• 20.03.2007, 18:06:45
  • /
  • OTS0293 OTW0293

Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Kauft Kriegsanleihen!

Wien (OTS) - Wieder einmal geistert das Schreckenswort vom
Ausverkauf durch Österreich. Ein ausländischer Fonds wird
möglicherweise dominierender Eigentümer von Böhler-Uddeholm, einem
der zuletzt erfolgreichsten Industriekonzerne Österreichs. Und schon
reiten die üblichen Verdächtigen mit Hannes Androsch an der Spitze
heran, um Böhler zu retten.

Man kann aber sicher sein: Androsch & Co werden gar nichts
"retten". Denn erstens hat Androsch bei all seinen Rettungsaktionen
der Vergangenheit selbst noch nie viel Geld riskiert, sondern nur die
Schlagzeilen gesucht. Und zweitens wird auch sonst kaum jemand sein
Geld in den diskutierten Österreich-Fonds tragen: Dessen Hauptzweck
wäre es ja, an keinen Ausländer verkauft zu werden; folglich sind
mehr als 90 Prozent der potenziellen Käufer ausgeschlossen; folglich
sind die Anteile an einem solchen Fonds praktisch unverkäuflich;
folglich kann ein Österreich-Fonds nie eine spürbare Wertsteigerung
erzielen (da ja der Kurs einer Aktie von der Nachfrage bestimmt
wird). Die meisten Anleger sind aber seltsamerweise an
Wertsteigerungen interessiert und nicht am patriotischen Kauf von
(Wirtschafts-)Kriegsanleihen.
Zugleich ist der eventuelle Verkauf des Böhler-Anteils an einen
Finanz-Fonds keine Katastrophe. Böhler wird es auch weiterhin gut
gehen. Der Firma ist es nur damals schlecht gegangen, als sie ganz
der Republik gehört hat. Böhler wird auch im Lande bleiben, solange
Österreich ein guter Standort ist: Wenn es also eine gute
Infrastruktur bietet (Straße, Bahn, Telekom usw.); wenn die Steuern
günstig sind (wenn es also weiterhin die von der SPÖ bekämpfte
Gruppenbesteuerung und niedrige Körperschaftssteuersätze gibt); wenn
die Gerichte rasch, nachvollziehbar und objektiv entscheiden; wenn es
gute Medien, Anwälte, Steuerexperten, Forscher, Unis, Schulen,
Berater und Werbeagenturen sowie wenig Bürokratie und Kriminalität
gibt.

Vor allem dürfen wir nicht vergessen: Österreicher haben in den
letzten Jahren oft mehr Firmen im Ausland gekauft als Ausländer in
Österreich. Da passt die jetzige Hysterie gar nicht gut dazu.
Und jedenfalls ist es besser, dass sich Ausländer für Böhler
interessieren, weil das Unternehmen gut dasteht, als dass sehr große
Banken per Notverkauf ans Ausland gehen, weil sie gar nicht gut
dastehen.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel