• 09.05.2007, 11:05:37
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Wiener Frauenhäuser: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Pressekonferenz mit Frauenberger, Ludwig-Faymann, Brem

Wien (OTS) - Über aktuelle Schwerpunkte sowie eine neu anlaufende
Medienkampagne des Vereins Wiener Frauenhäuser informierten heute
Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, die Vorsitzende des Vereins
Martina Ludwig-Faymann sowie die Geschäftsführerin Andrea Brem im
Rahmen einer Pressekonferenz.

Gewalt findet im familiären Umfeld statt, sie betrifft Frauen
quer über alle sozialen Schichten, Frauen, die schon seit
Generationen in Österreich leben wie auch Migrantinnen, Frauen im
ländlichen Raum wie in der Stadt. Genauso vielfältig müssen auch die
Hilfsangebote für Frauen sein, die Opfer von Gewalt sind. Hier setzt
die Arbeit der Wiener Frauenhäuser an. Der Verein stellt Frauen sowie
ihren mitbetroffenen Kindern Soforthilfe zur Verfügung, bietet
Nachbetreuung im Anschluss an die Unterbringung im Frauenhaus und
berät und unterstützt in Krisen- und Gefährdungssituationen.

Aus der Praxisarbeit der Frauenhäuser ergeben sich auch
entscheidende Inputs in Richtung politischer Schwerpunktsetzungen, so
Frauenstadträtin Sandra Frauenberger:

Eigenes Einkommen - Wirtschaftliche Unabhängigkeit

"Als Frauenstadträtin sehe ich die Erfahrungen aus der Arbeit
der Wiener Frauenhäuser auch als ganz konkrete politische
Aufgabenstellungen. Eigenes Einkommen, wirtschaftliche Unabhängigkeit
von Frauen stehen dabei im Zentrum, denn sie sind
Grundvoraussetzunge, die Frauen ein Entkommen aus der Gewaltspirale
ermöglichen können"

Eine enge Kooperationen mit dem WAFF (Wiener ArbeitnehmerInnen
Förderungsfonds), die gezielt darauf setzt, die wirtschaftliche
Situation von Frauen zu verbessern, die Opfer von Gewalt geworden
sind, greift Frauenberger in diesem Zusammenhang als konkrete
Maßnahme heraus.

Migrantinnen

Beim Aufbau einer unabhängigen Existenz stellen sich vor allem
für Migrantinnen zusätzliche Hürden. Ihr Aufenthaltsrecht in
Österreich ist vor allem in den ersten Jahren oft an das ihres
Ehemannes gekoppelt. Durch diese Konstellation hat sich in den
letzten Jahren eine neue Form der Gewalt entwickelt, stellt
Stadträtin Frauenberger klar: "Migrantinnen werden mit Drohungen, sie
würden wieder heim geschickt, zu allem möglichen gezwungen. Hier ist
die Politik klar gefordert. Ich möchte in diesem Zusammenhang die
Forderung nach einem unabhängigen Aufenthaltstitel für Frauen
bekräftigen", betont Frauenberger.

Als konkrete Initiative zur Verbesserung der Situation von
Migrantinnen betont Frauenberger das Projekt "Mama lernt Deutsch",
als wesentlichen Schritt bei der sozialen Integration von Frauen mit
Migrationshintergrund.

Fortschritte im Gewaltschutz

"Der Verein Wiener Frauenhäuser ist seit 29 Jahren fixer
Bestandteil des Gewaltschutznetzes. Umso wichtiger ist auch die fixe
budgetäre Verankerung der Frauenhäuser in der Stadt.", stellt Martina
Ludwig-Faymann, Vorsitzende des Vereins klar "Nur so können weitere
Fortschritte im Opferschutz außer Frage gestellt werden."

Ludwig-Faymann begrüßt außerdem das klare Bekenntnis zur
Verbesserung des Gewaltschutzes, die von Seite der Bundesregierung
aktuell abgegeben wurde: "Nach einigen Jahren der Untätigkeit setzen
die Regierungsverantwortlichen auf Bundesebene nun endlich deutliche
Signale für eine Verbesserung der Situation von Opfern", begrüßt die
Vorsitzende insbesondere die in Aussicht gestellte Einrichtung einer
Koordinationsstelle für Opferhilfe, die angekündigte Ausweitung der
Wirkung einstweiliger Verfügungen von drei auf sechs Monate, sowie
die gesicherte finanzielle Situation der Interventionsstellen in
Wien. Deren Tätigkeit ist nunmehr wieder flächendeckend in allen
Wiener Gemeindebezirken möglich.

Kinder und Jugendliche

Wichtigen Stellenwert im Rahmen der Betreuungs- und
Beratungstätigkeit des Vereins Wiener Frauenhäuser kommt insbesondere
mitbetroffenen Kinder und Jugendlichen zu: "Kinder sind von Gewalt
immer mit betroffen. Sie werden entweder selbst Opfer von Gewalt oder
sie sind Zeugen der Gewalt gegen die Mutter", betont Ludwig-Faymann.
Die Frauenhäuser bieten ein speziell an die Bedürfnisse der Kinder
angepasstes Betreuungsangebot und eigens angestellte
Mitarbeiterinnen, die Kinder bei der Aufarbeitung ihrer
Gewalterlebnisse unterstützen. So gibt es auch eine von männlichen
Therapeuten geleitete Therapiegruppe, mit der Buben ermöglicht wird
ein positiveres Männerbild zu entwickelt, als jenes, das sie durch
ihren gewalttätigen Vater erfahren haben müssen", berichtet Ludwig
weiter.

15 Jahre ambulante Beratungsstelle

Seit 15 Jahren betreibt der Verein Wiener Frauenhäuser eine
ambulante Beratungsstelle. Neben den Frauenhäusern und den
Unterbringungen in Nachbetreuungseinrichtungen sind diese ein
Eckpfeiler der Arbeit des Vereins. Von Gewalt betroffene Frauen, die
nicht ins Frauenhaus flüchten wollen oder müssen, werden hier
kostenlos und individuell beraten. Auf Wunsch auch anonym. Die
steigende Zahl der Beratungen widerspiegelt ganz deutlich die
bestehende Nachfrage und die Effizienz dieser Einrichtung.

"Es zeigt sich in den Erstgesprächen oft, dass Frauen anfangs
noch nicht bereit sind, über persönliche Gewalterfahrungen zu
sprechen und eher allgemeine familienrechtliche Themen ins Zentrum
stellen. Das macht deutlich, dass geeignete Gesprächssettings
vorhanden sein müssen, damit Frauen ihre Scham überwinden können und
bereit sind, ihre Gewalterfahrungen zu reflektieren", schildert
Andrea Brem, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser die
Erfahrungen bei der Alltagsarbeit.

Neue Medienkampagne des Vereins Wiener Frauenhäuser - Plakate,
Kinospots, Fernsehspots von DRAFTFCB KOBZA

"Es muss sichergestellt sein, dass Frauen, die Opfer von Gewalt
sind, oder die sich in Krisensituationen befinden, auch den Weg zu
uns und zu unseren Angeboten finden. Das wollen wir mit unserer
neuen Medienkampagne erreichen", erklärt Andrea Brem. Die aktuelle
Kampagne ist die erfolgreiche Fortsetzung einer Zusammenarbeit mit
der Agentur DRAFTFCB KOBZAK. Die produzierten Werbespots sind bereits
in Wiener Kinos gelaufen. Mit freundlicher Unterstützung des ORF
werden die Einschaltungen nun auch im TV zu sehen sein. (Schluss) koi

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
   Mag. Isabel Koberwein
   Mediensprecherin StR. Sandra Frauenberger
   Tel.: 4000/81853
   Mobil: 0664/962 38 16
   E-Mail: [email protected]

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