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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wo gefoltert wird, sind alle Geständnisse fragwürdig" (von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 16.03.2007
Graz (OTS) - Khalid Sheikh Mohammed, einst Nummer drei des
Terrornetzwerkes Al Kaida, hat vier Jahre nach seiner Verhaftung ein
umfassendes Geständnis abgelegt: Er sei es gewesen, der den Terror
vom 11. September 2001 organisiert habe, ebenso die verheerenden
Anschläge von Bali, in Kenia 2002 und etliche Terrortaten mehr. Und
er habe geplant, den Papst und Bill Clinton zu ermorden und Big Ben
in London zu sprengen.
Stimmen all diese Geständnisse des 41-jährigen Pakistani, ist er
tatsächlich einer der schlimmsten Terroristen der Geschichte. Dann
klebt nicht nur unendlich viel unschuldiges Blut an seinen Händen.
Dann war er vor allem einer jener, die durch ihre Untaten eine
verheerende Kettenreaktion ausgelöst und die Welt vom Kalten Krieg in
einen wohl noch viel gefährlicheren heißen Kleinkrieg gestürzt haben,
der bereits zehntausende Tote forderte.
Denn rekapitulieren wir: Erst dieser Amerika traumatisierende
Anschlag vom 11. 9. 2001 hat den bis dahin außenpolitisch eher
inaktiven George W. Bush dazu getrieben, weltpolitisches
Sendungsbewusstsein zu entwickeln. Er schickte seine Soldaten nach
Afghanistan, um Al-Kaida-Boss Osama bin Laden zu fassen. Dann hat er
sein Land - und in Folge nahezu alle Staaten der demokratischen Welt
- in seiner Terrorpanik etlicher Bürgerrechte beraubt. Und er hat in
seinen Feldzug gegen das Terrornetzwerk fälschlicherweise auch den
Irak miteinbezogen und damit den gesamten Mittleren und Nahen Osten
destabilisiert.
Der islamistische Terror wird seit dem 11. 9. 2001 als globale
Bedrohung empfunden. Tatsächlich ist er seither allgegenwärtig. Und
aus dieser permanenten Bedrohung erwuchs ein noch nie dagewesenes
Sicherheitsbedürfnis, für jedermann spürbar - selbst auf einem
Urlaubsflug nach Mallorca.
Erst in diesem Klima tatsächlicher oder fiktiver Bedrohung konnte das
Gefangenenlager von Guantanamo entstehen. Jenes Lager, in dem
tatsächliche oder mutmaßliche Terroristen jenseits aller
Rechtsstaatlichkeit festgehalten werden.
Sheikh Mohammed hat in diesem Lager gestanden. Dass er ein
Verbrecher, ein Terrorist, ein Fanatiker ist, der über Leichen geht,
darüber bestehen wohl keine Zweifel. Aber fraglich ist, ob er
tatsächlich all das zu verantworten hat, was er jetzt zugegeben haben
soll, oder ob er bloß so lange gefoltert wurde, bis er sagte, was man
von ihm hören wollte.
Diesen Verdacht müssten George W. Bush und Co. entkräften. Aber dass
ihnen dies gelingt, darf bezweifelt werden.
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