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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 25. 4. 2007: Wer hat Angst vor den Russen? - von Peter Muzik

Sie sind noch unsichtbar, werden aber bald auftauchen

Wien (OTS) - Die sensationelle Meldung, die gestern Abend
heimische Wirtschaftsredaktionen in Hektik versetzte, hat mit einer
latenten Angst der Österreicher zu tun - der historischen Angst vor
den Russen. Der geplante Börsegang der Strabag, die immerhin der
sechstgrösste Baukonzern Europas ist, dürfte geplatzt sein, hiess es,
weil sich strategische Investoren aus Russland am Unternehmen
beteiligen werden.

Wenn es um Russen geht, tauchen auch in den Chefetagen der Wirtschaft
bisweilen Berührungsängste und Verdrängungsmechanismen auf. Dabei ist
Österreich für die Russen - und gemeint sind da nicht bloss die
scharenweise aufkreuzenden, steinreichen, aber häufig grölenden
Touristen - wahrlich keine Insel der Seligen mehr. Sondern ein Land,
in dem sie sich auch geschäftlich gerne engagieren - selbst wenn das
nicht transparent ist. Roman Abramowitsch beispielsweise, der nicht
nur den Fussballverein FC Chelsea besitzt, sondern auch die teuerste
Yacht und den grössten Privatjet der Welt, hat längst einen feudalen
Wohnsitz in der nobelsten Gegend Wiens. Als reichster Russe
interessiert er sich für diverse Schlösser im Lande, lässt sich in
Topkliniken behandeln und wickelte schon mal seine Exportgeschäfte
über Wien ab.

Oder Oleg Deripaska, Eigentümer des Autoproduzenten GAZ: Ihm wird
nachgesagt, dass er an einem Einstieg bei Frank Stronachs
austrokanadischem Zulieferer-Konzern Magna seit geraumer Zeit
höchstes Interesse haben soll - was logischerweise von allen Seiten
dementiert wurde. Deripaska und seine Unternehmen sind, so wie die
anderen östlichen Öl-, Gas-, Alu-, Auto-, Metall- und sonstige
Magnaten, mit ihren Betrieben naturgemäss im Firmenbuch nicht zu
finden.

Bei Viktor Vekselberg, der im neuesten Ranking der russischen
Geldsäcke auf fast 11 Milliarden Dollar geschätzt wird und immerhin
an der zehnten Position liegt, sieht das schon anders aus: Er ist
hierzulande kein Phantom mehr, sondern steckt mit seiner
Renova-Gruppe, einer der potentesten Investmentgesellschaften
Russlands, ganz offiziell hinter dem Investoren-Duo Ronny Pecik und
Georg Stumpf, das sich zuletzt in der Schweiz mehrmals ausgetobt hat.

Die Botschaft, an die man sich gewöhnen sollte, lautet also: Bald
werden sich auch die geheimnisumwitterten russischen Magnaten, die
immer noch als ungeheuer dubios gelten, verstärkt für tolle
österreichische Betriebe wie die Strabag interessieren. Und sie
werden naturgemäss gross einkaufen - irgendwann wird das sogar
Business as usual sein.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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