- 25.04.2007, 16:54:12
- /
- OTS0349 OTW0349
WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26. 4. 2007: Gratulation, Herr Hans Peter Haselsteiner - von Wolfgang Unterhuber
Gutmenschen und Saubermänner werden die Nase rümpfen
Wien (OTS) - Der Einsteig des russischen Magnaten Oleg Deripaska
bei der Strabag ist schlichtweg genial. Denn Russland ist neben China
und Dubai die grösste Baustelle der Welt. Laut der staatlichen
Statistikbehörde stieg das Baugeschäft in Russland im Vorjahr um
knapp 13 Prozent. Ein Fünftel des gesamten russischen Baugeschäfts
wird im Grossraum Moskau abgewickelt. In den kommenden zehn bis zwölf
Jahren werden 40 Prozent der Stadtfläche erneuert. Das
Vorzeigeprojekt ist die "Moskwa City", eine Art Manhattan mit einem
Investitionsvolumen von zwölf Milliarden Dollar.
Aber auch ausserhalb Moskaus wird kräftig abgerissen (speziell die
"Chruschtschowki" genannten Plattenbauten aus den 50er- und
60er-Jahren) und wieder aufgebaut. Von den 169 russischen
Grossstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern wurden 94 Generalpläne
zum Stadtumbau in Angriff genommen. Dazu kommt ein Programm um rund
23 Milliarden Euro für den Ausbau der Transportsysteme.
Bei all dem ist Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner nunmehr nicht
nur dabei, sondern richtig mittendrin. Oleg Deripaska kann all jene
Türen öffnen, die Haselsteiner verschlossen geblieben wären.
Öffentliche Aufträge in Russland zu bekommen ist - no na - für
alleinstehende Investoren aus dem Ausland nicht gerade leicht. Der
russische Markt verlangt ein engmaschiges Beziehungsgeflecht zu den
Behörden und politischen Entscheidungsträgern.
Wer Russland hat, hat Europa, sagt Haselsteiner. Und eigentlich will
er in Europa ja die Numer eins werden. Das ist natürlich nicht
einfach. Aber mit der Milliarde Euro, die der Russe für seinen
Einstieg bei der Strabag hingelegt hat, kann Haselsteiner einen
netten Zukauf machen. Inklusive Fremdmittel von, sagen wir, weiteren
ein bis zwei Milliarden lässt sich da schon eine halbe Strabag
einverleiben. Und zwar sofort.
Bleibt nur noch die Frage, ob Deripaskas Einstieg auch irgendwelche
Risiken beinhaltet? Nur dann, wenn er sich wie Ex-Yukos-Chef Michail
Chodorkowski mit den politischen Eliten des Landes anlegt. Und so
sieht der Mann nicht aus. Bleibt ein momentanes Imageproblem:
Investmentbanker sind ob des überraschend abgesagten Börseganges
natürlich nicht erfreut. Und Gutmenschen sowie Saubermänner werden
wegen Deripaska die Nase rümpfen. Der war in den 90er-Jahren eine
zentrale Figur im sogenannten "Aluminium-Krieg". Als der Kampf um die
Alu-Kombinate begann, war der gelernte Physiker ein kleiner Broker.
Am Ende war er der Alleinherrscher über Russlands Aluminiumschmelzen.
Das ist er bis heute.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






