• 11.03.2007, 20:56:23
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kinder sind keine Glaubensfrage - oder sind sie es vielleicht doch?" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 12.03.2007

Graz (OTS) - Wenn sich die katholischen Bischöfe heute zu ihrer
Frühjahrskonferenz treffen, werden sie, wie üblich, eine lange
Tagesordnung zu erledigen haben. Zweifellos ist alles davon wichtig.
Vieles aber ist nur von innerkirchlicher Bedeutung. Was die Bischöfe
aber zu den Themen Familienförderung und Kinderbetreuung zu sagen
haben, wird Aufmerksamkeit finden.

Kinderbetreuung ist keine Glaubensfrage, hat kürzlich jemand
sarkastisch angemerkt. Die Kirche habe dazu also nichts zu sagen, war
damit wohl gemeint. Aber die Kirche hat zumindest eine Menge
Erfahrung und Sachverstand einzubringen. Kindergärten und andere
Erziehungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, seien es
Pfarren, Ordenshäuser oder die Caritas, genießen einen
ausgezeichneten Ruf.

Nicht wenige kirchliche Kindergärten führen auch Einrichtungen zur
Betreuung von Kindern unter drei Jahren, die im Mittelpunkt der
aktuellen Auseinandersetzung um die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf stehen. Und das wiederum ist angeblich der beste und einzige
Weg, dass wieder mehr Kinder geboren werden.

Allein die Kindergärten der Diözese Augsburg bieten 1300 solcher
Plätze an. Wir nehmen dieses Beispiel, weil ihr Bischof Walter Mixa
mit seiner unsäglichen Aussage, wer Kinder unter drei Jahren in
Kinderkrippen gebe, degradiere Frauen zu Gebärmaschinen, zu Recht
viel Kritik geerntet hat. Mit einem solchen Vokabular diskreditiert
er sein eigenes Anliegen und das der Kirche.

Was also könnte der Beitrag der Kirche zur Debatte sein? Sie darf
fragen, was denn "Vereinbarkeit" heißt und welchen Preis sie hat und
haben darf. Darüber, ob Fremdbetreuung unter drei Jahren
wünschenswert ist, sind sich ja auch Pädagogen nicht einig.

Wer Kinder hat, womöglich mehr als zwei, erfährt, wie tief sich seine
Lebensumstände damit verändern. Daran ändert auch das perfekteste
System von Krippen, Horten, Kindergärten nichts. Kinder zu haben
bedeutet auch Opferbereitschaft an Zeit, Verfolgung eigener
Interessen, Wohlstand, Vergnügen. Von den zusätzlichen Sorgen ganz zu
schweigen. Dass Selbstverwirklichung auch im Verzicht bestehen kann,
ist eine nicht leicht zu akzeptierende Lebenshaltung.

Das auf sich zu nehmen (und dafür viele Freuden geschenkt zu
bekommen) wird sicher durch vielerlei Umstände befördert oder auch
schwerer gemacht. Das Entscheidende aber ist eine Zuversicht zum
Leben. Das könnte man auch Glaubenszuversicht nennen. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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