- 16.04.2007, 14:15:59
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Klimaschutz braucht nachwachsende Rohstoffe
Klimafonds muss Langzeit-Forschungsprogramm für Wälder der Zukunft unterstützen
Wien (OTS) - Mit dem heutigen Klimagipfel will die Regierung
gemeinsam mit Interessensvertretern und Experten geeignete
Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg bringen. Kein anderer
Wirtschaftszweig ist so stark vom Klimawandel abhängig wie die Land-
und Forstwirtschaft. Gleichzeitig spielen Wald, Holz und
landwirtschaftliche Erzeugnisse bei der Lösung der Klima- und
Energieproblematik eine maßgebliche Rolle. Nachwachsende Rohstoffe
werden in Zukunft ein wichtiger Schlüssel für eine starke Wirtschaft
und gesunde Umwelt sein. Dazu muss die Politik gute Rahmenbedingungen
schaffen. Die Wälder der Zukunft werden höheren Temperaturen
ausgesetzt sein. Um die geeigneten Baumarten zu erforschen, sind
finanzielle Mittel aus dem Klima- und Energiefonds erforderlich.
Die österreichische Land- und Forstwirtschaft steht aufgrund des
Klimawandels vor enormen Herausforderungen. Denn kein anderer
Wirtschaftszweig ist so stark vom Klima abhängig. Aktuelle Studien
sagen für Österreich in den kommenden 30 Jahren eine Zunahme der
Jahresdurchschnittstemperatur von 2GradC sowie häufige Stürme und
Trockenheit voraus. "Der natürliche Anpassungsprozess des Waldes ist
wesentlich langsamer als der Klimawandel", erklärt Felix
Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich anlässlich
des heutigen Klimagipfels. "Das würde eine zwischenzeitliche
Entwaldung, den Verlust der lebensnotwendigen Waldfunktionen und
somit negative Auswirkungen für Umwelt und Wirtschaft mit sich
bringen." Auch in Zukunft wird Nadelholz aufgrund seiner
ausgezeichneten Eigenschaften als Baustoff gebraucht werden - denn es
ist leicht, fest, elastisch. Die Waldbesitzer stehen heute vor der
Frage, mit welchen langfristigen Strategien man sich bei der
Bewirtschaftung des Waldes an die sich verändernden Bedingungen
anpassen kann.
Wald und Holz für eine gesunde Umwelt
Beim Prozess der Fotosynthese wird CO2 aus der Luft entnommen und
in der Biomasse gebunden. Eine Fichte mit einer Holzmasse von einem
Festmeter speichert im Laufe ihres Lebens rund 200 kg Kohlenstoff und
entnimmt dadurch der Atmosphäre 750 kg CO2. "Der österreichische Wald
liefert zudem mit dem nachwachsenden Produkt Holz einen vielseitig
einsetzbaren Rohstoff", so Montecuccoli. "Dieser kann bei der
Bewältigung der Klima- und Energieproblematik eine maßgebliche Rolle
spielen."
Bei der Produktion, Be- und Verarbeitung von Holz werden
wesentlich weniger Ressourcen und Energie verbraucht, als bei
Materialien auf der Basis von fossilen und nicht erneuerbaren
Rohstoffen. Ein maßgeblicher Beitrag zum Klimaschutz ist daher das
Bauen mit Holz - denn der Kohlenstoff bleibt dauerhaft gebunden. In
einem modernen Einfamilienhaus in Niedrigenergiebauweise stecken etwa
44 Tonnen Holz. Dieses speichert 22 Tonnen Kohlenstoff und entlastet
damit die Atmosphäre um 80 Tonnen CO2. Das ist das 7fache der
österreichischen Pro-Kopf-Emission pro Jahr. Die Vorteile von Holz
gegenüber Ziegel und Beton im Wohnbau macht folgender Vergleich
besonders deutlich: In Österreich werden jährlich 40.000 bis 50.000
neue Wohnungen bewilligt. Die Hälfte davon sind Ein- und
Zweifamilienhäuser mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 123
m2, die anderen 50 Prozent sind Häuser mit drei und mehr Wohnungen
mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 70 m2. Baut man diese
Häuser aus Holz, können langfristig 1,4 Millionen Tonnen CO2
gespeichert werden. Im Vergleich dazu kann beim Bau dieser
Wohnobjekte mit Ziegel und Beton nur ein Zehntel dieser CO2-Menge
gebunden werden. Bei ihrer Errichtung mit Baustoffen auf
mineralischer Basis werden darüber hinaus bis zu 1,5 Millionen Tonnen
CO2 aus fossilen Energieträgern emittiert - das ist doppelt soviel
wie bei der Verwendung von Holzbaustoffen. Zudem können fossile
Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle durch die Verwendung der
CO2-neutralen Biomasse für die Erzeugung von Wärme und Strom ersetzt
werden.
Klimapolitik muss langfristige Waldbewirtschaftungskonzepte fördern
"Jeder einzelne kann durch sein Verhalten einen wesentlichen
Beitrag zum Klimaschutz leisten", betont Montecuccoli. "Doch die
Politik trägt hier eine besondere Verantwortung." Sie muss daher gute
Rahmenbedingungen für die verstärkte Verwendung von Holz und dem
Einsatz biogener Treibstoffe schaffen:
Bei der Errichtung und Sanierung öffentlicher Gebäude müssen die
Ausschreibungskriterien auf Energieeinsparung fokussieren. Auch die
Energiebilanz der verwendeten Baustoffe soll dabei berücksichtigt
werden. Nachwachsende Rohstoffe und Baumaterialien wie Holz aus
nachhaltiger Waldbewirtschaftung müssen vermehrt zum Einsatz kommen.
Mehr genetische Informationen werden in Zukunft notwendig sein, um
jene Baumarten zu finden, die mit höheren Temperaturen umgehen
können. Dazu muss wissenschaftlich ein genetisches
Vermehrungsprogramm erarbeitet werden. Für seine Umsetzung müssen
finanzielle Mittel aus dem geplanten Klima- und Energiefonds
bereitgestellt werden. Benötigt wird ein Langzeit-Forschungsprogramm
von 10-15 Jahren, das die "Genetik für Wälder der Zukunft"
untersucht. Hauptaugenmerk sollte dabei auf den Baumarten Fichte,
Lärche und Buche liegen.
Um die technische Entwicklung von Motoren für biogene Treibstoffe
voranzutreiben, sollten Bund, Länder und Gemeinden Impulse setzen:
Ausschreibungen für öffentliche Transportflotten - wie Autos, Lkw,
Schiffe, Bahn - müssen von den Herstellern den Betrieb mit biogenen
Treibstoffen fordern. Eine solche Österreich-Initiative sollte man
gleichzeitig auf EU-Ebene ausdehnen.
"Die Politik muss die Rahmenbedingungen für Klimaschutz und
Energieversorgung auf einander abstimmen", fordert Montecuccoli.
"Dazu muss sie eine gute Balance zwischen Verfügbarkeit,
Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit schaffen."
Rückfragehinweis:
Land&Forst Betriebe Österreich
Kristin Dawes, Presse und Kommunikation,
Tel. 01/533 02 27-17
e-mail: [email protected]
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