Film Austria protestiert gegen Geschäftsführer-Bestellung beim Filmfonds Wien

Österreichische Filmwirtschaft äußert massive Kritik an der Art der Geschäftsführer-Bestellung beim Filmfonds Wien durch Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny

Wien (OTS) - Der Filmfonds Wien ist ein wichtiges
Förder-Instrument für den österreichischen Film. Er hätte aufgrund seiner finanziellen Ausstattung und gemäß seiner Satzung die Möglichkeit, den Film- und Medienstandort Wien nachhaltig zu fördern und durch die weitere Professionalisierung der Wiener Filmbranche den österreichischen Film aufzuwerten.

Die seit acht Jahren währende Geschäftsführung durch Dr. Peter Zawrel ist den Möglichkeiten, die der Filmfonds Wien hätte, nicht gerecht geworden. Die "Ära Zawrel" ist beweisbar für die Stadt Wien und die Filmbranche als Misserfolg zu werten: Wie schon im Kontrollamtsbericht der Stadt Wien moniert, konnten von über 200 Herstellungsförderungen durch den Filmfonds Wien nicht einmal 20 Projekte mehr als 5 % des Produktionsbudgets erwirtschaften. Dabei fällt auf, dass die meisten der wenigen Rückzahlungen an den Filmfonds Wien noch auf Entschei-dungen des Vorgängers von Zawrel zurückgehen. Dieses Ergebnis ist eine wirtschaftliche Kata-strophe!

Der folgende Indikator ist aber noch kennzeichnender für die "Ära Zawrel": Immer weniger Geld fließt in immer mehr Projekte. Wurden im Jahr 2000 noch rund Euro 250.000,- pro Projekt vergeben, waren es in den letzten Jahren durchschnittlich nur noch rund Euro 150.000,-, bei gleichzeitig höheren Herstellungsbudgets. Die Anzahl der Projekte stieg sprunghaft an. Förde-rung erfolgt immer mehr nach dem Giesskannen-Prinzip. Die unmittelbare Folge: Der wirt-schaftliche Erfolg wurde - abgesehen von wenigen Ausnahmen - immer geringer.

Schließlich bewirkt die ausufernde Bürokratie unter dem bisherigen Geschäftsführer, dass bei gleichem Budget immer weniger Mittel in die Herstellung von Filmen fließen und immer höhere Beträge in Verwaltung und sonstige Aktivitäten. Wurden 2002 und 2003 noch rund Euro 7,5 Mio. in die Herstellung von Filmen investiert, so waren es in den Jahren 2005 und 2006 nur noch rund
Euro 6,3 Mio. / Jahr. Unter dem Blickwinkel einer engagierten und innovativen Förderungspoli-tik kann dieses Ergebnis nur als Desaster bezeichnet werden.

Die bevorstehende Entscheidung des Kulturstadtrats Mailath-Pokorny, ohne Ausschreibung wei-terhin Dr. Peter Zawrel mit der Geschäftsführung des Filmfonds Wien zu betrauen, ist eine schwere Fehlentscheidung.

Trotz dieser gewichtigen sachlichen Bedenken von vielen Brancheninsidern, aber auch des ORF, ist Kulturstadtrat Mailath-Pokorny fest entschlossen, ohne Ausschreibung der Position Dr. Peter Zawrel für weitere vier Jahre zu bestellen. Für die Wiederbestellung von Dr. Zawrel ohne Aus-schreibung ist laut Satzung eine 2/3-Mehrheit im Kuratorium notwendig. Die im Dezember letz-ten Jahres auf Wunsch des Herrn Stadtrats durchgeführte "Probeabstimmung" brachte allerdings eine 2/3-Mehrheit gegen eine Wiederbestellung von Dr. Zawrel und für eine Ausschreibung. Da einige der Mitglieder des Kuratoriums in direkter beruflicher Abhängigkeit zum Stadtrat für Kul-tur stehen, wäre eine 2/3-Mehrheit für Dr. Zawrel zwar erklärbar, in unser demokratisches Selbstverständnis des 21. Jahrhunderts passt sie nicht.

Trotzdem ist der Stadtrat bei seinem ersten Versuch, diese Bestellung gegenüber dem Kuratori-um des Filmfonds Wien durchzusetzen, gescheitert: Die dafür notwendige 2/3-Mehrheit im Ku-ratorium konnte vorerst nicht erzielt werden - schlimmer noch: Dr. Zawrel konnte mangels Un-terlagen für das abgelaufene Geschäftsjahr noch nicht einmal die Entlastung erteilt werden!

Nunmehr ist schon für den 16. Mai eine neuerliche Kuratoriumssitzung anberaumt, um Dr. Zaw-rel ohne Ausschreibung doch noch durchzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, befürchten dass Kulturstadtrat Mailath-Pokorny darüber hinwegsehen wird, dass nicht mehr alle Kuratoriums-mitglieder aufrecht bestellt sind, er wird trotz seiner Zusage bis dahin KR Kurt Mrckwicka (MR-Film), dem Sitz und Stimme im Kuratorium zugesagt wurden, nicht bestellen, und er wird über-dies alle fachlichen Bedenken beiseite schieben, nur um die Position nicht ausschreiben zu müs-sen.

Denn nur die Ausschreibung der Position und die Abhaltung von Hearings könnten gewährlei-sten, dass das hohe Potential des Filmfonds Wien durch eine effiziente und kluge Geschäftsfüh-rung zum Nutzen der Stadt Wien und der Wiener Filmwirtschaft voll ausgenutzt wird.

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