zum Industrieland nicht recht viel anders. Heute sind nach den damaligen US-Oligarchen, die Indianerstämme abschlachteten, Universitäten und Flughäfen benannt. Genauso wird es in Russland auch sein.

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