WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23.3.2007: Experten sollten nicht Politik machen wollen - von Peter Muzik

Fachleute dürfen keine Instrumente von Parteien sein

Wien (OTS) - Wenn gleich 300 Experten wie gestern passiert
sozusagen die kleine österreichische Welt retten möchten, ist automatisch grösste Vorsicht geboten. Am Donnerstag hat eine nicht näher definierte Kompanie an Fachleuten unter der Führung des SP-nahen Wifo-Referenten Markus Marterbauer bei einer Pressekonferenz zum Themenkomplex Erbschafts- und Vermögenssteuer Stellung bezogen. Was dabei nur rauskommen kann, wenn die parteipolitische Räson zu einem beinahe klassenkämpferischen Auftritt verleitet, ist unschwer zu erraten:Den linken Wirtschaftsforschern und -theoretikern rutschten Statements raus, über die man lange diskutieren müsste, beispielsweise: Die Vererbung von Vermögen steht mit dem Selbstverständnis einer Leistungsgesellschaft im Widerspruch. Oder:
Ererbtes Vermögen wurde nicht durch eigene Leistung erwirtschaftet. Kurzum wurde Österreich darf ja um Himmels nicht eine Steueroase für Wohlhabende (Copyright:Marterbauer)sein die Beibehaltung der Erbschaftssteuer und eine Anhebung der Vermögenssteuern gefordert. In Summe war’s eine Watschen für die Volkspartei.
Wir halten fest:Prinzipiell ist überhaupt nichts gegen grundlegende Diskussionen über soziale Gerechtigkeit einzuwenden. Es ist beispielsweise evident, dass die Lohnquote in den vergangenen dreissig Jahren sukzessive gesunken ist, während sich der Anteil der Gewinne am Gesamteinkommen kontinuierlich erhöht hat: Während Österreichs Arbeitnehmer 1976 noch 80 Prozent vom Kuchen erhalten haben, müssen sie sich derzeit mit nur noch rund 66 Prozent begnügen Tendenz sinkend. Die Gewinnquote dagegen erhöhte sich im selben Zeitraum von 20 auf 34 Prozent Tendenz steigend.
Solche Entwicklungen, die laut Marterbauer zu einer Schieflage zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen führen, sind durchaus Thema für parteipolitische Diskussionen. Nur:Das klassische Rollenspiel sollte dabei nicht pervertiert werden. So wie die meisten Politiker bekanntlich auch wenn das bisweilen ziemlich schmerzt alles andere als Fachleute sind, dürfen sich diese wiederum, unabhängig von ideologischen Präferenzen, niemals anmassen, selbst Politik (mit)gestalten zu wollen.
Unsere Experten, Forscher wie Professoren aller Art, haben sich letztlich damit zu begnügen, relevante Fakten zu liefern sollten sich aber nicht als politische Akteure betätigen. Und sich auch keineswegs von einer Partei instrumentalisieren lassen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder /280
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001