- 27.02.2007, 16:00:00
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"KURIER"-Kommentar von Anneliese Rohrer: "Kinder aus politischer Geiselhaft holen!"
Die Familien brauchen keine neuen Debatten, sondern konkrete Taten.
Wien (OTS) - Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Thema mit
Ewigkeitswert. Schon vor mehr als 25 Jahren gab es Streit mit der
damaligen SP-Staatssekretärin Johanna Dohnal über die steuerliche
Absetzbarkeit von Kindermädchen. Das käme nur der Mittelschicht
zugute, lehnte sie damals klassenkämpferisch ab.
Die Mittelschicht hat sich verändert, doch Dohnals x-te
Nachfolgerin Doris Bures beklagt noch immer "schlechte
Rahmenbedingungen" für die Vereinbarkeit von Kindern und
Berufstätigkeit in Österreich.
Das ist beschämend.
Noch schamloser ist die derzeitige politische Vereinnahmung der
Kinder in Österreich und Deutschland: Wahlniederlagen, Parteipolitik,
Armut, Karriereknicks, Wünsche der katholischen Kirche - für alles
müssen sie herhalten. Als gäbe es keine Eigenverantwortung der
Eltern. So schob Bayerns abgehender Landesfürst Stoiber letzte Woche
in Verdrehung der Tatsachen 450.000 Müttern die Schuld an der
ÖVP-Niederlage 2006 zu.
Das Gegenteil war wahr: Nicht das "progressive Bild der Familie"
kostete die ÖVP Stimmen, sondern das Fehlen eines solchen. Stoiber
sollte Josef Pröll anrufen.
Alle berufen sich jetzt auf das Kindeswohl. In Deutschland Bischof
Walter Mixa, in Österreich Weihbischof Andreas Laun; dort
Familienmininisterin Ursula von der Leyen (CDU), hier die
Ministerinnen Bures (Frauen) und Andrea Kdolsky (Familien). Sie
tragen ihre Parteipolitik auf den Rücken der Kinder aus, indem sie
über den Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen streiten.
Rabenmütter- Die absurde Diskussion pendelt zwischen
Gehirnforschung (Laun), Gebärmaschinen (Mixa), Muttergeld,
Rabenmüttern. Unterdessen wird es Firmen durch viele Auflagen weiter
unmöglich gemacht, Betriebskindergärten zu errichten; werden Frauen
in manchen Bundesländern durch unmögliche Öffnungszeiten am
Berufsleben gehindert; werden Familien steuerlich für die Anstellung
von Betreuungspersonen bestraft.
Wer ist eine Rabenmutter? In der Gehirnforschung wird die Antwort
nicht zu finden sein, wohl aber in der Erkenntnis: Kinder leiden dort
am meisten, wo sie häufig wechselnden Bezugspersonen ausgesetzt
sind. Die verheiratete Hausfrau mit ständig neuem Au-Pair-Mädchen ist
keine Rabenmutter? Die allein erziehende Berufstätige mit der immer
gleichen Babysitterin schon? Die unfröhliche Mutter, die ihren Frust
ob der fehlenden Herausforderung auslebt, ist keine? Die zufriedene
Karrierefrau schon?
Man muss die Kinder aus der politischen Geiselhaft befreien! Wie?
Indem man bar jedes parteipolitischen oder ideologischen Ballasts
eine gute nicht-elterliche Kinderbetreuung anbietet: Öffnungszeiten
ändert, Kindergärtner(innen) besser bezahlt; Betreuungsplätze in den
Unternehmen fördert; private Betreuung steuerlich begünstigt; für
jede Lebenssituation - Familiennetzwerk oder keines - eine Lösung
ermöglicht. Ob dies in Anspruch genommen wird, ist Sache der
Familien. Das erfordert Fantasie und Flexibilität. Damit tut sich die
Politik schwer. Der Rest ist aber politischer Kindesmissbrauch.
Rückfragehinweis:
KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
E-Mail: [email protected]
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