"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eine glückliche SPÖ mit einem glücklichen Alfred Gusenbauer" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 01.05.2007

Graz (OTS) - Heute werden wir wieder die Bilder sehen, die wir
seit Jahrzehnten kennen: Auf der Tribüne vor dem Wiener Rathaus der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, der Bürgermeister von Wien, die Frauenvorsitzende der SPÖ und der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, wie sie mit roten Tüchern den vorbeiziehenden jubelnden Genossen zuwinken, die aus allen Bezirken der großen Stadt zusammengeströmt sind, um ihre Partei zu feiern.

Dazu haben sie diesmal auch allen Grund. Nach sieben Jahren des "Exils" stellt die SPÖ wieder den Bundeskanzler. Sie ist wieder dort, worauf sie kraft des objektiven Gangs der Geschichte einen Anspruch zu haben glaubt - an der Macht.

Die SPÖ braucht sich deshalb auch nicht die Frage zu stellen, was heute Sozialdemokratie bedeuten kann, welche Aufgabe sie hat, nachdem das 20., das "sozialdemokratische Jahrhundert" der Vergangenheit angehört. Sie stellt sie sich auch nicht. Kaum jemand klagt auch noch darüber, dass man bei den Koalitionsverhandlungen wichtige Positionen der Sozialdemokratie aufgegeben habe.

Alfred Gusenbauer ist der mächtigste Parteichef seit Bruno Kreisky -und ein glücklicher dazu. Jahrzehntelang musste ein Vorsitzender die Macht in der SPÖ mit dem ÖGB-Chef teilen. Partei und Gewerkschaft waren einem bekannten Wort Viktor Adlers zufolge "siamesische Zwillinge".

Die Zwillinge sind durch eine Notoperation getrennt worden, die einer der beiden fast nicht überlebt hätte. Zusammen mit seiner Bank, die heute im Eigentum von US-"Heuschrecken" steht, hat der ÖGB auch seine eigene Macht versenkt. Wenn Rudolf Huntsdorfer heute von der Bühne winken darf, tut er das von Gnaden Alfred Gusenbauers.

Ob sich die SPÖ mit Gusenbauer wirklich auf der Höhe der Zeit befindet, mag man bezweifeln. Sicher aber befindet sie sich auf der Höhe des Zeitgeists. Bundeskanzler zu sein mache ihm "Spaß", sagte Gusenbauer jüngst.

Das ist es, was viele sich wünschen und was einem unentwegt suggeriert wird: das Leben lockerer nehmen. Warum sollte das nicht auch für die Politik gelten nach all den Jahren der Ernsthaftigkeit und ständigen Zumutung durch Politik? Der Kanzler macht vor, wie das geht.

"So schön wie 1970 wird es nie mehr werden", klagte dieser Tage ein bekannter Sozialdemokrat in einer nostalgischen Abrechnung mit der Partei, aus der er kürzlich ausgetreten ist.

Der Gute irrt. Es wird noch viel schöner werden für die SPÖ. ****

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