WirtschaftsBlatt Kommentar vom 7. 5. 2007: Klimawandel: Beruhigung aus Bangkok - von Herbert Geyer

"Wenn wir so weitermachen, kommen wir in Teufels Küche"

Wien (OTS) - Eigentlich klingt es ziemlich beruhigend, was die Experten des UNO-Klimarates kürzlich verkündeten: Um die schlimmsten Schäden des Klimawandels von der Erde abzuwenden, genüge es bereits, den globalen CO2-Ausstoss bis 2015 zu stabilisieren und bis 2050 gegenüber jetzt um 50 bis 80 Prozent zu senken. Und: Selbst im ehrgeizigsten Szenario würde das Weltwirtschaftswachstum bis 2030 nur um höchstens jährlich 0,12 Prozent niedriger liegen.

Entsprechend wohlwollend war auch die Aufnahme des Expertenberichts. Rund um den Globus - und vor allem in Europa - applaudierten Politiker und Umweltschützer und gelobten vollsten Einsatz.

Wir werden sehen. Denn ähnliche Euphorie herrschte auch nach dem Kyoto-Abkommen von 1997, als sich die Industriestaaten verpflichteten, bis 2008/12 ihren Treibhausgas-Ausstoss gegenüber 1990 um durchschnittlich 5,2 Prozent zu senken.

Tatsächlich hat das Weltklima seither ein Plus an Treibhausgasen von rund acht Prozent zu verkraften, und auch die ach so engagierten Europäer haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Unter den zehn Staaten mit dem höchsten Zuwachs an Treibhausgasen finden sich immerhin sechs EU-Mitglieder, Spanien führt mit plus 49 Prozent vor der Türkei und Portugal mit je 47. Auch Österreich - mit plus 26 Prozent auf Platz neun - liegt noch deutlich vor den allgemein angeprangerten Klimasündern China oder USA.

Den CO2-Ausstoss bis 2015 "nur" zu stabilisieren ist angesichts dieser Erfahrungen also bereits ein höchst ehrgeiziges Unterfangen, das mit Alibiaktionen wie dem jetzt in Österreich gegründeten Klimafonds jedenfalls nicht erreichbar ist. Die Regierung ist - wie alle Regierungen - aufgerufen, sich wirkungsvollere Massnahmen einfallen zu lassen. Erleichtert wird ihr das dadurch, dass der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen für einen Staat, der wesentlich mehr Energie verbraucht als er in Form von Öl und Kohle selbst fördert, auch volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll ist (weil dadurch die Abhängigkeit von Energieimporten verringert wird). Massnahmen zur effizienteren Nutzung von Energie werden in der Regel sogar für die einzelnen Verbraucher mittelfristig die Kosten senken, sollten also nicht gar zu schwer umzusetzen sein.

Zumal die Alternative ziemlich klar ist: "Wenn wir so weitermachen wie bisher", formulierte es in Bangkok Ogunlade Davidson, einer der Chefs des Klimarates, "kommen wir in Teufels Küche."

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