- 27.04.2007, 18:05:23
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Die armen Schuldner
Wien (OTS) - Wer bisweilen Kontakt mit den früheren
Ost-Dissidenten hat, der weiß, wie wichtig damals selbst noch so
kleine Gesten der Solidarität mit den Kämpfern für Freiheit,
Demokratie und Menschenrechten gewesen sind. Daher ist die Einladung
des Kreisky-Forums an den russischen Schach-Demokraten Kasparow sehr
lobenswert - noch dazu in Zeiten, wo sich andere dem Putin-System zu
Füßen werfen. Sie fällt besonders im Vergleich zur Zeit vor der Wende
positiv auf, als Österreichs Sozialdemokraten von Benya bis Vranitzky
fast krampfhaft bemüht waren, die letzten zu sein, die noch den alten
Kommunisten hofieren.
Das Kreisky-Forum ist übrigens schon lange ein Musterbeispiel
dafür, wie sinnvoll echte Think tanks sein könnten - anstelle der
vielen kleinen Subventions-fressenden und nichts bewegenden
Vereinchen.
*
Sozialminister und Justizministerin wollen den Weg in den
Privatkonkurs noch mehr erleichtern. Ist dem wirklich so heftig
zuzujubeln, wie das viele tun? Dabei geht es darum, dass auch
leichtfertig angesammelte Schulden nicht mehr zurückgezahlt werden.
Was aber viele übersehen: Irgendwer zahlt immer drauf, wenn nicht
gezahlt wird. Meistens sind das die übrigen Konsumenten, die jenes
Risiko über höhere Preise oder Kreditzinsen tragen. Wann vertritt der
Konsumentenminister eigentlich deren Interessen? Nie, weil er ja auch
Sozialminister ist?
Von den Freunden der einfachen Entschuldung werden oft tragische
Schicksale unschuldig in Not geratener Menschen präsentiert, die
Alleinerzieherin mit fünf Kindern etwa oder der demente
Ausgleichsrentner. Die Statistik zeigt jedoch ein anderes Bild: Der
durchschnittliche Schuldner ist männlich und 30 bis 40 Jahre, also in
einem Alter, das auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt ist. Über die
Ursachen ihrer Überschuldung sind keine statistischen Zahlen bekannt.
Doch lehrt die Lebenserfahrung, dass Schulden in diesem Alter nur
selten mit "arm und unverschuldet" zu tun haben, sondern mehr mit
ganz anderen Dingen, die von Glücksspiel bis Alkohol, von Frauen bis
Autos reichen.
Soll man das Los solcher Menschen völlig ignorieren? Gewiss nicht.
Aber man könnte diese Probleme wenigstens objektiv behandeln und ohne
den ewigen Unterton: "Wie schlecht ist doch diese Gesellschaft!"
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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Tel.: 01/206 99-478
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