- 27.03.2007, 10:54:15
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Produktpiraterie: Zoll verstärkt Kampf gegen Markenimitate KonsumentInnen wissen oft nicht, dass sie gefälschte Waren kaufen
Wien (PK) - Produktpiraterie, die Fälschung von Markenartikeln und
der Handel mit den Imitaten, wird für seriös produzierende
Unternehmen, deren Arbeitnehmer und für die Konsumenten weltweit zu
einem immer größeren Problem. Firmen werden von skrupellosen
Geschäftemachern um Umsätze betrogen, die sie brauchen, um die
wachsenden Kosten für die Entwicklung neuer Produkte zu
erwirtschaften. Die Arbeitnehmer der betroffenen Firmen bangen um
ihre Jobs und die Hersteller- und Verbraucherländer erleiden
erhebliche Verluste an Steuern und Sozialabgaben. Gefälscht werden
mittlerweile nicht nur Luxuswaren wie Markenmode, Uhren, Schmuck und
Elektrogeräte, sondern auch Kinderspielzeug, Sportartikel, Software,
Handys, Musik, Filme, Autos und Ersatzteile, Lebensmittel, Getränke,
Maschinen, Fabrikanlagen, Flugzeugteile und Medikamente. Die starke
Zunahme bei den Arzneimittelfälschungen bereitet den Experten große
Sorgen. In Österreich und in Europa ist vorderhand Viagra noch das am
meisten gefälschte Medikament. Die Pharmaindustrie ist aber auch
schon auf das Imitat eines Herz-Medikaments gestoßen: Die Tablette
bestand aus gemahlenem Ziegelstaub und gelber Bodenmarkierungsfarbe,
war mit Möbelpolitur überzogen und glich dem Original äußerlich wie
ein Ei dem anderen. Diese und andere besorgniserregende Nachrichten,
aber auch Informationen über den verstärkten Kampf der
österreichischen Zöllner im Kampf gegen die internationale
Markenfälscher-Kriminalität enthält der Produktpirateriebericht 2006
(III-40 d.B.), den Finanzminister Molterer kürzlich vorgelegt hat.
Der Kampf gegen die Produktpiraterie wird härter
Immer perfektere Imitate, der Handel über das Internet und die
Verschleierung des Ursprungslands durch Umleitung und Zwischenlager
in Ländern, die von den Behörden als "risikoarm" eingeschätzt werden,
machen die Jagd der Zöllner auf Produktpiraten immer schwieriger. Die
Europäische Union hat in einem Aktionsplan (2005 bis 2008)
Zollaktionen in den wichtigsten Häfen und Flughäfen vorgesehen. So
konnten kürzlich mehr als 90 Seecontainer mit Warenimitaten
sichergestellt werden. Führende EU-Zollexperten kooperieren mit
Wirtschaftsvertretern und Sachverständigen aus Drittländern. Weiters
geplant sind ein gemeinschaftliches Risikomanagement, eine
Intensivierung der Kontrollen und die verstärkte Zusammenarbeit mit
China und den USA.
"Die Österreichische Zollverwaltung als Partner der Wirtschaft im
Kampf gegen Produktpiraterie" lautete das Motto eines
Produktpiraterie-Praxisseminars, das 2006 im Rechtsschutz-
Kompetenzzentrum des Zolls in Villach stattfand. Dort vereinbarten
Zöllner mit Vertretern der Wirtschaft eine intensivere
Zusammenarbeit, was prompt zu Fahndungserfolgen im Kampf gegen die
Produktpiraterie führte.
Die österreichischen Zollfahnder entdeckten 2006 in 679 Sendungen
137.713 gefälschte Artikel, die - würde es sich um Originalwaren
handeln - einen Wert von 10.362.073 € darstellten. Am häufigsten
wurde Bekleidung und Bekleidungszubehör gefälscht. 45.512 gefälschte
Handyteile und zunehmend auch zur Gänze gefälschte Handys lassen die
Zollfahnder von einem "Fälschungs-Boom" auf dem Handymarkt sprechen.
Gliedert man die 2006 aufgedeckten Produktfälschungen nach
Warengruppen und Wert, liegen Uhren und Schmuck mit 5.460.755 € an
der Spitze, gefolgt von Computern mit 1.509.570 €, Bekleidung mit
1.142.600 € und Sportbekleidung mit 861.235 €. Es folgen
Bekleidungszubehör (739.235 €), Medikamente (352.970 €) sowie
Apparate und Werkzeug (41.610 €).
Bei den Ursprungsländern liegt China sowohl bei der Anzahl der
Aufgriffe (23,35 %) als auch bei der Anzahl der gefälschten Produkte
(35,73 %) mit Abstand an erster Stelle. Insgesamt stammen mehr als 75
% der in Österreich entdeckten Warenimitate aus dem ost- und
südostasiatischen Raum. (Schluss)
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