- 22.03.2007, 17:25:14
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23.3.2007: Experten sollten nicht Politik machen wollen - von Peter Muzik
Fachleute dürfen keine Instrumente von Parteien sein
Wien (OTS) - Wenn gleich 300 Experten wie gestern passiert
sozusagen die kleine österreichische Welt retten möchten, ist
automatisch grösste Vorsicht geboten. Am Donnerstag hat eine nicht
näher definierte Kompanie an Fachleuten unter der Führung des
SP-nahen Wifo-Referenten Markus Marterbauer bei einer Pressekonferenz
zum Themenkomplex Erbschafts- und Vermögenssteuer Stellung bezogen.
Was dabei nur rauskommen kann, wenn die parteipolitische Räson zu
einem beinahe klassenkämpferischen Auftritt verleitet, ist unschwer
zu erraten:Den linken Wirtschaftsforschern und -theoretikern
rutschten Statements raus, über die man lange diskutieren müsste,
beispielsweise: Die Vererbung von Vermögen steht mit dem
Selbstverständnis einer Leistungsgesellschaft im Widerspruch. Oder:
Ererbtes Vermögen wurde nicht durch eigene Leistung erwirtschaftet.
Kurzum wurde Österreich darf ja um Himmels nicht eine Steueroase für
Wohlhabende (Copyright:Marterbauer)sein die Beibehaltung der
Erbschaftssteuer und eine Anhebung der Vermögenssteuern gefordert. In
Summe war’s eine Watschen für die Volkspartei.
Wir halten fest:Prinzipiell ist überhaupt nichts gegen grundlegende
Diskussionen über soziale Gerechtigkeit einzuwenden. Es ist
beispielsweise evident, dass die Lohnquote in den vergangenen
dreissig Jahren sukzessive gesunken ist, während sich der Anteil der
Gewinne am Gesamteinkommen kontinuierlich erhöht hat: Während
Österreichs Arbeitnehmer 1976 noch 80 Prozent vom Kuchen erhalten
haben, müssen sie sich derzeit mit nur noch rund 66 Prozent begnügen
Tendenz sinkend. Die Gewinnquote dagegen erhöhte sich im selben
Zeitraum von 20 auf 34 Prozent Tendenz steigend.
Solche Entwicklungen, die laut Marterbauer zu einer Schieflage
zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen führen, sind durchaus Thema
für parteipolitische Diskussionen. Nur:Das klassische Rollenspiel
sollte dabei nicht pervertiert werden. So wie die meisten Politiker
bekanntlich auch wenn das bisweilen ziemlich schmerzt alles andere
als Fachleute sind, dürfen sich diese wiederum, unabhängig von
ideologischen Präferenzen, niemals anmassen, selbst Politik
(mit)gestalten zu wollen.
Unsere Experten, Forscher wie Professoren aller Art, haben sich
letztlich damit zu begnügen, relevante Fakten zu liefern sollten
sich aber nicht als politische Akteure betätigen. Und sich auch
keineswegs von einer Partei instrumentalisieren lassen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder /280
http://www.wirtschaftsblatt.at
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