- 12.04.2007, 17:08:04
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 13. 4. 2007: Flughäfen als begehrte Handelsware - von Arne Johannsen
Nur sind die Airports nicht die Gewinner, sondern die Verlierer
Wien (OTS) - Meinl Airports stockt die Zahl der auszugebenden
Aktien kräftig auf und will beim aktuellen Börsegang statt 500 gleich
700 Millionen Euro einsammeln. Der Flughafen Wien hat heuer im März
fast 13 Prozent mehr Passagiere abgefertigt als im März des
Vorjahres. Auch osteuropäische Flughäfen wie Moskau und Prag
erreichen zweistellige Zuwachsraten. Es ist nicht zu übersehen: Eine
Branche, die jahrelang nur als biederer Passagier-Abfertiger und
Handlanger der Airlines gesehen wurde, hebt jetzt selber ab.
Als "Oasen des wirtschaftlichen Wachstums" und "Marktplätze des 21.
Jahrhunderts" haben Berater von A. T. Kearney die Flughäfen in einer
Studie bezeichnet. Das sehen mittlerweile auch die Betroffenen so,
sonst hätte sich der Flughafen Wien nicht um eine Betreiberkonzession
für den türkischen Urlauber-Airport Antalya bemüht.
Dass die Österreicher nicht zum Ziel gekommen sind, mag auch am
eigenen ungeschickten Vorgehen liegen. Eine Überraschung ist es
nicht. Es zeigt deutlich ein Dilemma der Branche: Die Airports sind
nicht nur die grossen Gewinner der Globalisierung, sie sind auch
deren Opfer.
Denn schon haben grosse Player das Potenzial erkannt. Und das sind
nicht nur Flughafenbetreiber wie die deutsche Fraport, sondern auch
branchenfremde Finanzinvestoren wie der spanische Baukonzern
Ferrovial, der für knapp 15 Milliarden Euro die British Airport
Authority geschluckt hat, den grössten Flughafenbetreiber der Welt.
Wie so oft, wenn es um Globalisierung geht, werden am Ende weltweit
agierende Riesen und gut aufgestellte Nischen-Player übrigbleiben.
Wiens Airport-Manager kämpfen gerade um ihre Positionierung im
zweiten Segment. Beteiligungen in Kosice, auf Malta und in
Friedrichshafen sind bereits geglückt. Das ist nicht wenig, aber
offenbart beim Blick auf die Landkarte doch das nächste Problem: Das
Beteiligungs-Portfolio streut, als wäre es mithilfe einer
Schrotflinte entstanden. Das Dilemma der internationalen Expansion:
Flughäfen befinden sich weitgehend in staatlichem Besitz. Zwar
brauchen viele Länder dringend Privatisierungserlöse, wollen aber
wirtschaftlich wichtige Infrastruktur-Assets nicht völlig aus der
Hand geben. Das Hin und Her um Bratislava ist ein anschauliches
Beispiel dafür.
So stehen der Flughafen Wien, aber auch Meinls Airport-Aufkäufer, vor
einem ziemlichen Problem: Im Flughafen-Business kann man nicht
kaufen, was passt, sondern nur das, was gerade angeboten wird.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
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