• 25.02.2007, 20:56:22
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn sich Politiker zu gerne als alleinige Helfer in der Not sehen" (von Christian Weniger)

Ausgabe vom 26.02.2007

Graz (OTS) - Keine Ende der Diskussion, wie künftig die Betreuung
der pflegebedürftigen Menschen in Österreich zu bewerkstelligen sein
wird. Ein Vorschlag da, ein Gegenvorschlag dort. Selbst in der
Kanzlerpartei schafft man es nicht, sich auf ein Modell zu einigen.

Vor sieben Monaten brach die Intensivdebatte über die Pflege aus.
Schon in der heißen Phase des Wahlkampfes. In solchen Zeiten wird
nicht darüber geredet, welchen Beitrag vielleicht Angehörige zur
Betreuung hilfsbedürftiger Angehöriger leisten könnten und sollten.
Denn wenn der Urnengang naht, erklären sich Politiker voll Inbrunst
zu bedingungslosen Lösern jedes Problems.

Die Erwartungen der Gesellschaft sind eben längst von der verbalen
Hilfsfreudigkeit der Politiker geprägt. Was den persönlichen Alltag
belastet, soll die institutionalisierte Allgemeinheit übernehmen.
Klappt die Erziehung des Nachwuchses nicht, stellt dies
selbstversändlich ein Versagen des Staates mit all seinen
Institutionen dar. Dann sollen sich die Politiker, von Kanzler und
Ministern abwärts, gefälligst darüber den Kopf zerbrechen, wie aus
unerzogenen Früchtchen Musterschüler werden. Passiert im Urlaub ein
Malheur, erwartet man natürlich von Papa Staat uneingeschränkte Hilfe
ohne Grenzen und in jeder Hinsicht.

"Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für
euer Land tun könnt." Zitate wie das des einstigen US-Präsidenten
John F. Kennedy rufen heute eher nur ein mitleidiges Lächeln hervor.
Der Staat wird vorwiegend als persönliche Risikoversicherung
verstanden. Engt das private Umfeld die persönliche Bewegungsfreiheit
ein, werden aus privaten Erschwernissen öffentliche Anliegen, die von
der öffentlichen Hand zu lösen sind, möglichst ohne den Einzelnen
damit zu belasten.

Womit wir wieder zur Pflegedebatte kommen. Natürlich ist angesichts
der demographischen Entwicklung ein rapides Ansteigen des
Pflegebedarfs garantiert. Natürlich gilt es, auf diese Last eine
politische Antwort zu finden und zu geben. Doch dass die Betreuung
Angehöriger auch in den zutiefst privaten Bereich gehört, selbst
verbunden mit persönlichen Opfern, sollte in den Köpfen der Menschen
bleiben.

Jetzt freilich läuft die Diskussion über die Pflege als reiner
Politthriller ab. Die Politiker haben sich in ihrer um Beifall
heischenden Art diesen Mühlstein selbst umgehängt. Sie sollen
schauen, wie sie damit fertig werden. Wenn sie schon eilfertig
Lösungen versprechen, dann bitte her damit - oder haben sie mehr
versprochen, als sie halten können? ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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