Industrie zu Klimaschutz: Industrie hat Hausaufgaben gemacht!

IV-Präsident Sorger: Sinnvoller Klimaschutz bewältigt Herausforderung des Klimawandels und schafft wirtschaftliche Chancen

Wien (OTS) - (PdI) "Die Industrie bekennt sich zum Klimaschutz und ist gerne Partner sinnvoller Klimaschutzstrategien. Für Illusionen, die Beschäftigung vernichten und das Klima schädigen, indem nicht umweltfreundlich in Österreich produziert wird, sondern anderswo ohne ökologische Auflagen, dafür steht die besonders umweltfreundliche österreichische Industrie nicht zur Verfügung!", erklärte der Präsident der Industriellenvereinigung, Dr. Veit Sorger, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit voestalpine Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Eder, dem Vorsitzenden des IV-Ausschusses für Umweltpolitik, Dr. Helmut Draxler, Lafarge-Perlmooser GD Dr. Peter Orisich und IV-GS Mag. Markus Beyrer heute, Freitag. "Die österreichische Industrie hat ihre klimapolitischen Hausaufgaben gemacht, wird aber jetzt mit illusionären Herausforderungen konfrontiert, die nicht zu meistern sind!"

Der Industrie-Präsident betonte vor allem die globale Herausforderung des Klimawandels, der bewältigt werden müsse. Während Europa die Triebhausgasemissionen verringere, explodierten diese in den USA oder in Schwellenländern wie China und Indien - schon zwischen 1990 und 2001 betrug der CO2-Zuwachs in China, während Europa seinen Ausstoß um 171 Mio. Tonnen verringert hat, im selben Zeitraum das achtfache dieser Einsparungsmenge. Es sei dabei falsch, wenn sich Österreich und Europa illusorische, weil unerreichbare Reduktions-Ziel setze, während der Rest der Welt sich darum nicht kümmere. Zudem kritisierte Sorger, dass Ziele für erneuerbare Energien ohne Potenzialanalyse festgeschrieben würden.

Die österreichische Industrie habe jedenfalls in den vergangenen 15 Jahren das Produktionswachstum vom Emissionswachstum entkoppelt! Zwischen 1990 und 2004 stieg die Industrieproduktion um 39,5%, die Triebhausgasemissionen der Industrie aber nur um 11,2%. "Grundsätzlich ist es so, dass - was die Energieintensität betrifft, Österreich - nach Dänemark - die Nummer 2 in Europa ist. Österreichs Wirtschaft ist somit Spitze in Sachen niedriger Energieverbrauch", so der IV-Präsident. Was in Österreich produziert wird, wird fast nirgendwo auf der Welt so umweltschonend, und energieeffizient produziert. "Je mehr also in Österreich und mit österreichischer Technologie produziert wird, desto besser für das Weltklima!"

Nur Forschung und Innovation werden Weltklima verbessern können

An konkreten Lösungsvorschlägen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen nannte der IV-Präsident eine Reihe von Beispielen:

  • Der geplante Energie- und Klimafonds der Bundesregierung muss primär in den Bereichen Forschung und Entwicklung eingesetzt werden.
  • Technologische Innovationen müssen für Energiespar-Zwecke eingesetzt werden. Die Möglichkeiten reichten vom Einbau von Stromsparchips in Unterhaltungselektronikgeräten (allein in Europa würden die Ersparnis in allen TV-Geräten drei Kohlekraftwerke obsolet machen), der Umrüstung auf Energiesparlampen bis zur Forcierung von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Darüber hinaus führte Sorger als Maßnahmen für den Klimaschutz an:

  • Die Einführung einer fahrleistungsabhängigen und verursachergerechten PKW Maut am hochrangigen Straßennetz bei gleichzeitiger Absenkung besitzbezogener Abgaben. Dies sei die erfolgversprechendste Maßnahme für mehr Kostenwahrheit im Personenverkehr und für Klimaschutz.
  • Die steuerliche Förderung von KWK-Anlagen, indem der erzeugte Strom von der Elektrizitätsabgabe befreit wird. Weiters ein Fördermodell zur Errichtung hocheffizienter KWK-Technologie in Gewerbe und Industrie (im Besonderen für Klein-KWKs).
  • Ein Sofortprogramm zur thermischen Gebäudesanierung. Dies mache eine Umschichtung von 50% der Mittel der Wohnbauförderung in Richtung Gebäudesanierung, mittelfristig 75%, notwendig. Die Effekte lägen bei rund 850.000 t CO2 Reduktion; 140 Mio. Euro Einsparung bei Energiekosten und naturgemäß positiven Beschäftigungseffekten.

Der IV-Präsident wollte seine Ausführungen dezidiert nicht als Kritik an Lebensminister Josef Pröll verstanden wissen - im Gegenteil: "Nur wenn deutliche Maßnahmen in Bereichen beschlossen werden, auf die der Umweltminister nicht unmittelbar zugreifen kann wie bei Verkehr und Wohnbauförderung ist eine Klimastrategie erfolgversprechend. Die gesamte Politik ist gefragt!"

Verwunderung herrscht bei der Industrie allerdings über die Zielvorgaben zur Treibhausgas-Reduktion, die sich die europäischen Umweltminister vergangene Woche in Brüssel gegeben haben. Die zusätzlichen -20 Prozent bedeuten für Österreich eine kumulierte Zielvorgabe bis zum Jahr 2020 von -43 Prozent. "Es muss uns allen klar sein, dass diese Zielsetzung von -43% von Österreich schon gar nicht mitgetragen werden kann, solange die Kriterien für das sogenannte "Burden Sharing" nach 2020 nicht festgelegt sind", betonte Sorger. Um sich die Zielvorgabe bildlich vorzustellen, führte Sorger Beispiele aus den verschieden Sektoren an: Im Bereich Verkehr müssten drei autofreie Tage pro Woche eingeführt werden, im Bereich Raumwärme entspräche das notwendige Einsparungsvolumen einer Temperaturabsenkung um rund 5GradC in allen Gebäuden, zusätzlich würde die Industrie bis zu 100.000 Arbeitsplätze verlieren.

"Sinnvoller Klimaschutz bewältigt die Herausforderung des Klimawandels und schafft wirtschaftliche Chancen, ohne die Fundamente unseres Wohlstandes zu gefährden", so der IV-Präsident abschließend.

Eder: voestalpine hat CO2-Emissionen seit 1990 um 20% reduziert

Der voestalpine-Konzern hat bereits Mitte der 1980er-Jahre mit aufwendigen und umfassenden Maßnahmen zur Emissionsreduktion an seinen Stahlproduktions-standorten Linz und Donawitz begonnen. Allein seit dieser Zeit wurden hier rund 600 Mio. Euro in Umweltanlagen investiert, die laufenden Betriebskosten dafür summieren sich seit 1990 auf 1,7 Mrd. Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr entsprach dies einer Größenordnung von 50 Mio. Euro an Investitionen und 170 Mio. Euro an Betriebskosten.

Die Rohstahlproduktion des voestalpine-Konzerns hat sich seit 1990 um 65% erhöht, während sich die Umweltinvestitionen in diesem Zeitraum verdoppelt und die Umwelt-Betriebskosten sogar deutlich mehr als verdoppelt haben. Gleichzeitig wurden die Emissionen signifikant reduziert.

Die Staub- beziehungsweise Feinstaubemissionen wurden um mehr als 80% verringert und werden trotz einer 30%igen Steigerung der Produktionskapazität im Rahmen des Investitionsprogramms am Standort Linz bis 2010 um weitere 50% reduziert. Ebenfalls nahezu halbiert wurden seit 1990 die Schwefeldioxid-Emissionen. Und die CO2-Emissionen pro Tonne Rohstahl gingen in diesem Zeitraum um knapp 20%, seit 1980 sogar um mehr als ein Drittel zurück.

Zusätzlich wurden bzw. werden im laufenden Jahrzehnt an den Standorten Linz und Donawitz groß angelegte Investitionsprogramme im Umfang von rund 3 Mrd. Euro realisiert. Der Schwerpunkt liegt neben der Kapazitätserweiterung der Produktions- und Verarbeitungsanlagen vor allem auf neuen Technologien, um die Umweltbelastung trotz des gleichzeitigen Wachstums weiter zu verringern: "So ist der 2004 neu errichtete Hochofen A in Linz im europäischen Vergleich die umweltfreundlichste und energieeffizienteste Anlage dieser Art mit dem geringsten Reduktionsmitteleinsatz zur Roheisenerzeugung (das sind z.B. Koks und Heizöl schwer) und damit auch den im Quervergleich geringsten CO2-Emissionen. Die voestalpine-Gruppe hat demnach nicht nur bereits in der Vergangenheit ihre "Hausaufgaben" teils über gesetzliche Erfordernisse hinaus erfüllt, sondern ihre Division Stahl gilt auch in bezug auf die Umwelt heute als Benchmark in Europa", betonte voestalpine Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Eder.

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