- 06.04.2007, 18:08:06
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar
Ein Bericht vom Klima
Wien (OTS) - Vom Weltklimabericht können Lobbying-Agenturen,
Politiker und auch die UNO selbst noch viel lernen: Genau so erzielt
man optimale Aufmerksamkeit, will man einen Bericht aus all den
Tausenden anderen hervorheben, die alljährlich über den Zustand der
Welt produziert werden. Die Verantwortlichen veröffentlichten den
Bericht präzise zum nachrichtenarmen Oster-Wochenende; sie ließen
schon Tage vorher dramatische Details durchsickern, welche die
Angstlust der Medien bedienen; noch in letzter Minute sorgte eine
Kontroverse für Spannung, ob es den Bericht überhaupt geben wird; und
es fanden sich auch die dramaturgisch nötigen Bösewichte, vor allem
die USA und China.
Was ist, davon abgesehen, vom Klimabericht zu halten? Nun, er
macht etwa klar, dass es auch Profiteure des Klimawandels gibt. Das
wird den Opfermut des begünstigten Nordens nicht sonderlich erhöhen,
zumal die Opferbereitschaft zur Abwehr entfernter Probleme ohnedies
generell immer gering ist. Man denke nur an die Entwicklungshilfe, an
Österreichs Wasser-Egoismus oder daran, dass für Russland und China
die Geschäfte mit Iran wichtiger sind als die Sorge ob dessen
Atomwaffen, obwohl deren Gefährlichkeit offenkundig ist.
Zweitens besteht nun weitgehend Einigkeit, dass es auf jeden Fall
eine globale Erwärmung gibt, selbst wenn ab sofort kein CO2 mehr
emittiert würde (was freilich nicht einmal eine totalitäre
Weltdiktatur durchsetzen könnte). Das heißt: Wir müssen jedenfalls
mit einem geänderten Klima fertig werden. Das heißt: Viele
Katastrophen sind unvermeidlich. Und teuer. Daher verliert auch die
Frage an Bedeutung, wie viel Prozent der Veränderung von Menschen
verursacht ist, etwa durch Bevölkerungsexplosion (siehe Seite 12) und
Verkehr, und wie viel natürliche Temperaturschwankungen sind, wie es
sie immer gab, etwa als Grönland (=Grünland!) eisfrei war, oder als
umgekehrt Österreich großteils von Gletschern bedeckt war.
Drittens aber: Ölsparen ist in jedem Fall nötig und klug - auch um
die Bereicherung der ölexportierenden Länder einzubremsen. Denn diese
investieren das Geld nicht sinnvoll, viele finanzieren damit
gefährliche Diktaturen oder sponsern den Terrorismus: Wie Russland
und Venezuela, wie Iran und Saudiarabien.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
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