- 27.03.2007, 20:42:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die gerechte Strafe oder der Schuss ins Knie?" (Von Claudia Gigler)
Ausgabe vom 28.03.2007
Graz (OTS) - Endlich richtig gehandelt, so jubeln manche
angesichts der drakonischen Strafen der Bundesliga für die beiden
Erstligisten SK Sturm und GAK. Gut gemeint war die Aktion
möglicherweise. Dass sie auch richtig war, ist damit nicht gesagt.
Die Bundesliga ist ein privater Verband, der sich selbst Regeln gibt,
zu deren Einhaltung sich die Mitglieder verpflichten. Um allen die
Sicherheit zu geben, dass die Meisterschaft bis zum Ende
durchgespielt wird, ohne dass ein Verein vor der Zeit abhanden kommt
und damit die Ergebnisse verzerrt, werden Unterlagen eingefordert,
die die wirtschaftliche Basis der Vereine bestätigen.
Faktum ist, dass die Verbandsführung von ihren Mitgliedern nach
Strich und Faden gepflanzt wurde in den letzten Jahren. "Außen hui,
innen pfui", lautete die Devise. Man machte sich schöner als man ist
und vertraute darauf, dass man sich schon hinwegschwindeln könne über
die eigenen Schwächen im Laufe der Saison.
Im Falle von Sturm und GAK erwies sich die Hoffnung als trügerisch,
dennoch schüttete die Bundesliga mit ihrem Urteil das Kind mit dem
Bade aus:
Innerhalb des Verbandes ist nichts gewonnen. Die
Wettbewerbsverzerrung, die sie vermeiden will, führte die Liga mit
ihrem Urteil geradezu herbei. Viele der restlichen Spiele der Saison
sind sportlich und wirtschaftlich wertlos geworden. Um die Spieler,
die auf den Markt geworfen werden, wird ein - für manch anderen
vielleicht erst recht wieder ruinöser - Wettkampf entbrennen.
Die Entschuldung via Zwangsausgleich ist ein legitimer Weg. Es gibt
Vereine, die vor den Steirern diesen Weg gegangen sind, und es gibt
welche, die folgen werden. Die Liga schwingt sich zum Richter auf und
zwingt den Patienten vom Operationstisch in den Tod.
Im Außenverhältnis ist die Wirkung noch fataler. Durch eine
mutwillige Veränderung der Spielregeln während des laufenden Spiels
fügt die Liga Dritten, den Gläubigern nämlich, massiven Schaden zu.
Die Funktionäre des österreichischen Profi-Fußballs waren zu feige,
den geraden Weg zu gehen. Im Dachverband nahmen sie Ihresgleichen
nicht in die Pflicht. In den Vereinen verschanzten sie sich hinter
Vertraulichkeitsbestimmungen.
Die Versäumnisse zu erkennen und Besserung zu geloben ist eine Sache,
sich für die eigenen Versäumnisse an Dritten schadlos zu halten, eine
andere.
Just dieser Weg könnte sich als Schuss ins Knie erweisen: Hebt das
Gericht den Punkteabzug auf, hätte man das Heft des Handelns
abgegeben und wäre endgültig an sich selbst gescheitert. ****
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