• 20.03.2007, 18:52:27
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"Oberösterreichische Nachrichten"-Kommentar: "Böhler wird kein Einzelfall bleiben (von Hermann Neumüller)

Ausgabe vom 21.3.2007

Linz (OTS) - Ausgerechnet Claus Raidl musste es erwischen. Er war
der wortgewaltige Befürworter der Privatisierungspolitik in
Österreich und Einflüsterer des Ex-Kanzlers Wolfgang Schüssel in
dieser Angelegenheit.
Jetzt passiert mit seinem Unternehmen genau das, was Gegner der
Vollprivatisierung immer befürchteten. Der britische Finanzinvestor
CVC wird Böhler-Uddeholm übernehmen. Freilich nicht feindlich, wie
alle Beteiligten sagen. Und vielleicht verschwindet ja auch der
Edelstahlkonzern nicht vom Kurszettel der Wiener Börse, wie es etwa
bei der Bank Austria Creditanstalt der Fall ist.
Die Entwicklung bei Böhler-Uddeholm hätte vor einem Jahr noch heftige
Wieder-Verstaatlichungsdebatten ausgelöst. Dank Bawag und Cerberus
bleibt uns das jetzt erspart. Aber eine sachliche Debatte über Sinn
und Unsinn von österreichischen Kernaktionären ist schon angebracht.
Im Top-Management von CVC sitzt mit Christian Wildmoser ein
Oberösterreicher. Mit Helmuth Hamminger findet man auf der
CVC-Homepage noch einen österreichischen Namen. Das Know-how, in der
obersten Liga der Firmenkäufer mitzuspielen, ist in Österreich
offenbar vorhanden.
Fehlt also nur das Geld? Auch das wäre da. Allein die
österreichischen Investmentfonds verwalten ein Vermögen von 167
Milliarden Euro, nur ein Bruchteil davon steckt in österreichischen
Aktien oder anderen Firmenbeteiligungen. Jetzt wird wieder heftig
diskutiert, ob und wie man einen österreichischen Fonds schaffen
könnte, der genau das tut, was CVC, Cerberus & Co vormachen.
Man kann das aber nicht von oben verordnen. Dazu braucht es mutige
Investoren, die genug Geld zur Verfügung stellen und eine Kultur, die
solche Transaktionen auch zulässt. Solange bei jedem Firmenkauf die
Heuschrecken-Debatte einsetzt, wird es so schnell keine
österreichische CVC geben. Dabei könnten wir die gerade in
Oberösterreich bald brauchen. Die Verkaufsgerüchte um die Lenzing AG
wollen nicht verstummen.

Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401 od. 434

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