Wiener Frauenhäuser: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Pressekonferenz mit Frauenberger, Ludwig-Faymann, Brem

Wien (OTS) - Über aktuelle Schwerpunkte sowie eine neu anlaufende Medienkampagne des Vereins Wiener Frauenhäuser informierten heute Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, die Vorsitzende des Vereins Martina Ludwig-Faymann sowie die Geschäftsführerin Andrea Brem im Rahmen einer Pressekonferenz.

Gewalt findet im familiären Umfeld statt, sie betrifft Frauen quer über alle sozialen Schichten, Frauen, die schon seit Generationen in Österreich leben wie auch Migrantinnen, Frauen im ländlichen Raum wie in der Stadt. Genauso vielfältig müssen auch die Hilfsangebote für Frauen sein, die Opfer von Gewalt sind. Hier setzt die Arbeit der Wiener Frauenhäuser an. Der Verein stellt Frauen sowie ihren mitbetroffenen Kindern Soforthilfe zur Verfügung, bietet Nachbetreuung im Anschluss an die Unterbringung im Frauenhaus und berät und unterstützt in Krisen- und Gefährdungssituationen.

Aus der Praxisarbeit der Frauenhäuser ergeben sich auch entscheidende Inputs in Richtung politischer Schwerpunktsetzungen, so Frauenstadträtin Sandra Frauenberger:

Eigenes Einkommen - Wirtschaftliche Unabhängigkeit

"Als Frauenstadträtin sehe ich die Erfahrungen aus der Arbeit der Wiener Frauenhäuser auch als ganz konkrete politische Aufgabenstellungen. Eigenes Einkommen, wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen stehen dabei im Zentrum, denn sie sind Grundvoraussetzunge, die Frauen ein Entkommen aus der Gewaltspirale ermöglichen können"

Eine enge Kooperationen mit dem WAFF (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds), die gezielt darauf setzt, die wirtschaftliche Situation von Frauen zu verbessern, die Opfer von Gewalt geworden sind, greift Frauenberger in diesem Zusammenhang als konkrete Maßnahme heraus.

Migrantinnen

Beim Aufbau einer unabhängigen Existenz stellen sich vor allem für Migrantinnen zusätzliche Hürden. Ihr Aufenthaltsrecht in Österreich ist vor allem in den ersten Jahren oft an das ihres Ehemannes gekoppelt. Durch diese Konstellation hat sich in den letzten Jahren eine neue Form der Gewalt entwickelt, stellt Stadträtin Frauenberger klar: "Migrantinnen werden mit Drohungen, sie würden wieder heim geschickt, zu allem möglichen gezwungen. Hier ist die Politik klar gefordert. Ich möchte in diesem Zusammenhang die Forderung nach einem unabhängigen Aufenthaltstitel für Frauen bekräftigen", betont Frauenberger.

Als konkrete Initiative zur Verbesserung der Situation von Migrantinnen betont Frauenberger das Projekt "Mama lernt Deutsch", als wesentlichen Schritt bei der sozialen Integration von Frauen mit Migrationshintergrund.

Fortschritte im Gewaltschutz

"Der Verein Wiener Frauenhäuser ist seit 29 Jahren fixer Bestandteil des Gewaltschutznetzes. Umso wichtiger ist auch die fixe budgetäre Verankerung der Frauenhäuser in der Stadt.", stellt Martina Ludwig-Faymann, Vorsitzende des Vereins klar "Nur so können weitere Fortschritte im Opferschutz außer Frage gestellt werden."

Ludwig-Faymann begrüßt außerdem das klare Bekenntnis zur Verbesserung des Gewaltschutzes, die von Seite der Bundesregierung aktuell abgegeben wurde: "Nach einigen Jahren der Untätigkeit setzen die Regierungsverantwortlichen auf Bundesebene nun endlich deutliche Signale für eine Verbesserung der Situation von Opfern", begrüßt die Vorsitzende insbesondere die in Aussicht gestellte Einrichtung einer Koordinationsstelle für Opferhilfe, die angekündigte Ausweitung der Wirkung einstweiliger Verfügungen von drei auf sechs Monate, sowie die gesicherte finanzielle Situation der Interventionsstellen in Wien. Deren Tätigkeit ist nunmehr wieder flächendeckend in allen Wiener Gemeindebezirken möglich.

Kinder und Jugendliche

Wichtigen Stellenwert im Rahmen der Betreuungs- und Beratungstätigkeit des Vereins Wiener Frauenhäuser kommt insbesondere mitbetroffenen Kinder und Jugendlichen zu: "Kinder sind von Gewalt immer mit betroffen. Sie werden entweder selbst Opfer von Gewalt oder sie sind Zeugen der Gewalt gegen die Mutter", betont Ludwig-Faymann. Die Frauenhäuser bieten ein speziell an die Bedürfnisse der Kinder angepasstes Betreuungsangebot und eigens angestellte Mitarbeiterinnen, die Kinder bei der Aufarbeitung ihrer Gewalterlebnisse unterstützen. So gibt es auch eine von männlichen Therapeuten geleitete Therapiegruppe, mit der Buben ermöglicht wird ein positiveres Männerbild zu entwickelt, als jenes, das sie durch ihren gewalttätigen Vater erfahren haben müssen", berichtet Ludwig weiter.

15 Jahre ambulante Beratungsstelle

Seit 15 Jahren betreibt der Verein Wiener Frauenhäuser eine ambulante Beratungsstelle. Neben den Frauenhäusern und den Unterbringungen in Nachbetreuungseinrichtungen sind diese ein Eckpfeiler der Arbeit des Vereins. Von Gewalt betroffene Frauen, die nicht ins Frauenhaus flüchten wollen oder müssen, werden hier kostenlos und individuell beraten. Auf Wunsch auch anonym. Die steigende Zahl der Beratungen widerspiegelt ganz deutlich die bestehende Nachfrage und die Effizienz dieser Einrichtung.

"Es zeigt sich in den Erstgesprächen oft, dass Frauen anfangs noch nicht bereit sind, über persönliche Gewalterfahrungen zu sprechen und eher allgemeine familienrechtliche Themen ins Zentrum stellen. Das macht deutlich, dass geeignete Gesprächssettings vorhanden sein müssen, damit Frauen ihre Scham überwinden können und bereit sind, ihre Gewalterfahrungen zu reflektieren", schildert Andrea Brem, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser die Erfahrungen bei der Alltagsarbeit.

Neue Medienkampagne des Vereins Wiener Frauenhäuser - Plakate, Kinospots, Fernsehspots von DRAFTFCB KOBZA

"Es muss sichergestellt sein, dass Frauen, die Opfer von Gewalt sind, oder die sich in Krisensituationen befinden, auch den Weg zu uns und zu unseren Angeboten finden. Das wollen wir mit unserer neuen Medienkampagne erreichen", erklärt Andrea Brem. Die aktuelle Kampagne ist die erfolgreiche Fortsetzung einer Zusammenarbeit mit der Agentur DRAFTFCB KOBZAK. Die produzierten Werbespots sind bereits in Wiener Kinos gelaufen. Mit freundlicher Unterstützung des ORF werden die Einschaltungen nun auch im TV zu sehen sein. (Schluss) koi

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Mag. Isabel Koberwein
Mediensprecherin StR. Sandra Frauenberger
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