• 30.04.2007, 20:02:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eine glückliche SPÖ mit einem glücklichen Alfred Gusenbauer" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 01.05.2007

Graz (OTS) - Heute werden wir wieder die Bilder sehen, die wir
seit Jahrzehnten kennen: Auf der Tribüne vor dem Wiener Rathaus der
Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, der
Bürgermeister von Wien, die Frauenvorsitzende der SPÖ und der
Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, wie sie mit roten
Tüchern den vorbeiziehenden jubelnden Genossen zuwinken, die aus
allen Bezirken der großen Stadt zusammengeströmt sind, um ihre Partei
zu feiern.

Dazu haben sie diesmal auch allen Grund. Nach sieben Jahren des
"Exils" stellt die SPÖ wieder den Bundeskanzler. Sie ist wieder dort,
worauf sie kraft des objektiven Gangs der Geschichte einen Anspruch
zu haben glaubt - an der Macht.

Die SPÖ braucht sich deshalb auch nicht die Frage zu stellen, was
heute Sozialdemokratie bedeuten kann, welche Aufgabe sie hat, nachdem
das 20., das "sozialdemokratische Jahrhundert" der Vergangenheit
angehört. Sie stellt sie sich auch nicht. Kaum jemand klagt auch noch
darüber, dass man bei den Koalitionsverhandlungen wichtige Positionen
der Sozialdemokratie aufgegeben habe.

Alfred Gusenbauer ist der mächtigste Parteichef seit Bruno Kreisky -
und ein glücklicher dazu. Jahrzehntelang musste ein Vorsitzender die
Macht in der SPÖ mit dem ÖGB-Chef teilen. Partei und Gewerkschaft
waren einem bekannten Wort Viktor Adlers zufolge "siamesische
Zwillinge".

Die Zwillinge sind durch eine Notoperation getrennt worden, die einer
der beiden fast nicht überlebt hätte. Zusammen mit seiner Bank, die
heute im Eigentum von US-"Heuschrecken" steht, hat der ÖGB auch seine
eigene Macht versenkt. Wenn Rudolf Huntsdorfer heute von der Bühne
winken darf, tut er das von Gnaden Alfred Gusenbauers.

Ob sich die SPÖ mit Gusenbauer wirklich auf der Höhe der Zeit
befindet, mag man bezweifeln. Sicher aber befindet sie sich auf der
Höhe des Zeitgeists. Bundeskanzler zu sein mache ihm "Spaß", sagte
Gusenbauer jüngst.

Das ist es, was viele sich wünschen und was einem unentwegt
suggeriert wird: das Leben lockerer nehmen. Warum sollte das nicht
auch für die Politik gelten nach all den Jahren der Ernsthaftigkeit
und ständigen Zumutung durch Politik? Der Kanzler macht vor, wie das
geht.

"So schön wie 1970 wird es nie mehr werden", klagte dieser Tage ein
bekannter Sozialdemokrat in einer nostalgischen Abrechnung mit der
Partei, aus der er kürzlich ausgetreten ist.

Der Gute irrt. Es wird noch viel schöner werden für die SPÖ. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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