Klimafolgenforschung soll Auswirkungen des Klimawandels auf die Alpen feststellen

Lebensministerium beteiligt sich am strategischen Klimaforschungsprojekt ClimChAlp

Wien (OTS) - "Um die Folgen des Klimawandels richtig einschätzen
zu können, beteiligt sich die Wildbach- und Lawinenverbauung des Lebensministeriums seit März 2006 an dem Projekt ClimChAlp, einem strategischen und zukunftsweisenden Klimaforschungsprojekt im Rahmen des EU-Programms INTERREG. Obwohl der Wissensstand über die Auswirkungen des Klimawandels auf Naturgefahren noch sehr gering ist, muss mit Auswirkungen auf die Intensität, die Auftretenswahrscheinlichkeit und die Verteilung von meteorologischen Extremenereignissen durch die globale Klimaerwärmung gerechnet werden", so Gerhard Mannsberger, Leiter der Sektion Forstwesen im Lebensministeriums, heute im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des dritten Partnermeetings des Projektes ClimChAlp in Wien.

Die weltweite Klimaerwärmung betrug im 20. Jahrhundert durchschnittlich 0,6 Grad Celsius, in Österreich sogar 1,8 Grad Celsius. Für die Zukunft erwarten wir, dass die Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre bis zum Jahr 2100 um weitere 1,4 bis schlimmstenfalls 5,8 Grad zunehmen wird. Als wesentlicher Faktor für den Temperaturanstieg wird die Emission von Treibhausgasen gesehen. "Die alpine Umwelt wäre durch eine globale Klimaänderung besonders betroffen, die Zahl der Tage mit geschlossener Schneedecke würde sinken. Der Rückgang der Gletscher und der Anstieg der Permafrostgrenze führen zu einer Destabilisierung von Fels- und Schuttmassen und könnten eine Erhöhung der Massenbewegung bewirken", bestätigt Herbert Formayer, Klimaforscher an der Universität für Bodenkultur, die Klimaerwärmung und seine voraussichtlichen Folgen auf Naturkatastrophen.

Neben der vordringlichen Notwendigkeit der Reduktion der den natürlichen Treibhauseffekt verstärkenden Gase sind auch Strategien gefordert, welche die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf ein sozial-und volkswirtschaftlich verträgliches Ausmaß reduzieren. Mit einem Budget von 3,5 Millionen Euro hat das länder- und bereichsübergreifende EU Projekt ClimChAlp - Climate Change in Alpine Areas - das Ziel, eine gemeinsame Vision und eine gemeinsame Herangehensweise der Alpenländer an die Herausforderungen des Klimawandels zu entwickeln und konkrete Empfehlungen zu formulieren. Bisher wurde der Alpenraum nur sektoral betrachtet, eine Untersuchung, die den Alpenraum als Einheit betrachtet, steht in Zusammenhang mit der Klimaänderung noch aus. Bis 2008 sollen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte, wie etwa die Evaluierung von verfügbaren regionalen Klimamodellen oder die verbesserte Reaktion auf Naturgewalten durch frühzeitige Kenntnis von Hanginstabilitäten, umgesetzt werden. Im Rahmen des Projektes soll weiters durch eine tief greifende Analyse aller Auswirkungen der Klimaänderung auf den alpinen Raum Instrumente geschaffen werden, die alpenweit ein flexibleres Handeln auf die Folgen der Klimaerwärmung ermöglichen.

Konkret beteiligt sich Österreich mit rund 230.000 Euro an vier von neun Arbeitspaketen. Dazu zählen unter anderem die Workpackages "Klimaänderung und zusammenhängende Naturgefahren", "Monitoring, Prävention und Management spezifischer Auswirkungen der Klimaänderung auf die Natur" sowie "Flexible Systeme zur Anpassung an den Klimawandel".

"Ziel ist es, die große Lücke, die bezüglich des Wissens über die Zusammenhänge in der Natur, der Wirtschaft und im sozialen Bereich mit dem komplexen Phänomen Klimawandel besteht, zu schließen", weiß Florian Rudolf-Miklau von der Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung. "Die Entwicklung einer neuen Risikokultur in Österreich integriert allerdings auch das Wissen, dass dem Schutz vor Naturgefahren technische und wirtschaftliche Grenzen gesetzt sind", so Mannsberger abschließend.

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