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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Klimaschutz heißt: Wer mehr sündigt, soll auch mehr büßen" (von Johannes Kübeck)
Ausgabe vom 06.03.2007
Graz (OTS) - Die Welt sieht grün. Die Stichwortsuche in der
Austria Presseagentur ergab seit Jahresbeginn 423 Einträge mit dem
Wort Klimawandel. Im ganzen Jahr 2006 waren es weniger als 400. Mit
ihrer aktuellen Serie ist die Kleine Zeitung auf der Höhe der Zeit.
Selbst die Großkonzerne, die Unterhaltungsindustrie und der
US-Präsident leugnen nicht mehr die Gefahren der fortschreitenden
Erderwärmung durch Menschenhand. Durch alle Länder hallen die
Appelle, dass mit dem Klimawandel nicht zu spaßen ist. Veteranen der
Ökoszene sehen sich bestätigt, Vertreter der Industrielobby mutieren
zu Geläuterten und die Trittbrettfahrer der Politik schmücken sich
mit fremden Federn. Jetzt hat Umweltminister Josef Pröll zum Verzicht
auf Fernreisen gemahnt. Das lenkt auch von den Mängeln der eigenen
Klimapolitik ab.
Aufgerüttelt von den Ermahnungen zeigen die Menschen Wirkung.
Millionen üben sich in einer Art kollektiver Selbsterziehung. Wie
einst der Kalte Krieg oder der Erdölschock der siebziger Jahre wird
der Klimawandel zum Thema, das die Welt prägt und bewegt. Es ist die
Stunde der Prediger, die die Öffentlichkeit aufrütteln, und der
Gläubigen, die zunächst ungläubig lauschen und erst mit gehöriger
Verzögerung die Tragweite des Gehörten erfassen.
Doch die Aufrüttler müssen das Feld bald räumen, damit es mit mehr
als mit Worten bestellt werden kann. Wenn die Gefahr der Erderwärmung
von Menschenhand verursacht wurde, kann sie auch nur von dieser
bekämpft werden. Das verlangt kräftige Hände und nicht die
abgespreizten Finger der Vorreiter spielenden Eliten, die jetzt statt
in der Karibik in einem alpinen Luxushotel Urlaub machen und so ihr
Umweltgewissen beruhigen.
Denn es sind die Eliten, die sich an die Spitze der Bewegung
schwingen. Sie fahren Hybrid-Autos, heizen mit Pellets, bereiten das
Warmwasser mittels Solarzellen, lassen Energiesparlampen glimmen oder
strampeln per Rad.
Diese Umkehr, dieser Komfortverlust und dieselbe Verhaltensänderung
wird jetzt von uns allen abverlangt. Auch von denen, die
gezwungenermaßen schon bisher keine Energieverschwender waren, die
vor dem Hybrid-Auto keinen Benzin fressenden Geländewagen fuhren, die
auf dem Gemeindebau keinen Platz für Solaranlagen haben und für die
eine Energiesparlampe so viel ist wie eine Stunde Arbeit.
Vielleicht denken die Eliten: Verzicht ist geil, wenn er leicht
fällt. Aber es gibt auch eine andere Regel: Wer mehr gesündigt hat,
soll auch mehr büßen. ****
Rückfragehinweis:
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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