• 02.03.2007, 09:22:21
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  • OTS0036 OTW0036

VHS Favoriten: Symposium "Bildung hinter Gittern"

Symposion Franz Fritz - 6. März 2007

Wien (OTS) - Personen, die in ihrer Bildungslaufbahn schlechte
Erfahrungen mit verschiedenen Institutionen gemacht haben und oft in
einem gesellschaftlichen Umfeld leben, in dem Bildung kein Thema ist,
sind nur schwer für Weiterbildung zu motivieren. Die Volkshochschulen
und der Verband Wiener Volksbildung bemühen sich im Rahmen von
zielgruppenspezifischen Projekten, diese Menschen zu erreichen.

Gerade unter den Strafgefangenen in den Justizanstalten sind
zahlreiche so genannte bildungsferne Personen zu finden, die kaum an
Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Was für ein Bildungsverständnis
haben die Justizanstalten? Welche Möglichkeiten gibt es für
Bildungsanbieter, mit ihnen zu kooperieren? Welche Sachzwänge spielen
eine Rolle? Diese und andere Fragen werden im Rahmen des Symposions
"Bildung hinter Gittern" diskutiert, das nicht zuletzt in Erinnerung
an Franz Fritz (31.5.1920-1.6.2000), einen der ersten Volksbildner,
der in Justizanstalten Kurse anbot, durchgeführt wird.

Franz Fritz, von 1947 bis 1985 Direktor der Volkshochschule
Favoriten, war einer der ersten Erwachsenenbildner, der
Bildungsmaßnahmen in Justizanstalten durchführte. In den ersten
Jahren wurden Kurse angeboten, die Jugendlichen Grundkenntnisse in
Maschinschreiben und Deutsch vermitteln sollten. Seine Arbeit mit
Strafgefangenen war aber immer auch von einem umfassenden
Bildungsbegriff gekennzeichnet. Jugendliche bekamen die Möglichkeit,
Wissen über politische und kulturelle Zusammenhänge der Gesellschaft
zu erarbeiten.

Seine Tätigkeit als Unterrichtender in einigen der Kurse
spiegelt sein persönliches Engagement und die Nähe zu den Teilnehmern
wider. Er verstand Bildung nicht nur als ein persönliches Anliegen,
sondern als ein "Anliegen der Volksbildung" allgemein.

In den letzten Jahren seiner Tätigkeit widmete er sich vor allem
dem interkulturellen Lernen im Strafvollzug. Er führte Kurse durch,
die eine Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses
innerhalb der inzwischen multikulturellen Gefängnispopulation zum
Ziel hatten.

Sein Ansatz, jedem Menschen zu jeder Zeit eine Chance zu geben,
gehört bis heute zum Bildungsverständnis der Volkshochschulen, die
immer wieder nach Möglichkeiten suchen, bildungsfernen und von der
Gesellschaft oft vergessenen Gruppen das Lernen näher zu bringen. So
bietet die Volkshochschule Margareten - polycollege einen
Hauptschulabschlusskurs in der Justizanstalt Simmering an. In den
Justizanstalten Simmering, Schwarzau und Korneuburg wurden gemeinsam
mit dem Verein Neustart im Rahmen des Projekts "Schritt für Schritt"
Grundbildungskurse angeboten. Dieses Angebot stand sowohl
Haftentlassenen als auch InsassInnen zur Verfügung. Die Lernpläne
wurden auf die individuellen Bedürfnisse der TeilnehmerInnen
abgestimmt. Dabei konnten die Lernenden ihr Lernziel und das
Lerntempo weitgehend selbst bestimmen. Das Projekt wurde vor kurzem
abgeschlossen. Auf Grund des großen Erfolges gibt es bereits
Verhandlungen um eine Fortsetzung.

Dieses Projekt wie auch laufende Bildungsangebote in
Justizanstalten beweisen, dass auch ein Gefängnis ein Ort ist, wo
Bildung vorstellbar ist.

o Bildung hinter Gittern - Symposion Franz Fritz
  Volkshochschule Favoriten                     
  Arthaberplatz 18                              
  1100 Wien                                     
  6. März 2007                                  
  9.00-14.00 Uhr

Programm:

o 9.00-9.45 Uhr                                                   
  Stadtrat Dr. Michael Ludwig, Verband Wiener Volksbildung:       
  Begrüßung und Einleitung                                        
o 9.45-10.30 Uhr                                                  
  Dr. Walter Hammerschick, Institut für Rechts- und               
  Kriminalsoziologie: "Bildungsangebote für Gefangene - Warum und 
  wozu?"                                                          
o 10.30-10.45 Uhr                                                 
  Pause                                                           
o 10.45 -11.30 Uhr                                                
  Kurzvorstellungen:                                              
  SR Wolfgang Riebniger, Sonderpädagoge an div. Justizanstalten,  
  Zentrum für Verhaltenspädagogik: "Der Bildungsansatz im         
  Strafvollzug"                                                   
  Beate Göbel, Schauspielerin, Regisseurin: "Kunst und Bildung"   
  Mag.a Ruth Pleyer, Koordinatorin und Trainerin "Schritt für     
  Schritt": "Grundbildung in der Justizanstalt"                   
o 12.15-13.15 Uhr                                                 
  Podiumsdiskussion: Bildungschancen im Strafvollzug              
  Es diskutieren:                                                 
  SR Wolfgang Riebniger, Mag. Andreas Paula (Direktor der VHS     
  Donaustadt), Susanne Schaefer-Wiery (Direktorin der VHS         
  Margareten - polycollege), Obstlt. Gottfried Neuberger (Leiter  
  der Justizanstalt Schwarzau)                                    
  Moderation: Mag.a Brigitte Handlos, Chronikressortleiterin ORF  
  -Radio                                                          
  Buffet

(Schluss) vhs

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Dr. Helena Verdel
Verband Wiener Volksbildung
Hollergasse 22
1150 Wien
Tel. 89 174-306
E-Mail: [email protected]

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